Ein Mann mit USA-Flagge steht vor dem Weißen Haus in Washington.
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Die Gründung der USA geht auf ein relativ loses Staatenbündnis aus 13 Kolonien zurück. 1959 kam Hawaii als letzter der heute 50 Bundesstaaten hinzu.

Der amerikanische Föderalismus

US-Bundesstaaten: Geschichte und Aufgaben im Föderalismus

Zusammen mit dem Bundesdistrikt und den Außengebieten bilden die US-Bundesstaaten das Staatsgebiet der Vereinigten Staaten. Aufgrund ihrer Tradition als souveräne Einzelstaaten haben die 50 Bundesstaaten im Rahmen des Föderalismus der USA eine starke Stellung.

  • Die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden aus 13 britischen Kolonien, die sich 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung von ihrem Mutterland lossagten und die ersten US-Bundesstaaten bildeten.
  • Derzeit bestehen die USA aus 50 teilsouveränen US-Bundesstaaten, dem Bundesdistrikt und den Commonwealth-Territorien.
  • Das politische System des amerikanischen Föderalismus gewährt den einzelnen US-Bundesstaaten weitgehende Souveränität.

Jamestown – Nach spanischen, französischen, holländischen und schwedischen Entdeckern und Eroberern kamen Ende des 16. Jahrhunderts englische Siedler nach Nordamerika und beanspruchten Land. Die Gründung der ersten dauerhaften britischen Kolonie erfolgte 1607 in Jamestown im heutigen Virginia.

England und Frankreich besaßen die meisten Kolonialterritorien auf dem nordamerikanischen Kontinent. Diese zwei Länder stritten im Siebenjährigen Krieg (French and Indian War) von 1754 bis 1763 um die Vorherrschaft in Nordamerika. Die Engländer gewannen den Krieg. Frankreich und Spanien, das sich auf die Seite Frankreichs geschlagen hatte, traten ihre Besitztümer in Nordamerika an Großbritannien ab.

US-Bundesstaaten: Die Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien

Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges wurde die Beziehung zwischen den Kolonien und dem Mutterland Großbritannien konfliktreich. Die britische Krone befürchtete den Verlust ihres Einflusses auf ihre kolonialen Territorien. Diese wiederum fühlten sich bevormundet und zu Unrecht mit hohen Steuern aus dem Mutterland belastet.

Es kam zunehmend zu Unabhängigkeitsbestrebungen der Kolonisten. Sie einigten sich 1775 im Zweiten Kontinentalkongress auf ein koordiniertes Vorgehen und gründeten eine gemeinsame Armee und Marine unter dem Oberbefehl von George Washington. Thomas Jefferson, ein Landsmann von Washington, schrieb die „Declaration of Independence“. In dieser Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten sagten sich am 4. Juli 1776 die 13 Kolonien von ihrem Mutterland Großbritannien los. Es entstanden die Vereinigten Staaten von Amerika, aus den Kolonien wurden die ersten US-Bundesstaaten.

US-Bundesstaaten: Die 13 Kolonien

Die 13 Kolonien, die sich zu den Vereinigten Staaten von Amerika zusammenschlossen, waren:

  • Connecticut
  • Delaware
  • Georgia
  • Maryland
  • Massachusetts
  • New Hampshire
  • New Jersey
  • New York
  • North Carolina
  • Pennsylvania
  • Rhode Island
  • South Carolina
  • Virginia

Die heutigen Grenzen dieser 13 US-Bundesstaaten weichen z. T. von denen der damaligen ab.

US-Bundesstaaten: Erste Verfassung der USA

Es zeigte sich bald, dass die während der Unabhängigkeitsunruhen vom Zweiten Kontinentalkongress beschlossenen Konföderationsartikel nicht für die Leitung eines souveränen Staats ausreichten. Unter Federführung von George Washington wurde am 17. September 1787 die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedet und im Laufe der Jahre 1887-89 von den 13 Gründerstaaten ratifiziert.

