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US-Kampfjets heben am Freitag vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush  im Persischen Golf ab.

Gegen "Islamischen Staat"

US-Militär beginnt mit Luftangriffen im Irak

Washington - Seit Monaten wütet die Terrormiliz Islamischer Staat weitgehend ungehindert im Irak. Jetzt greifen die USA ein: Präsident Obama genehmigte Luftangriffe.

Erstmals seit Beginn der Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak haben die USA Luftangriffe gegen die Extremisten geflogen. Kampfjets hätten Artilleriegeschütze der Terroristen bombardiert, teilte Pentagonsprecher John Kirby am Freitag mit. Mit den Geschützen seien kurdische Kräfte nahe der nordirakischen Stadt Erbil angegriffen worden. Dort befindet sich ein Generalkonsulat der USA, außerdem halten sich US-Militärberater in der Stadt auf. Der Sender NBC berichtete am Abend von einem weiteren Luftschlag auf Ziele nördlich von Erbil.

US-Präsident Barack Obama hatte die Luftschläge zum Schutz amerikanischer Militärs und bedrohter Minderheiten im Nordirak genehmigt. In einer Ansprache im Weißen Haus kündigte er am Donnerstagabend zugleich einen Hilfseinsatz für die Flüchtlinge im Nordirak an. Seit der Eroberung der nordirakischen Stadt Mossul durch die IS-Milizen im Juni sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht.

Zugleich verstärkten kurdische und irakische Einheiten ihre Angriffe auf die Dschihadisten. Zehntausende Angehörige der jesidischen und der christlichen Minderheiten versuchten weiter, sich vor den äußerst brutalen Extremisten in Sicherheit zu bringen. Die UN bereiteten einen humanitären Korridor für die Hilfsbedürftigen vor.

Zwei F18-Kampfjets hätten 220 Kilogramm schwere, lasergelenkte Bomben auf eine mobile Artillerieeinheit abgeworfen, erklärte das Pentagon. „(Die extremistische Gruppe) IS hat diese Artillerie benutzt, um kurdische Kräfte zu bombardieren, die Erbil verteidigen und wo sich US-Personal befindet.“ Laut CNN wurden die Angriffe mit Kampfjets vom Flugzeugträger „George H.W. Bush“ geflogen, der bereits im Juni in den Persischen Golf verlegt worden war.

Der UN-Sicherheitsrat in New York rief alle Staaten auf, die Regierung in Bagdad gegen die Extremisten zu unterstützen. „Wir sind empört, dass Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen wurden“, hieß es in der Erklärung. Menschen würden nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit, ihres Glaubens oder ihrer politischen Ansichten verfolgt und ermordet. „Alle Seiten müssen zusammenarbeiten, um Iraks Souveränität, Einheit und Unabhängigkeit zu sichern.“

Die Entscheidung zum Angriff war nach der Ermächtigung durch Präsident Obama gefallen, der zugleich Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte ist. „Wie der Präsident klargemacht hat, wird das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin direkte Maßnahmen gegen IS ergreifen, wenn sie unser Personal und unsere Einrichtungen bedrohen“, teilte das Pentagon mit. Das Militär habe „grünes Licht“, um bei einer Bedrohung der Flüchtlinge weitere Angriffe zu starten, berichtete CNN.

Frankreich begrüßte das Eingreifen der USA. Frankreich sei bereit seinen Teil dazu beizutragen, um gemeinsam mit den USA und anderen Partnern dem Leiden der Zivilbevölkerung ein Ende zu bereiten. Mögliche Maßnahmen würden geprüft, hieß es in der Mitteilung aus dem Élyséepalast ohne weitere Erläuterungen.

Die Bundesregierung stellte 2,9 Millionen Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung. Weitere Hilfen seien möglich, hieß es. Die Ermordung, systematische Vertreibung oder Zwangskonversion von Christen, Jesiden und anderen religiösen Minderheiten durch die Terroristen bedeute eine „neue Dimension des Schreckens“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Das jüngste Vorgehen der IS-Miliz zeige, wie hochgefährlich diese Gruppe für Frieden und Stabilität in der gesamten Region sei.

Vor den Luftangriffen hatten drei US-Frachtflugzeuge und zwei Kampfjets 8000 Fertigmahlzeiten und 20.000 Liter Wasser über dem Sindschar-Gebirge im Nordirak abgeworfen. Damit sollte den Tausenden Jesiden und Christen, die sich aus Angst vor Verfolgung und Gewalt vor den sunnitischen Extremisten verstecken, geholfen werden. Auch Großbritannien schickte Flugzeuge, um Lebensmittel abzuwerfen.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite „Rudaw“ waren rund 50.000 Jesiden nach ihrer Flucht vor den Dschihadisten tagelang in dem Gebirge eingeschlossen. Mindestens 70 Menschen seien an Unterversorgung gestorben. Viele würden sich inzwischen von Blättern ernähren, berichten Augenzeugen. Einem Bericht des kurdischen Nachrichtenportals „Basnews“ zufolge konnten kurdische Soldaten inzwischen eine große Zahl der Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

Auch die irakische Luftwaffe verstärkte laut Medienberichten ihre Angriffe auf IS-Stellungen. Bereits in der Nacht zum Freitag seien bei Luftschlägen 130 Dschihadisten in der Region von Mossul getötet worden, berichtete „Basnews“. Die unabhängige irakische Nachrichtenseite „Sumaria News“ meldete, dass mehr als 105 IS-Kämpfer bei einem Angriff auf die Stadt Sindschar getötet oder verletzt worden seien.

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Papst Franziskus schickt einen hochrangigen persönlichen Gesandten zu den Christen der Region. Wie der Vatikan mitteilte, soll der Kardinal und Irak-Kenner Fernando Filoni den verfolgten Menschen die Solidarität der Kirche und des Kirchenoberhaupts übermitteln. Franziskus hatte die Staatengemeinschaft am Donnerstag in einem flammenden Appell zu einem verstärkten Einsatz für die von Gewalt und Vertreibung betroffenen Menschen im Nordirak aufgerufen.

Die Lufthansa und andere internationale Fluggesellschaften sagten alle Flüge nach Erbil ab. Lufthansa und Austrian Airlines würden die nordirakische Stadt aus Sicherheitsgründen zunächst bis zum 11. August nicht mehr anfliegen.

dpa

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