+
Zivilisten laufen durch eine zerstörte Straße in Aleppo. Der Krieg in Syrien wird nach Angaben von Unicef mit immer größerer Brutalität geführt. Foto: Zouhir Al Shimale/Archiv

Unicef: Immer größere Brutalität in Syrien 

Berlin (dpa) - Der Krieg in Syrien wird nach Worten des Deutschland-Chefs von Unicef, Christian Schneider, mit immer größerer Brutalität geführt.

"Es geschehen Kriegsverbrechen mit einer Rücksichtslosigkeit, die einem den Atem raubt", sagte der Leiter des UN-Kinderhilfswerks. "Nach fünf Jahren Krieg scheinen alle Schranken gefallen zu sein - mit furchtbaren Folgen für die Zivilbevölkerung und besonders für die Kinder", sagte Schneider der "Rhein-Neckar-Zeitung". Kinder litten unter extremer Angst und Elend und viele würden getötet.

Unicef verlangt Hilfskorridore unter internationaler Aufsicht der UN. "Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie dort wirklich in Sicherheit sind", sagte Schneider.

Hilfsorganisationen kritisieren weiterhin die von syrischen und russischen Truppen eingerichteten Fluchtkorridore für Hunderttausende eingekesselte Zivilisten in Aleppo. Dies sei keine humanitäre Hilfsmaßnahme, erklärten CARE, Save the Children, World Vision, AWO International gemeinsam mit 35 weiteren Organisationen.

"Einen angeblich sicheren Fluchtweg anzubieten, darf nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass die verbleibenden Menschen zu militärischen legitimierten Zielen werden", heißt es. Die Stadt dürfe nicht zu einem weiteren Ort des Massensterbens werden, der Belagerungszustand und die illegalen Angriffe auf Zivilisten müssten enden.

Syrische Regierungstruppen hatten im Juli alle Versorgungswege nach Aleppo erobert und dort bis zu 300 000 Bewohner eingekesselt. Aleppo gilt als wichtigstes Schlachtfeld im Bürgerkrieg. Am Donnerstag hatten syrische Streitkräfte erste Korridore geöffnet. Die UN rufen Moskau auf, deren Verwaltung UN-Experten zu überlassen.

Weiter erklärten die Hilfsorganisationen: "Eine wirkliche humanitäre Hilfsaktion würde die Bewohner von Aleppo nicht zu der Wahl zwingen, entweder in die Arme ihrer Angreifer zu fliehen oder in den belagerten und bombardierten Stadtteilen zu bleiben."

Wenn Russland eine humanitäre Katastrophe abwenden wolle, sollte es die UN-Forderung unterstützen, dass die Konfliktparteien wöchentlich eine 48-stündige Feuerpause einhalten, heißt es weiter. Nur so lasse sich ein sicherer, ungehinderter und unverzüglicher humanitärer Zugang gewährleisten, über den Hilfsgüter nach Aleppo transportiert werden und Menschen freiwillig die Stadt verlassen können.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kohlekommission: Keine Vorfestlegung auf Ausstiegsdatum
Berlin (dpa) - Nach dem Ärger um das Bekanntwerden eines Zeitplanes für den Kohleausstieg haben die vier Vorsitzenden der Kohlekommission den Vorwurf einer frühen …
Kohlekommission: Keine Vorfestlegung auf Ausstiegsdatum
Maaßen-Showdown: Krisengipfel mit Merkel, Seehofer und Nahles läuft - Platzt die GroKo?
Laut einem Bericht strebt Innenminister Seehofer eine Versetzung von Hans-Georg Maaßen an. Eine Krisensitzung mit Angela Merkel und Andrea Nahles soll die Entscheidung …
Maaßen-Showdown: Krisengipfel mit Merkel, Seehofer und Nahles läuft - Platzt die GroKo?
Putin: Europa muss Flüchtlingskrise selbst bewältigen
Ungarn schottet sich von Flüchtlingen ab - und erntet dafür vielfach Kritik in der EU. Nicht so in Moskau: Präsident Putin wagt eine Prognose, die Ungarn in seinem Kurs …
Putin: Europa muss Flüchtlingskrise selbst bewältigen
Briefwahl für die Landtagswahl in Bayern: Das sollten Sie wissen
Die Briefwahl ist auch bei der Landtagswahl 2018 in Bayern möglich. Wir klären alle Fragen und zeigen Ihnen, wie man die Briefwahl beantragt.
Briefwahl für die Landtagswahl in Bayern: Das sollten Sie wissen

Kommentare