Ende einer Beziehungskrise: Angela Merkel und Horst Seehofer am Montagmorgen in München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Unionsgipfel in München

Die schwarze Zweckgemeinschaft

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München – Es ist Politik-Schauspiel: Die CSU versöhnt sich mit Angela Merkel. Doch der Kanzlerin fällt es schwer, große Begeisterung zu entwickeln. Zu viel scheint vorgefallen zu sein. Die Entwicklung der Umfragen lässt die Anspannung wachsen.

Zu den großen Mythen der Berliner Republik gehört der Humor von Angela Merkel. Menschen, die sie besser kennen, berichten jedenfalls ziemlich glaubwürdig von launigen Abenden im kleinen Kreis. Am Montagmittag aber ist der Kreis groß. Merkel sitzt vor einem Dutzend Kameras und vielen, vielen Journalisten in der CSU-Zentrale in München. Ein bisschen wirkt die Kanzlerin hier wie auf Auslandsreise. Und vielleicht hat sie ja nur vergessen, die kritische Miene vom Staatsbesuch bei Recep Tayyip Erdogan abzunehmen – aber die Späßchen, die der gut gelaunte Gastgeber Horst Seehofer neben ihr in seinen Auftritt einstreut, prallen an Merkel ab. Ein paar Mal ringt sie sich ein Lächeln ab. Müde wirkt sie, nicht nur wegen des gemeinsamen Grillabends, der bis nach Mitternacht gedauert haben soll.

„Wir haben es in den letzten Monaten wahrlich nicht immer leicht mit uns gehabt“, sagt die Kanzlerin. Eine schöne Satzkonstruktion. Was sie meint ist: Sie hat es nicht leicht gehabt mit dieser CSU, die es ihr nicht immer leicht gemacht hat. Erinnert sei nur an Merkels letzten Auftritt in München vor knapp eineinhalb Jahren, als Seehofer sie auf offener Parteitagsbühne vorführte. Darüber kann ein gemeinsamer Grillabend nicht hinwegtäuschen. Und erst recht nicht Seehofers Beteuerung, die Auseinandersetzung mit der Kanzlerin sei „ohne persönliche Herabsetzung“ geführt worden. Während der CSU-Vorsitzende spricht, schaut Merkel regungslos ins Nichts.

So endet dieses zweitägige Treffen ohne großen Nachrichtenwert: Ja, die Präsidien rufen Merkel zur Kandidatin aus. Nein, Euphorie kommt nicht auf. Man betont zwar Gemeinsames, kommt sich aber kaum näher. Fünf Seiten lang ist die sehr allgemein gehaltene Erklärung mit dem Titel „Orientierung geben – Zukunft sichern“. Tenor: Innere Sicherheit ist wichtig, Innovation auch. Man fördert Familien und bekennt sich zu Europa. Sensationen sehen anders aus. Interessant ist die Formulierung, Deutschland brauche ein „Regelwerk zur Steuerung von Einwanderung“, weil Deutschland „verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland setzen“ müsse. Früher hieß so etwas Einwanderungsgesetz und galt in der CSU als Teufelszeug. Jetzt wird dieses „Regelwerk“ Teil des gemeinsamen Regierungsprogramms.

Parallel will die CSU ein eigenes Wahlprogramm vorlegen, den neuen „Bayernplan“. Darin findet sich auch die Obergrenze für Flüchtlinge, bei der es weiter keine Annäherung gibt. Seehofer hat sich festgelegt: Einen Koalitionsvertrag ohne Obergrenze wird er nicht unterschreiben. Und Merkel sagt: „Ich habe nicht die Absicht, hier die Position zu ändern.“

Nein, es will keine rechte Freude aufkommen. Erst recht nicht, weil kurz vor der Pressekonferenz die Nachricht von der neuen Insa-Umfrage die Runde macht. Die SPD vor der Union – das hat es seit Gerhard Schröder nicht mehr gegeben. Merkel wird mehrfach nach dem Hype um Martin Schulz gefragt, aber viel fällt ihr dazu nicht ein. „Ich habe bei jeder Bundestagswahl meinen Herausforderer ernst genommen“, sagt sie. Ansonsten lautet ihr Programm: „Verlässlichkeit, Stabilität und Ordnung, Maß und Mitte sowie Neugier auf neue Entwicklung.“ Ob dieser nüchterne Ansatz gegen eine euphorisierte SPD reicht, wissen die Strategen in der Union selbst nicht. Es regiert eher das Prinzip Hoffnung, Schulz werde sich im Lauf der nächsten Wochen selbst beschädigen. „Dieser Wahlkampf wird der schwierigste, den ich erlebt habe“, prognostiziert die Kanzlerin düster. Wichtig sei nun, dass die Union jetzt geschlossen agiere. Diese zwei Tage seien „wichtig“ gewesen. „Und auch notwendig.“

Am Ende wird Merkel gefragt, ob es nach der Versöhnung mit Seehofer auch gemeinsame Auftritte im Wahlkampf geben werde. Die CDU-Vorsitzende murmelt mäßig begeistert etwas von „nicht ausschließen“. Erst als Seehofer nahezu freudig bejaht, schiebt sie halblaut hinterher. „Ach ja, stimmt, wenn ich in Bayern bin.“ Ein paar Mal wird Angela Merkel bis Herbst wohl kommen müssen. Sie will ja Bundeskanzlerin bleiben.

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