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Heute fällt nach fünf Jahren das Urteil gegen Beate Zschäpe (43).

Die Abrechnung

Urteil im NSU-Prozess: Zahlen, Kosten, Fakten

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Der Jahrhundert-Prozess geht zu Ende! Heute soll das Urteil gegen die NSU-Terrorzelle um Beate Zschäpe (43) fallen. Der Mammut-Prozess hat über fünf Jahre gedauert. Wurden alle Fragen beantwortet?

München - An 438 Tagen hat das Oberlandesgericht verhandelt, 765 Zeugen gehört und 66 Millionen Euro ausgegeben. Alles, um die Wahrheit über den rechten Terror herauszufinden. Mit Erfolg? 

Im großen Report folgt die Abrechnung noch vor dem Urteil: Wir erklären die wichtigsten Zahlen, lassen einen Prozess-Experten und Angehörige zu Wort kommen, dazu gibt es wichtige Infos zu den Tätern und allen Opfern der erschreckenden Mordserie, die Deutschland erschüttert hat.

NSU-Prozess 

Als der NSU-Prozess am 6. Mai 2013 am Oberlandesgericht München startete, waren die Erwartungen groß. Ein Mammutprozess stand dem Gericht bevor. Doch welches Ausmaß diese Verhandlung annehmen würde, war damals nicht vorstellbar…

Celala Özcan, Europa-Chef der Hürriyet hat den NSU-Prozess von Anfang an begleitet. Lesen Sie hier ein Interview.

„Ich rechne mit neun Monaten bis zweieinhalb Jahren“, sagte der damalige Präsident des Oberlandesgerichts auf die Frage, wie lange der Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre vier Mitangeklagten dauern würde. Über fünf Jahre nach Prozessbeginn wird der Vorsitzende Richter Manfred Götzl heute sein Urteil in diesem außergewöhnlichen Verfahren sprechen.

Verfolgen Sie hier den NSU-Prozess im News-Ticker

Warum dauerte der NSU-Prozess so lange?

Die lange Prozessdauer hat mehrere Gründe. Da ist die schiere Menge der den Angeklagten vorgeworfenen Verbrechen: neun rassistisch motivierte Morde in ganz Deutschland, der Mord an einer deutschen Polizistin in Heilbronn, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle. Die besondere Schwierigkeit: Bis heute gibt es keinen Beweis, dass die des Mordes angeklagte Beate Zschäpe an einem der Mord- oder Anschlagstatorte war. Deshalb musste das Gericht sich mit unzähligen Zeugenaussagen und Sachverständigengutachten ein Bild von der Lage machen.

Am Ende sind dabei gut 1000 Ordner Prozessakten zusammengekommen, eine halbe Millionen Seiten sind hier abgeheftet. Darunter ist auch die 488-seitige Anklageschrift. Für die Prozessbeteiligten wurde das Verfahren auch zur Nervenschlacht. Fünf Angeklagte mit insgesamt 14 Verteidigern, aktuell noch 91 Nebenkläger mit 58 Anwälten – sie alle konnten Anträge stellen. Besonders die Angeklagten haben immer wieder Befangenheitsanträge gestellt. Diese müssen dann von anderen Richtern beurteilt werden und ziehen das Verfahren in die Länge.

Als „Hochamt der Zermürbung“ wurde der Mammutprozess deshalb auch bezeichnet. Mit unendlicher Geduld leitete Richter Götzl, der im kommenden Jahr in Pension geht, die Verhandlung, in der es auch darum ging, sämtliche rechtsstaatlichen Standards penibel einzuhalten und das Verfahren „revisionssicher“ zu gestalten.

Was hat ein einzelner Tag im NSU-Prozess gekostet

Das hat sich der Staat einiges kosten lassen. Gut 150.000 Euro soll jeder einzelne Prozess­tag Schätzungen zufolge gekostet haben. Die Zahl will das Oberlandesgericht zwar nicht bestätigen, aber allein die Kosten für Pflichtverteidiger und Nebenklage-Anwälte lagen insgesamt bei über 23 Millionen Euro.

Der NSU-Prozess in Zahlen

  • 438 Verhandlungstage am 437. Prozesstag hatten die Angeklagten das Wort, das Urteil fällt heute am letzten Tag des Prozesses
  • 8 Richter – fünf in der Verhandlung, drei Ersatz. Zwei Ersatzrichter kamen zum Einsatz
  • 51 Sachverständige wurden geladen – 25 technische und 26 medizinische
  • 1,25 Millionen Euro kostete der Umbau des Gerichtssaals
  • 2,7 Millionen Euro Verwaltungskosten (Sanitäter, Geräte, Sicherheitsdienst)
  • 765 Zeugen wurden geladen

Die Terror-Zelle im Untergrund

Die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren 1998 nach einer Razzia gemeinsam mit Beate Zschäpe in den Untergrund abgetaucht. Mit einer Waffe vom Typ Ceska zogen Mundlos und Böhnhardt mordend durch die Republik. Im November 2011 haben sich Zschäpes Komplizen nach einem Banküberfall in Eisenach umgebracht.

Marc Kniepkamp und Andreas Thieme

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