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Er tritt zurück: Der Presseprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer. Foto: Pablo Martinez Monsivais

Nach Disput mit Präsident

Stühlerücken im Weißen Haus - Trumps Sprecher Spicer geht

Genau sechs Monate ist es her, dass Sean Spicer zum ersten Mal mit einem Kommentar für ungläubige Empörung bei Journalisten sorgte. Immer wieder gab es seitdem Rücktrittsgerüchte um ihn. Nun schmeißt Spicer tatsächlich hin.

Washington - Nach turbulenten sechs Monaten im Weißen Haus ist der umstrittene US-Präsidentensprecher Sean Spicer von seinem Posten zurückgetreten. Als Nachfolgerin benannte Präsident Donald Trump die bisherige stellvertretende Sprecherin Sarah Sanders.

Trump bedankte sich mit bemerkenswerten Worten bei Spicer. Der 45-Jährige selbst erklärte, es sei ihm eine Ehre gewesen, dem Präsidenten und den USA zu dienen. Er bleibe noch bis Ende August im Amt.

Hintergrund des Rücktritts soll die Berufung von Anthony Scaramucci zum neuen Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses sein, wie unter anderem der Sender NBC und die "New York Times" berichteten. Spicer soll zu Trump gesagt haben, die Entscheidung für Scaramucci sei "ein großer Fehler", schrieb die "New York Times".

Trump erklärte in einer Mitteilung, er sei dankbar für Spicers Arbeit. "Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei dem, was er als nächstes macht. Schaut nur auf seine großartigen Fernseh-Einschaltquoten!"

Spicer war von Dienstbeginn an umstritten. Er hatte sich am Tag nach Trumps Amtseinführung einen heftigen Streit mit Journalisten über die Zahl der Besucher bei der Zeremonie vor dem Kapitol in Washington geliefert - seine steile Behauptung, der Vereidigung hätten mehr Schaulustige beigewohnt als jeder anderen zuvor, löste enorme Irritation aus. Das war am 21. Januar - also vor genau sechs Monaten.

Seither lieferte er sich als Sprecher des Weißen Hauses immer wieder heftige Wortgefechte mit Journalisten. Spicer wurde zum medialen Gesicht der Trump-Regierung - und in den Augen von Kritikern der personifizierte Ausdruck dafür, wie wenig Respekt Trump gegenüber Journalisten und ihrer Funktion in einer Demokratie an den Tag lege.

Schon öfter wurde spekuliert, Trump sei unzufrieden mit Spicers Arbeit, weshalb dieser vor der Entlassung stehe. Zuletzt hatte sich Spicer stärker zurückgenommen und die Pressekonferenzen seiner bisherigen Stellvertreterin Sarah Sanders überlassen.

Das Verhältnis zwischen Spicer und Scaramucci gilt als belastet. Scaramucci wird auch als Gegenspieler von Trumps Stabschef Reince Priebus betrachtet. Spicer und Priebus kommen aus dem Parteigefüge der Republikaner, der Investor Scaramucci ist wie Trump ein Außenseiter und entstammt dem Dunstkreis der Wall Street.

Scaramucci ist ein wohlhabender Finanzier und Politstratege, der bislang für die Export-Import-Bank der USA arbeitete. Früher war er für das Investmenthaus Goldman Sachs tätig, dem zahlreiche führende Figuren in Trumps Administration entstammen, etwa Wirtschaftsberater Gary Cohn und Finanzminister Steven Mnuchin. Scaramucci war auch in der Übergangsphase nach der Wahl und vor der Amtseinführung Trumps für dessen Team tätig.

Im August 2015 hatte er ihn allerdings kritisiert. In einer Sendung im Sender Fox Business nannte er Trump einen "politischen Nichtsnutz" und warf ihm anti-amerikanische Rhetorik vor. Als Reporter ihn am Freitag auf diese Kommentare ansprachen, nannte Scaramucci sie "einen seiner größten Fehler". Er habe zu dieser Zeit einen anderen Präsidentschaftskandidaten unterstützt. "Ich hätte das niemals sagen dürfen."

Der Posten des Kommunikationsdirektors im Weißen Haus war seit Mai dieses Jahres nicht mehr besetzt. Zuvor hatte ihn Michael Dubke inne.

dpa

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