+
Josef Braml.

Sanktionen gegen Russland

US-Experte: „Für die Amerikaner wird das nach hinten losgehen“

  • schließen

Mit den neuen Sanktionen gegen Russland will der US-Kongress die Macht von Putin beschränken. Das könnte aber auch nach hinten losgehen, erklärt ein Experte im Interview.

München - Bisher hat Amerika seine Russland-Sanktionen mit Europa abgesprochen, nun macht es erstmals einen Alleingang. Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) erklärt, warum – und was das für das transatlantische Verhältnis bedeutet.

Herr Braml, warum dieser Alleingang der USA?

Josef Braml: Die Ursache liegt im Machtkampf zwischen Kongress und Trump. Er wollte die Sanktionen nicht, aber wegen seiner Alleingänge hat die Mehrheit im Kongress längst einen richtigen Hals. Also hat sie ihn außenpolitisch an die Kandare gelegt. Das ist ein Novum.

Geht es nicht um Russlands Verhalten auf der Krim und in Syrien?

Nach außen wird es natürlich mit dem Guten, Wahren und Schönen gerechtfertigt. Aber es geht um Innenpolitik. Dass von den Sanktionen auch die amerikanische Gas- und Öl-Industrie profitiert, hat auch widerspenstige Senatoren zur Zustimmung bewogen. All das steht leider unseren Wirtschafts-Interessen entgegen. Stichwort Nord Stream 2.

„US-Sanktionen treffen unsere Wirtschaft“

...die geplante Gas-Pipeline von Russland nach Europa. Die Sanktionen bedrohen auch deutsche Unternehmen, die an dem Projekt mitarbeiten...

Ganz klar: Die Amerikaner wollen ihr Flüssiggas nach Europa verkaufen und Russland als dominanten Liefernaten ablösen. Es geht knallhart um „America first“.

Was heißt das für das transatlantische Verhältnis?

Die USA verhängen Sanktionen, die unsere Wirtschaft treffen. Wir können uns entscheiden, ob wir kuschen oder mit Gegenmaßnahmen antworten. Ich hoffe auf letzteres. Möglich, dass aus dieser Situation ein Handelskrieg entsteht.

Und das für Sanktionen, die eh nicht wirken?

Sie wirken, helfen aber nur Putin, seine innere Machtbasis zu stärken. Er hat jetzt Sündenböcke für die eigene Misswirtschaft. Das weiß auch Trump. Deswegen wollten er und andere die Sanktionen eigentlich lockern.

Haben sich die USA einen Bärendienst erwiesen?

Ich denke ja, weil nun auch das bestehende Sanktionsregime auseinanderzubrechen droht. Ich glaube nicht, dass sich die Staaten, die nun geprellt werden, noch an die gemeinsamen Sanktionen gebunden fühlen. Für die Amerikaner wird das nach hinten losgehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Britischer Premierminister Johnson auf Intensivstation
Er gab sich nach seiner Corona-Infektion noch optimistisch, wirkte aber schon angeschlagen. Jetzt hat sich Boris Johnsons Zustand so stark verschlechtert, dass er auf …
Britischer Premierminister Johnson auf Intensivstation
Corona: „Werden uns nicht entgegenstellen“ - Merkel erklärt Tendenz, spart aber ein heikles Thema aus 
Angela Merkel gibt eine Erklärung zur Corona-Krise ab. Eine neue Tendenz gibt es in Sachen Maskenpflicht - Eurobonds und Exit-Termine spart die Kanzlerin aber aus.
Corona: „Werden uns nicht entgegenstellen“ - Merkel erklärt Tendenz, spart aber ein heikles Thema aus 
Europaweite Corona-Krise? Ein Land unternimmt fast nichts - Präsident absurd: „Gibt hier kein Virus“
Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie sind in ganz Europa spürbar. Ein Land will von Covid-19 jedoch überhaupt nichts wissen. Die autokratische Regierung von …
Europaweite Corona-Krise? Ein Land unternimmt fast nichts - Präsident absurd: „Gibt hier kein Virus“
Polens Parlament stimmt für Präsidentenwahl per Brief
Trotz Corona-Pandemie soll Polen am 10. Mai einen neuen Präsidenten wählen. Die nationalkonservative PiS-Regierung will den Termin um jeden Preis retten. Die Wahl soll …
Polens Parlament stimmt für Präsidentenwahl per Brief

Kommentare