Bei der Verabschiedung der Verfassung waren die 13 Kolonien souverän. Daher wurde der Föderalismus, der durch diesen losen Staatenbund entstand, in der Verfassung nicht im Wortlaut erwähnt. Vielmehr wurden hauptsächlich diejenigen Bestimmungen formuliert, die in die Souveränität der Einzelstaaten eingriffen. Beeinflusst von ihren Erfahrungen im Unabhängigkeitskrieg gestanden die Gründungsväter der USA dem Bund nur solche Kompetenzen explizit zu, die nicht von den US-Bundesstaaten selbst ausgefüllt werden konnten.

Die Verfassung umfasste im Wesentlichen vier Themenblöcke:

  • Verhältnis zwischen Einzelstaaten und Zentralregierung
  • Machtverteilung innerhalb der Zentralregierung
  • Repräsentation der unterschiedlich großen Staaten im zukünftigen Parlament
  • Interessengegensatz zwischen Nord- und Südstaaten, vor allem in Bezug auf die Sklavenfrage

Gründung weiterer US-Bundesstaaten und der Missouri-Kompromiss

Im Rahmen der weiteren Expansion kamen sukzessive weitere US-Bundesstaaten zum Bund hinzu: Vermont (1791), Kentucky (1792), Tennessee (1796), Ohio (1803) und Louisiana (1812).

Ab 1816 wurden jährlich abwechselnd ein Nordstaat und ein Südstaat dem Bund zugelassen: Indiana (1816), Mississippi (1817), Illinois (1818) und Alabama (1819).

Die Gegensätze in der Frage der Sklaverei waren von jeher ein umstrittenes Thema in den US-Bundesstaaten. Der amerikanische Föderalismus erlaubte es den einzelnen Staaten, selbst über diese Frage zu entscheiden. Die nördlichen Staaten waren weniger auf Sklaven angewiesen als die Südstaaten und sahen die Ausdehnung des Gebiets, in dem die Sklaverei zugelassen war, immer kritischer.

Ab 1820 griff der „Missouri-Kompromiss“, der zwischen den Befürwortern und Gegnern der Sklaverei in den USA geschlossen wurde. Danach wurden Missouri (als „Sklavenstaat“) und Maine (als freier Staat) paarweise in den Bund aufgenommen. Jeder weitere neue Staat nördlich des Breitenkreises 36° 30‘ (der „Compromise Line“) sollte ein freier Staat sein, um das Gleichgewicht im US-Senat zu gewährleisten.

US-Bundesstaaten: Sezession der Südstaaten und Wiedereingliederung

Bedingt durch den weiteren Fortschritt der Siedlungsaktivitäten und den Goldrausch im Westen des nordamerikanischen Kontinents kamen weitere US-Bundesstaaten zur Union: Maine (1820), Missouri (1821), Arkansas (1836), Michigan (1837), Florida und Texas (1845), Iowa (1846), Wisconsin (1848), Kalifornien (1850), Minnesota (1858), Oregon (1859) und Kansas (1861).

Das durch den Missouri-Kompromiss angestrebte Gleichgewicht wurde dabei mehrfach gefährdet. Immer häufiger kam es zu Ereignissen, die die Nation in Nord und Süd polarisierten. Dabei ging es im Kern nicht nur um die Sklavenfrage, an der sich die Konflikte entzündeten, sondern ganz generell um die Rechte der einzelnen US-Bundesstaaten gegenüber dem Bund.

Die Wahl des gemäßigten Sklavereigegners Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten der USA führte zur Sezession: Im Winter 1860/61 traten elf Südstaaten aus der Union aus und bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Sie beriefen sich auf die Souveränität des Einzelstaates.

