Verleger Dr. Dirk Ippen
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Verleger Dr. Dirk Ippen

„Wie ich es sehe“ von Dr. Dirk Ippen

Kolumne: Treten Sie zurück, Frau von der Leyen!

Das Versagen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen war absehbar, sagt Verleger Dr. Dirk Ippen. In seiner Kolumne „Wie ich es sehe“ bewertet er ihre Impf-Politik.

München - Wenn in der EU etwas schiefgeht, dann ist es nicht einfach, den Verantwortlichen auszumachen. So schiebt die Kommissionspräsidentin das Einkaufsdesaster bei den Impfdosen munter darauf, dass bei 27 Kommissaren alles seine Zeit brauche. Es fehlt nach wie vor jede Entschuldigung dafür, dass in der EU Ältere noch Monate weniger geschützt sein werden als in den USA, England oder Israel. Stattdessen hören wir nur, es hätte alles noch schlimmer kommen können.

Die EU hat zu spät und unprofessionell eingekauft, weil sie darin keine Erfahrung hatte. Gesundheitsfragen gehören nach der EU-Verfassung überhaupt nicht zu deren Aufgabenbereich. Die Verantwortung für Gesundheit liegt bei den einzelnen Mitgliedstaaten. Sie in der lebensbedrohenden Krise auf die EU zu übertragen, war gut gemeint, aber unklug. Noch Ende Dezember hat eine strahlende Ursula von der Leyen* diesen Fehler als einen großen europäischen Erfolg vor den Fernsehkameras gefeiert. Da stand aber schon fest, dass die Lieferverträge der EU mit der Pharma-Industrie löchrig sind wie ein Schweizer Käse.

Impfstrategie der EU: Das Versagen von Frau von der Leyen war absehbar - was hat sie für den Posten qualifiziert?

Der anschließende Streit im Januar mit der Lieferfirma Astrazeneca war dann eine Mischung von Panik und Wut. Die schon verkündeten Exportkontrollen für Impfstoffe, mit vertragswidriger Schließung der Grenze zwischen Dublin und Nordirland, musste in einer hektischen Nachtaktion zurückgenommen werden. Auch hier gab es keine richtige Entschuldigung und dazu die arrogante Äußerung eines Sprechers der EU-Kommission: „Nur der Papst ist unfehlbar.“

Das Versagen von Frau von der Leyen war absehbar nach den Erfahrungen, die wir mit ihr bei der Bundeswehr gemacht haben.

Deswegen darf man durchaus fragen, was hat diese Dame eigentlich für diesen Posten qualifiziert, außer dass sie gut Englisch und Französisch spricht? Es war die Erwartung, dass sie stets das tun werde, was ihre Hauptunterstützer wollen, nämlich der französische Präsident Macron* und Bundeskanzlerin Merkel. Sie werden von heute gesehen diese leichtfertige Entscheidung bereuen. Denn nun werden sie von vielen in ihren Ländern dafür verantwortlich gemacht, dass durch verspätete Impfungen die Pandemie unnötig verlängert wird. Macron kann das seine Wiederwahl kosten. Die rechtsextreme Herausforderin Le Pen läuft sich schon warm.

Corona-Pandemie: Ursula von der Leyen sollte durch Rücktritt die Schuld auf sich nehmen

Mit Frau Merkel* aber muss man eigentlich Mitleid haben. Sie steht nicht zur Wiederwahl. Aber es ist nur traurig, dass ihre in vielem doch sehr erfolgreiche Kanzlerschaft nun damit ihrem Ende entgegengeht, dass sie von Fernsehauftritt zu Fernsehauftritt verkündet: „Im Großen und Ganzen lief nichts schief.“* Ihr Lob auf die großartige Wissenschaft und auf Unternehmer, die in Lichtgeschwindigkeit Impfmittel hergezaubert haben, klingt hohl angesichts des politischen Versagens. Auch von ihr keine Entschuldigung, ebenso nicht von Gesundheitsminister* Spahn, der doch alles mitgetragen hat. Glückwunsch, Herr Söder, Ihre Kandidatur ist jetzt wahrscheinlicher geworden. Um Frau Merkel aber eine unwürdige Kanzlerdämmerung zu ersparen, sollte Frau von der Leyen ihrer ehemaligen Chefin Gutes tun, indem sie durch ihren Rücktritt die Schuld auf sich nimmt.

Eine Kolumne von Verleger Dr. Dirk Ippen

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