Nach Rassismus-Vorwurf

Uni-Auftritt von Lindner eskaliert - Reaktion des FDP-Chefs erstaunt

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Ein Auftritt von FDP-Chef Christian Lindner an der Universität Bochum wird durch Studenten gestört. Das Erstaunliche daran: Lindners Reaktion. 

Gast-Auftritte von Politikern an Universitäten? Das birgt gemeinhin Konfliktpotential. In den USA boykottierten Studenten aus Protest gegen die Anwesenheit von US-Vizepräsident Mike Pence ihre Abschlussfeier, hierzulande wurde ein AfD-Abgeordneter in Passau mit Applaus regelrecht niedergeklatscht, in Magdeburg musste Landeschef André Poggenburg sogar mit Polizeischutz aus dem Hörsaal geleitet werden; kurzum: Es ist ein eher schlecht gehütetes Geheimnis, dass Uni-Vorträge gefährliches Terrain für Politiker sind. 

Über all diese Dinge wird Christian Lindner, Vorsitzender der FDP, freilich nachgedacht haben, bevor er sich entschied, einen Vortrag an der Universität in Bochum zu halten. Dass er es dann aber - als die Stimmung tatsächlich eskalierte - fertig brachte, den Hörsaal am Ende mit tosendem Applaus zu verlassen, dürfte nun doch ein klein wenig überraschen. Wie konnte es hierzu kommen? Von vorne. 

"Sie sind ja rassistisch, FDP verpiss dich"

Die Situation beginnt damit, dass ein Student die Bühne betritt und Lindner frontal attackiert. "Er ist dafür verantwortlich, dass Nicht-EU-Ausländer wieder Studiengebühren zahlen müssen. Das finden wir scheiße!" Allgemeiner Jubel. Und weiter: "Sie haben sich vielleicht erhofft, dass Sie massiven Protest wie bei der letzten Bildungsstreikwelle unterbinden können." Kleine Kunstpause. "Doch wir sagen nein! Wir werden Studiengebühren verhindern", ruft er unter dem Jubel der Zuhörer.

Zu einer Antwort kommt Lindner erst einmal nicht. Hinter der Bühne haben sich Aktivisten mit Plakaten versammelt - mehrmals brüllt eine von ihnen: "Sie sind ja rassistisch, FDP verpiss dich!“ Lindners Antwort: "Ich hoffe darauf, dass ihr Linken euch an das Prinzip der Toleranz für andere Meinungen erinnert. Jetzt kommt meine Meinung."

Es ist der Beginn einer emotionalen Rede, die neben den inhaltlichen Punkten des FDP-Konzepts (es gehe nicht um kostenlose Bildung für alle, sondern um möglichst gute Bildung, Anm. d. Red.) vor allem einer Grundsatzrede gleichkommt. "Jetzt mal still. Wir sind hier nicht Hamburg“, sagt Lindner einmal. „Wir sind in einer Demokratie, da lassen wir uns nicht niederbrüllen! Ihr müsst jetzt andere Argumente aushalten und es ist ein Gebot von Erwachsensein, dass man anderen zuhört." Als daraufhin einige Studenten den Raum verlassen wollen, wirft er ihnen vor, andere Meinungen praktisch auszublenden. "Ich habe Toleranz für andere Meinungen. Aber dass ihr euch nicht einmal meine Meinung anhören wollt, spricht nicht für euch."

Wie wahr. Denn trotz aller Differenzen sollte doch vor allem eins gegeben sein: Und das ist der gegenseitige Respekt. Für Studenten. Und auch für Politiker. Der abschließende Applaus danach gibt Lindner Recht. 

Lindners Auftritt im Video:

lpr

Rubriklistenbild: © Screenshot Youtube 

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