Da für Lincoln die Erhaltung des Bundes das vorrangige Ziel war, kam es zum Amerikanischen Bürgerkrieg zwischen den Unionisten und den Konföderierten. Diesen Krieg verloren die Südstaaten 1865. Durch die anschließende Wiedereingliederung der Südstaaten und die Wiederherstellung der Union („Reconstruction“) hatte Lincoln sein Ziel erreicht: Die USA wandelten sich von einem losen Staatenbund verstärkt zu einem zentral geführten Bundesstaat.

US-Bundesstaaten: Bildung der 50 Bundesstaaten bis 1959

Während des Bürgerkrieges und nach seinem Ende schlossen sich weitere US-Bundesstaaten der Union an, teilweise wurden sie annektiert oder hinzugekauft: West Virginia (1863), Nevada (1864), Nebraska (1867), Colorado (1876), North Dakota, South Dakota, Montana, Washington (alle 1889), Idaho und Wyoming (1890), Utah (1896), Oklahoma (1907), New Mexico und Arizona (1912).

Mit Alaska und Hawaii (1959) wurden die heutigen 50 US-Bundesstaaten vollzählig. Dabei war Hawaii der erste US-Bundesstaat außerhalb des kontinentalamerikanischen Festlands.

US-Bundesstaaten: Sonderfälle wie Bundesdistrikt und Commonwealth-Territorien

Der District of Columbia mit Washington, D.C. ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 Hauptstadt der USA. Er ist jedoch kein US-Bundesstaat, sondern dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt. Somit nehmen die Einwohner von D.C. nicht an den Wahlen zum Kongress teil, wählen aber den Präsidenten mit.

Eine weitere Sonderstellung nehmen die Territorien der USA ein. Dies sind Puerto Rico, die US-amerikanischen Jungferninseln, Guam, die Nördlichen Marianen sowie Amerikanisch-Samoa.

Puerto Rico zählt, ebenso wie die Nördlichen Marianen, zu den Commonwealth-Territorien. Ihre Einwohner sind US-Bürger, allerdings nicht wahlberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz nicht in einem der US-Bundesstaaten haben. Die Bemühungen, Puerto Rico als US-Bundesstaat aufzunehmen, scheiterten immer wieder in entsprechenden Referenden. Erst 2012 sprach sich eine Mehrheit in Puerto Rico gegen den Status als Territorium und für die Aufnahme als US-Bundesstaat aus. Ein zweites, ebenfalls nicht bindendes Referendum von 2017 bestätigte dieses Votum.

US-Bundesstaaten: Aufgaben und Kompetenzen im föderalen Staatsaufbau

In der Verfassung war das durch die Gründerväter verankerte Prinzip des dualen Föderalismus stark ausgeprägt: Bund und Einzelstaaten waren klar getrennt.

Der zehnte Zusatzartikel formuliert ausdrücklich, dass die Zuständigkeiten, die nicht explizit dem Bund zugewiesen sind, den Einzelstaaten zufallen. Bund und Einzelstaaten sollten sorgfältig voneinander getrennten Sphären angehören.

Jeder US-Bundesstaat hat ein eigenes, unabhängiges politisches System mit einer eigenen Verfassung, einem direkt gewählten Gouverneur, einer Legislative, einer staatlichen Verwaltung und einer eigenen Judikative. Dies ist in etwa vergleichbar mit den einzelnen Staaten innerhalb der EU.

Die Zusammenarbeit von Bund und Ländern findet in der Regel in Katastrophenfällen statt, etwa bei den extremen sozialen und ökonomischen Bedingungen der Weltwirtschaftskrise oder den Anschlägen vom 11. September. In solchen Fällen drang der Bund in Politikbereiche ein, in denen er vorher nicht tätig war. Wie weit der Bund dabei gehen durfte und darf, wurde regelmäßig vor Gericht verhandelt.

Heute ist die Kooperation der einzelnen US-Bundesstaaten mit dem Bund stärker ausgeprägt, als zu Beginn der US-amerikanischen Geschichte.

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