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Gustl Mollath

"Das kann kein Profi gewesen sein"

Mollath: "Unverzüglich zu entlassen"

Bayreuth/München - Die Freiheit war zum Greifen nah – aber nur kurz: Eine gute halbe Stunde war Gustl Mollath ein freier Mann. Doch die Bezirksklinik Bayreuth saß einer üblen Fälschung auf.

Die zweiseitige Verfügung des Landgerichts Regensburg trägt die Unterschrift der Richterin, bei der derzeit die Wiederaufnahmeanträge in Sachen Mollath liegen. Briefkopf, Siegel, Unterschrift – alles wirkte echt. „Der Untergebrachte ist unverzüglich zu entlassen“, das war der Kernsatz des Schriftstücks. Solche Fax-Mitteilungen sind bei Anordnungen zur Freilassung von Psychiatrie-Patienten nichts Ungewöhnliches. In der Regel kommt dann das Originalschriftstück einen Tag später mit der Post.

Also meinte Michael Zappe, stellvertretender Leiter der Forensischen Klinik Bayreuth, es sei höchste Zeit zum Handeln. Zusammen mit einem Mitarbeiter erschien er am Montagmorgen kurz vor 9 Uhr bei Gustl Mollath, Deutschlands wohl bekanntestem Psychiatrie-Patienten, und eröffnete ihm die Freiheit.

Kaum zurück im Büro, kam Zappe die Sache seltsam vor. Auf der Fax-Kennung war eine Absendezeit spät nachts notiert. „Außerdem waren einige Formulierungen etwas komisch.“ Zappe wandte sich an das Landgericht Regensburg – und erkannte, dass er einer Fälschung aufgesessen war. Das musste er dann auch Mollath mitteilen.

Dieser hatte noch nicht gepackt. Aber er war – wenig überraschend – nicht sehr begeistert und rief seinen Anwalt Gerhard Strate in Hamburg an. Etwas geknickt sei sein Mandant schon, sagte Strate unserer Zeitung. Aber er habe ja schon einiges mitgemacht. „Herr Mollath ist ja normalerweise die Ruhe und Gelassenheit selbst.“ Die Fälschung selbst stuft Strate als „die kriminelle Aktion eines Agent provocateur“ ein, „für den die Freiheit Mollaths einen bösen Scherz bedeutet“. Er werde weiter für Freilassung und Rehabilitierung Mollaths mit rechtsstaatlichen Mitteln kämpfen.

Auf den Fax-Absender – wenn er denn gefunden wird – könnten wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Amtsanmaßung und Urkundenfälschung einige Jahre Haft zukommen, sagte der Sprecher des Regensburger Landgerichts, Johann Piendl. Wahrscheinlich wird nun die Staatsanwaltschaft Bayreuth Ermittlungen anstrengen. Die Fax-Kennung selbst wird wohl eher nicht zum Absender führen – denn sie kann leicht gefälscht werden.

Ob auch die interne Klinik-Kommunikationspanne ein Nachspiel haben wird, ist hingegen noch nicht erwiesen. Der Nürnberger Generalstaatsanwalt Hasso Nerlich jedenfalls ist verärgert. Er hatte von einer an verschiedene Medien, unter anderem dpa, verschickten Fälschung schon am Samstagmorgen erfahren und persönlich in der Klinik angerufen, um vor dem Fax zu warnen. Die Mitteilung versickerte jedoch in der Klinik-Bürokratie – oder wurde nicht ernst genommen. Die Fälschung sei für Juristen leicht zu erkennen, so Nerlich, da sie im Adressatenfeld nicht die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth nenne. Eine Mitteilung an diese zuständige Vollstreckungsbehörde sei jedoch zwingend vorgeschrieben. Nerlich: „Das kann kein Profi gewesen sein.“

Dirk Walter

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