+
Senegalesische Soldaten sammeln sich in Karang, Senegal, an der Grenze zu Gambia. Nun scheint die Krise abgewendet zu sein. Foto: Sylvain Cherkaoui

Ex-Präsident gibt auf

Unblutiger Machtwechsel in Gambia: Jammeh tritt zurück

Bis zur letzten Minute hat er sich an die Macht geklammert. Doch nach einer Machtdemonstration ausländischer Truppen steuerte Jammeh doch um. Nun steht einem friedlichen Machtwechsel in Gambia nichts mehr im Weg.

Banjul (dpa) - Angesichts einer unmittelbar bevorstehenden Entmachtung durch ausländische Truppen hat der abgewählte gambische Präsident Yahya Jammeh seinen Amtsverzicht erklärt.

Nach Marathonverhandlungen mit westafrikanischen Vermittlern in der Nacht zum Samstag erklärte Jammeh im staatlichen Fernsehen, er habe sich entschlossen, "die Führung des Landes" aufzugeben. Es sei nicht nötig, "dass auch nur ein Tropfen Blut vergossen wird." Seinen Nachfolger, den im Dezember gewählten Adama Barrow, erwähnte er nicht. Jammeh hatte sich bis zuletzt geweigert, die Macht abzugeben.

Er dankte jenen, die ihn beim Aufbau "eines modernen Gambia unterstützt" hätten. Jammeh hat den westafrikanischen Staat, eines der ärmsten Länder der Welt, seit 22 Jahren mit harter Hand regiert. Am Donnerstag war eine westafrikanische Eingreiftruppe in Gambia einmarschiert, um den Machtwechsel notfalls zu erzwingen.

Es blieb nach Jammehs Ansprache jedoch zunächst unklar, ob er ins Exil gehen würde und ob ihm für das Aufgeben der Macht eine Amnestie gegen strafrechtliche Verfolgung zugesichert wurde. Es wurde vermutet, dass Jammeh entweder nach Mauretanien oder Guinea ins Exil gehen würde.

Barrow hatte seinen Amtseid am Donnerstag in der gambischen Botschaft im Senegal abgelegt. Kurz darauf war eine Eingreiftruppe der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas in Gambia einmarschiert, um den Machtwechsel notfalls zu erzwingen. Der letzte Vermittlungsversuch, Jammeh zum Einlenken zu bewegen, zog sich von Freitagmorgen bis in die Nacht. Angeführt wurden die Verhandlungen von Guineas Präsident Alpha Condé.

Die militärische Intervention war am Freitagmorgen vor den Vermittlungsgesprächen auf Eis gelegt worden. Hätte Jammeh nicht nachgegeben, wären die Truppen aus Nigeria, Ghana, Togo und dem Senegal nach Banjul marschiert. Trotzdem war es unwahrscheinlich, dass es zu größeren Kampfhandlungen kommen würde. Die Gesamtstärke der gambischen Streitkräfte liegt etwa zwischen 800 bis 1000 Soldaten. Die Führung von Streitkräften und Polizei hatte sich bereits von Jammeh losgesagt.

"Selbst wenn die Gespräche scheitern, werden die gambischen Truppen die Ecowas-Truppen mit offenen Armen und einer Tasse Tee begrüßen", sagte Generalstabschef Ousman Badgie am Freitagnachmittag.

Die frühere britische Kolonie Gambia gehört nach einem UN-Index zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Neben der Landwirtschaft ist in dem Staat mit etwa zwei Millionen Einwohnern der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige.

Rücktritts-Ansprache Jammehs im staatlichen Fernsehen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abdeslam wegen Schießerei zu 20 Jahren Haft verurteilt
Salah Abdeslam soll an den islamistischen Anschlägen sowohl in Paris als auch in Brüssel beteiligt gewesen sein. Nun ist das erste Urteil gegen ihn gefällt worden. Ein …
Abdeslam wegen Schießerei zu 20 Jahren Haft verurteilt
Armeniens Ministerpräsident Sargsjan tritt zurück
Das kleine Armenien ist in einer schwierigen Lage. Deshalb hielt sich der starke Mann Sersch Sargsjan lange für unentbehrlich - zu lange. Denn die Bürger des Landes …
Armeniens Ministerpräsident Sargsjan tritt zurück
„Brexit ergibt keinen Sinn“ - Klopp überrascht mit ungewöhnlichem Vorschlag
Jürgen Klopp warnt vor den negativen Folgen eines EU-Austritts von Großbritannien. Außerdem hat er einen besonderen Vorschlag zu diesem brisanten Thema.
„Brexit ergibt keinen Sinn“ - Klopp überrascht mit ungewöhnlichem Vorschlag
Merkel vor Trump-Treffen: Das ist elementare Voraussetzung für Frieden
In wenigen Tagen treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump. Im Vorfeld hat Angela Merkel nun einige Bemerkungen bezüglich internationaler …
Merkel vor Trump-Treffen: Das ist elementare Voraussetzung für Frieden

Kommentare