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Werner Menner.

Kommentar

Urteil gegen Serbenführer Karadzic: Späte Gerechtigkeit

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München - Serbenführer Radovan Karadzic wurde vom UN-Kriegsverbrechertribunal zu 40 Jahren Haft verurteilt. Die Gerechtigkeit kommt spät, vielleicht zu spät. Ein Kommentar.

Radovan Karadzic, bosnischer Serbenführer und Inbegriff der brutal gescheiterten und mit unvorstellbaren Grausamkeiten verknüpften großserbischen Idee, wird sein Leben wohl im Gefängnis beenden. Und das ist gut so. Das Urteil – 40 Jahre Haft für den heute 70-Jährigen – ist von enormer Tragweite, denn von ihm geht ein klares Signal aus: Die Weltgemeinschaft, vertreten durch das UN-Tribunal in Den Haag, wird Kriegsverbrecher rücksichtslos verfolgen – auch wenn Jahrzehnte bis zur Bestrafung vergehen.

Karadzic steht für eine Politik, zu deren Umsetzung weder vor Massen- und Völkermord noch vor Vertreibungen und Massenvergewaltigungen zurückgeschreckt wird. Er und seine Schergen haben auf dem Balkan Wunden aufgerissen, die auch dieses Urteil nicht heilen kann. Dauerhafte Versöhnung ist erst dann denkbar, wenn sie in den Köpfen stattfindet, wenn die Ursachen und Folgen aufgearbeitet sind. Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Verehrung, die Karadzic noch heute in Serbien genießt. Bedauert werden dort von vielen nicht die Opfer, bedauert wird das Scheitern eines strammen Nationalisten. Und eben weil es von dieser Sorte weltweit nicht wenige gibt, ist dieser Richterspruch hoch zu bewerten. Einmal abgesehen von der späten Gerechtigkeit, die den vielen Opfern des größenwahnsinnigen Psychopaten endlich zuteil wird.

Werner Menner

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