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Überlebenstraining an der Reanimations-Puppe: Ursula von der Leyen bei einer Schulung zwischen Soldaten der Sanitätsakademie in München.

Sommerreise durch die Kasernen

Von der Leyen: Frostige Stimmung bei Bayern-Besuch

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München - Auf ihrer Reise durch die Kasernen lernt Ursula von der Leyen die Bundeswehr näher kennen. Der Halt in Bayern aber ist frostig. Für die Sorgen im Freistaat um Ausrüstung und Exporte zeigt die Ministerin kein Verständnis.

Die Truppe übt am toten Schwein. Vier Soldaten beugen sich über ein Stück Fleisch und trainieren den Luftröhrenschnitt. Dahinter steht die Verteidigungsministerin und fachsimpelt, ob Quer- oder Längsschnitt besser geeignet sind im Ernstfall. Ursula von der Leyen ist gelernte Ärztin, ihr ist nichts fremd hier an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Die Thoraxdrainage im saftigen Schweineripperl könnte sie auch selbst noch setzen. Der Puppe im Reanimationstraining legt sie sanft die Hand auf die Plastikschulter.

Der halbe Tag in der Notarzt-Ausbildung der Bundeswehr ist Teil der großen Sommerreise. Von der Leyen, 55, CDU, fliegt seit Anfang Juli durch Deutschland, um die Standorte kennenzulernen. Man sieht sie in diesen Tagen auf U-Booten der Marine, am Fallschirm und vor Springpferden der Sportsoldaten, die Münchner Schweinehälften sind also nicht ungewöhnlicher als andere Bilder. Das Motto der Tour: „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“

Für die telegene Ministerin sind es eigentlich Wohlfühl-Termine. Oft passen sie zu ihrer Strategie, ein weicheres, eben anderes Bild der Bundeswehr zu zeichnen. Sie will über Familienbetreuung reden, die Truppe als einen der sozialsten Arbeitgeber überhaupt präsentieren. In München aber knirscht es. Mit der Sanität hat das gar nichts zu tun. Seit mehreren Wochen schwillt das Murren vor allem von CSU-Politikern über den Kurs der Großen Koalition an. Die Investitionen in die Ausrüstung der Bundeswehr sinken Jahr für Jahr. Von „Mangelverwaltung“ spricht beispielsweise der CSU-Bundestagsabgeordnete Tobias Zech und erinnert, dass man im Verteidigungsfall seine Panzer nicht bei Sixt leihen könne. Der Verteidigungspolitiker Florian Hahn mahnt, das wichtigste Merkmal für Attraktivität sei „eine ordentliche Ausrüstung und Ausbildung“. In einem Brandbrief warnten neun weitere Abgeordnete von CSU und CDU vor einem Technologieverlust in Deutschland.

Der träfe vor allem Bayern, wo mindestens jeder dritte Arbeitsplatz in der wehrtechnischen Industrie beheimatet ist. Bundesweit hängen daran mittelbar bis zu 220 000 Jobs. Besonders aufs Gemüt schlägt den Verteidigungspolitikern dabei, dass Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel einen restriktiveren Kurs bei Rüstungsexporten angekündigt hat. Von der CDU-Ministerin würden sich viele ein klares Wort wünschen.

Das aber bleibt zumindest bisher aus. Auf Nachfragen erklärt von der Leyen in München, sie erarbeite sich derzeit ein „Vollbild“ der Rüstungsprojekte. „Wir sind mitten in diesem Prozess.“ Und über Exporte müsse man von Fall zu Fall entscheiden.

Zum Vollbild gehört: In der Branche sieht man auch positive Signale. Jüngst positionierte sich von der Leyen für eine langfristige Anschaffung bewaffneter Drohnen. Auch ordnet sie den Rüstungsbereich in ihrem Ministerium neu. Am 1. August wird die als durchsetzungsstark geltende McKinsey-Managerin Katrin Suder (42) neue Rüstungs-Staatssekretärin. Ob das als Signal für mehr oder weniger Investitionen gelten soll, ist aber umstritten.

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Die atmosphärischen Störungen sind bei von der Leyens Bayern-Besuch jedenfalls mit Händen zu greifen. Vor allem protokollarisch: Aus der Koalition begleitet kein einziger Abgeordneter die Ministerin, aus dem Landtag auch nicht. Seine protokollarische Pflicht absolviert immerhin tapfer der Vorsitzende des Bezirksausschusses 11 Milbertshofen-Am Hart, Fredy Hummel-Haslauer (SPD).

Christine Haderthauer, in der Bayerischen Staatskanzlei für den Kontakt zur Bundeswehr zuständig, tritt für einen knappen Händedruck auf. Die beiden Frauen kennen sich aus der Ferne durch die Debatte ums Betreuungsgeld, das von der Leyen für eine „Katastrophe“ hielt. Für Haderthauers Grußwort ist dann leider keine Zeit mehr.

Von Christian Deutschländer

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