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Horst Seehofer und Angela Merkel am Sonntag beim Spitzentreffen der Union.

Versöhnungstreffen von CDU und CSU

Union will Asylstreit beilegen - Drahtseilakt für Merkel und Seehofer

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München - Kein böses Wort soll das zweitägige Versöhnungstreffen von CDU und CSU stören.  Nach dem Zerwürfnis aus der Flüchtlingskrise ist das ein schwieriger Akt für Seehofer und die Kanzlerin.

Es gibt malerische Orte als den Münchner Norden an der A 9, aber als die Kanzlerin aus der Limousine steigt, lässt sie sich die Umgebung zeigen wie ein Naturparadies. Hier: ein Hochhaus! Dort: noch eins! Da: der Mittlere Ring! „Ich freue mich“, sagt Angela Merkel. Ist die Freude echt so groß? Jedenfalls zeigt Merkel mit dem demonstrativen Interesse einen großen Willen zur Harmonie. Kein böses Wort soll das zweitägige Versöhnungstreffen von CDU und CSU stören. Wie riskant dieses Manöver ist, lesen Sie in einem Kommentar des Münchner Merkur.

In der neuen CSU-Zentrale rufen die Spitzen der Unionsparteien Merkel zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin aus, zwei Tage lang, Sonntag bis Montag. Was sonst Routine und eine politische Selbstverständlichkeit wäre, ist nach dem Zerwürfnis aus der Flüchtlingskrise ein schwieriger Akt. Vor allem die CSU soll einschwenken und sich wieder hinter der Kanzlerin formieren. Horst Seehofer, bis dato ihr schärfster Kritiker, muss vorausgehen. Man müsse jetzt gemeinsam Wahlen gewinnen, sagt der CSU-Vorsitzende also in die Kameras. „Der Sieg ist dort, wo Eintracht herrscht.“ Auch Merkel, die entgegen sonstiger Gepflogenheiten vor den wartenden Journalisten hält, betont das Verbindende: „Wir haben sehr viel mehr gemeinsam als das, was unterschiedlich behandelt wird.“

Der Asylstreit ist offiziell beendet - oder?

Über das Gemeinsame haben Seehofer und Merkel persönlich ein Papier verfasst, sie wollen es ebenfalls heute vorlegen – das offizielle Ende des Asylstreits, sei der nun gelöst oder nicht. Am Ende des Treffens sollen zudem Grundzüge für ein gemeinsames Wahlprogramm stehen. Darin soll es konkret auch um Innen- und Grenzpolitik gehen, aber ohne die CSU-Dauerforderung Obergrenze, die wird erst in möglichen Koalitionsverhandlungen ausdiskutiert.

Der Tag 1 des Treffens läuft tatsächlich harmonisch, mit Gummibärchen am Tisch, Äpfeln mit CSU-Logo und einer Art Grillfest am Abend; es gibt fränkische Bratwürscht in der frisch renovierten CSU-Kantine. Die Vorzeichen für das Treffen haben sich dennoch geändert. Weil die SPD durch ihren neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz in Umfragen stark ansteigt, erscheint Merkel als Kanzlerin nicht mehr unschlagbar. Das diszipliniert die Union einerseits, stellt aber auch bisherige Wahlziele infrage. Seehofer muss zum Beispiel sehr wortreich auf die Frage antworten, ob er jetzt immer noch 40 Prozent als Zielmarke für die Union im Herbst ausgibt. „Wir sind doch keine Hasen, die im Feld hin und herhüpfen, je nachdem, wo gerade Regentropfen fallen“, erklärt er also. „Wir gehen unseren Weg, beständig, deshalb bleibt es bei dem Ziel, das ich für die CSU erklärt habe.“

Harte Merkel-Kritiker sind nicht eingeladen

Merkels Generalsekretär Peter Tauber befasst sich in München direkt mit der SPD und ihrem Umfragehoch. „Wenn sich die SPD jetzt berauscht, sei es ihr gegönnt“, sagt Tauber. „Sie wird am Wahlabend mit Kater aufwachen.“ Und CSU-Minister Alexander Dobrindt erklärt den Wahlkampf zum „Marathon“, nicht zur Kurzstrecke.

Eingeladen beim Versöhnungstreffen sind übrigens, von Seehofer abgesehen, keine harten Merkel-Kritiker wie Markus Söder, Thomas Kreuzer oder Hans-Peter Friedrich. Stattdessen rücken die Parteivizes an, darunter Manfred Weber, und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Für die CDU sind unter anderem Ursula von der Leyen, Thomas Strobl, Volker Bouffier und Wolfgang Schäuble dabei.

Heute werden Merkel und Seehofer gemeinsam vor die Presse treten. Ihr letzter Auftritt bei einer Parteiveranstaltung in München war der legendäre Parteitag im November 2015; alle Anspielungen darauf wird die Parteiregie zu meiden versuchen. Später ist zudem ein Koalitionsgipfel der Bundesregierung in der Münchner Staatskanzlei angesetzt. 

(Update am Montagmorgen: Berichte, nach denen Verkehrsminister Alexander Dobrindt die CSU-Liste anführen soll, hat Horst Seehofer dementiert.)

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