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Wladimir Putin bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau

Große Inszenierung bei Jahres-PK

Trump, Repressionen, Doping? Putin weist (fast) alle Vorwürfe zurück

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Wladimir Putins Regierung gilt im Ausland als autoritär. Bei seiner groß aufgezogenen Jahres-Pressekonferenz weist er Vorwürfe zurück: Es sei „nicht an ihm, die Opposition auszubilden.“

Moskau - Es ist ein Event, wie es in Deutschland kaum vorstellbar ist: Am Donnerstag hat Russlands starker Mann Wladimir Putin in Moskau seine Jahrespressekonferenz abgehalten. Nicht etwa in einem nüchternen Besprechungsraum. Sondern in einer riesigen Veranstaltungshalle, vor gut 1.600 Journalisten und Videowänden, die sein Konterfei bis in die letzten Reihen sichtbar machten.

Starke Wirtschaft bedeutet schwache Opposition - sagt Putin

Genutzt hat Putin die große Inszenierung unter anderem, um verschiedenste Vorwürfe an seine Adresse weit von sich zu weisen. So hat der russische Präsident eine Unterdrückung der Opposition in seinem Land bestritten. "Ich denke, das politische System - wie auch das wirtschaftliche - sollte konkurrenzfähig sein", sagte Putin. "Es ist nicht an mir, sie auszubilden", sagte er auf die Frage, warum es keine starke Opposition im Land gebe.

Russlands Präsident Wladimir Putin spricht bei seiner jährlichen Pressekonferenz

Die Schwäche der Opposition führte er auf den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik zurück. Überdies müssten seine politischen Gegner "echte" Vorschläge unterbreiten. Putin hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 erneut anzutreten. In einer jüngsten Umfrage führt er mit 75 Prozent weit vor seinen Herausforderern. Putins wichtigster Gegner, der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny, darf wegen einer Verurteilung nicht antreten.

Einmischung im US-Wahlkampf: „All das ist erfunden worden“

Putin warf den politischen Gegnern von US-Präsident Donald Trump vor, die mutmaßliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf "erfunden" zu haben. „All das ist von den Leuten erfunden worden, die sich gegen Trump richten, um seine Arbeit zu delegitimieren", sagte er. Die Kontakte zu Wahlkampfteams hätten der "gängigen Praxis" entsprochen. 

Putin hatte bereits wiederholt dementiert, dass sich Russland in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt habe. In den USA geht derzeit ein Sonderermittler der Frage nach, ob es im Wahlkampf illegale Absprachen von Trumps Team mit russischen Vertretern gab.

Und auch die Doping-Vorwürfe gegen sein Land erklärte Putin für politisch motiviert. „Der Skandal wird vorangetrieben mit Blick auf den innenpolitischen Kalender in Russland“, sagte Putin - und meinte damit natürlich die nahende Präsidentschaftswahl.

„Es gab echte Fälle von Doping“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und andere Organisationen stünden unter Druck, sagte Putin. Aber die gegen Russland verhängten Strafen seien nicht begründet. Wegen des Doping-Skandals hat das IOC Russland als Sportnation von den kommenden Winterspielen 2018 in Südkorea ausgeschlossen. Nur einzelne Sportler dürfen antreten.

„Wir sind insofern schuld, weil es echte Fälle von Doping gab“, gestand Putin ein. Er schob diese vor allem auf Grigori Rodschenkow. Der Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors spielte eine entscheidende Rolle bei der verbotenen Leistungssteigerung russischer Sportler und hat nach seiner Flucht in die USA detailliert darüber berichtet. Es sei ein Fehler gewesen, Rodschenkow in diese Position zu bringen, sagte Putin. Er äußerte sogar den Verdacht, dass Rodschenkow immer ein ausländischer Agent gewesen sein könnte.

Spitzeleien sind im Doping-Skandal allerdings aus ganz anderer Richtung ein Thema gewesen: Der Schweizer IOC-Ermittler Samuel Schmid hatte zuletzt von Hackerangriffen und Bespitzelungsversuchen während der Untersuchungen im russischen Dopingskandal berichtet.

AFP

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