Junge Union

Ungewöhnliche Klänge: CSU debattiert über Homo-Ehe

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München - In einer geheimen Abstimmung will die Junge Union einen klaren Standpunkt auch zum Adoptionsrecht finden. Sie wird mit Spannung erwartet - der Ausgang ist offen.

In der CSU setzt eine neue Debatte über den Umgang mit Homosexuellen ein. Die Junge Union beruft überraschend eine Sonder-Landesversammlung in zehn Tagen ein, um über Homo-Ehe und Adoptionsrecht abstimmen zu lassen. „Wir müssen diese Diskussion endlich mal in der Partei führen“, sagte JU-Chef Hans Reichhart unserer Zeitung.

CSU und JU formulieren für sich derzeit jeweils neue Grundsatzprogramme. Die Position zur Homo-Ehe ist dabei heikel. Seit mehreren Jahren setzen vor allem großstädtische Abgeordnete eine vorsichtige Öffnung der Partei hin zu neuen Partnerschaftsmodellen durch. Derzeit gibt es in der Union aber auch die Sorge, ob zu viele vertraute Werte und Positionen aufgegeben würden.

Reichhart (33) will die 341 JU-Delegierten am 18. Juni in Nürnberg geheim über drei Varianten abstimmen lassen: die Ehe nur für Mann und Frau zu ermöglichen; die Leistung und Verantwortung füreinander in homosexuellen Partnerschaften anzuerkennen; oder die Ehe und auch das Adoptionsrecht für alle zu öffnen. Auf dieses Vorgehen einigte sich die JU-Spitze am Wochenende.

Auch für die völlige Gleichstellung gibt es in der Partei Sympathien

Die Abstimmung in der Meistersingerhalle wird mit Spannung erwartet, der Ausgang ist offen. Auf dem CSU-Parteitag im November 2015 wurde nur mit erheblichen Anstrengungen hinter den Kulissen ein Antrag abgebogen, die CSU auf die klassische Ehe festzulegen. Auch für die völlige Gleichstellung gibt es in der Partei Sympathien. Womöglich bilde ein harmonisches homosexuelles Paar eine bessere Familie und lebe konsequenter konservative Werte als ein zerstrittenes Mann-Frau-Paar, wird argumentiert. 

Zudem stehe ohnehin ein weitreichendes Verfassungsgerichtsurteil an, Karlsruhe werde die Politik in diese Richtung zwingen. Der Münchner Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius sagte schon vor einem Jahr, es gehe „um das Recht der Kinder auf die besten Eltern – das können im Einzelfall auch gleichgeschlechtliche Paare sein“.

Für CSU-Abgeordnete sind das ungewöhnliche Klänge. In den Archiven schlummern noch Sätze über die „Perversion“ des Schwulseins oder die „schrille Minderheit“. Reichhart selbst legt sich nicht offiziell fest, gibt aber zu bedenken: „Bayern hat der Grundsatz von ,Leben und leben lassen‘ stark gemacht.“

Wie genau die Position im Grundsatzprogramm der gesamten CSU formuliert wird, ist noch nicht sicher. In den bisherigen Entwürfen des Grundsatzkommissionschefs Markus Blume (41), die in der Partei kursieren, steht: „Wir schätzen und fördern, wenn Menschen füreinander einstehen und verlässlich Verantwortung und Sorge füreinander übernehmen.“ Der Staat müsse „allen familiären Situationen gerecht werden“. Der Staat dürfe keine Form der Familie ausgrenzen, „er darf aber auch nicht das von der überwiegenden Mehrzahl der Menschen gelebte Modell der traditionellen Familie mit der Gemeinschaft von Mutter, Vater, Kindern ins Hintertreffen geraten lassen“. Der Begriff der „Ehe“ wird in dieser Fassung für Mann und Frau vorbehalten, die CSU spricht sich aber auch für eingetragene Partnerschaften aus. Ob diese Sätze Bestand haben, ist offen. 

Rubriklistenbild: © dpa

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