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36 Grad und ein schwitzender Minister: Kanzleramtschef Peter Altmaier transportiert ein Reserve-Hemd in seiner alten Aktentasche zum Treffen der Union in Potsdam.

Disharmonien im Hintergrund

Unions-Klausur: Ein bisschen Inselfrieden mitten im Brexit-Chaos

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Potsdam - Das Treffen von CDU und CSU in Potsdam verliert an Brisanz. Statt Asyl-Debatte geht den Schwesternparteien jetzt um grundsätzliche Gedanken über die Zukunft Europas.

Am Ende beginnt dann dieser Gipfel, auf den das halbe Land wochenlang neugierig wartete – und kaum einen interessiert es mehr. Stunde um Stunde schieben CDU und CSU den Beginn ihrer großen Aussprache in Potsdam nach hinten, ehe die Parteivorsitzenden Angela Merkel und Horst Seehofer um 17 Uhr eintreffen. Die lang vorher besprochene Tagesordnung von Digitalisierung bis Umwelt, die in sechs Untergruppen abgearbeitet werden sollte, reduziert sich schnell am Tag des überraschenden Brexits – auf Europa, Europa und Europa.

„Wir brauchen für große Fragen mehr Europa. Für kleine weniger“, sagt Seehofer beim Eintreffen vor den Kameras. Merkel rauscht bei 36 Grad und Sonnenschein an den Journalisten vorbei, sagt drinnen aber Ähnliches. Sie warnt vor Schnellschüssen und rät zu Ruhe, berichten Teilnehmer, wirbt für ein Europa des Großen.

Der Rahmen passt für einen Friedensgipfel

Die Disharmonien in CDU und CSU rücken da in den Hintergrund. Kleinmütig wirkt der wochenlange Streit, wo man dieses Treffen am besten abhalten solle – Berlin, wie die Kanzlerin vorschlug, oder näher an München (CSU). In Potsdam jedenfalls passt der Rahmen für den Friedensgipfel: Das Tagungsgebäude auf einer Halbinsel gehört einer evangelischen Stiftung. Im etwas weiter entfernten Hotel, in dem mehrere Unionspolitiker übernachten, findet ein Seminar zum Teambuilding statt, wie aus einem zerstrittenen Haufen eine Einheit gemacht werden kann. Und für den späteren Abend planten Merkel und Seehofer ein gemeinsames Grillen am Templiner See. Vom „Inselfrieden“ schreibt, leicht amüsiert, die örtliche Presse. Das Megathema aber bleibt Europa.

Am Samstag geht die Klausur der knapp zwei Dutzend Parteifreunde und -feinde weiter. Einige in der Union hoffen, dass die Angst um Europa auch der in Umfragen verzwergten CDU – in Umfragen verlor sie ein Viertel ihrer Wähler – wieder auf die Beine helfen könnten. „Das schweißt zusammen“, sagt Armin Laschet (CDU). Hauptsache, das große Streitthema Flüchtlinge beherrscht nicht mehr alles. „In Anbetracht der Herausforderungen in Europa und der Welt können wir uns keine Reibungsverluste durch zu lange und zu intensive Selbstbeschäftigung leisten“, mahnt Gerda Hasselfeldt (CSU).

Auf die Frage, ob er sich mit Merkel über die Flüchtlingspolitik einigen werde, sagt Seehofer ausweichend: „Man kann solche schwierigen Fragen nicht zu Beginn einer Klausur beantworten. Ich bin froh, dass sie stattfindet.“ Reden helfe immer.

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