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Droht der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump (l.) und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu eskalieren?

Spannungen zwischen USA und Nordkorea

Trump gegen Kim Jong Un: Kommt es zur Eskalation?

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München - Der Ton zwischen Nordkorea und den USA hat sich nochmals verschärft. Die Weltgemeinschaft blickt ob der atomaren Bedrohung besorgt nach Pjöngjangs. Die Chronologie des Konflikts. 

Bereits seit Jahren sorgt Nordkorea mit Raketentests und Berichten über atomare Aufrüstung für Provokationen. Besonders die USA mit dem neuen Präsidenten Donald Trump reagieren besorgt auf das Handeln von Machthaber Kim Jong Un und gehen mit verbalen Drohungen in die Offensive. Zuletzt setzte die Regierung Trumps Nordkorea auf Platz eins der internationalen Bedrohungsskala und verhängte gegen Pjöngjang eine Reihe weitreichender Sanktionen. Ein militärischer Konflikt scheint nicht mehr unmöglich und lässt die Weltpolitik besorgt in Richtung Ostasien blicken. Doch wie konnte sich der Konflikt derart zuspitzen? Wir blicken zurück. 

24. August 2016: Zwei Tage nach den jährlichen Militärübungen zwischen den USA und Südkorea lässt Nordkorea zum wiederholten Mal einen Raketentest durchführen. Eine ballistische Rakete (Boden-Boden-Rakete, die je nach Bauart konventionelle, biologische, chemische oder atomare Sprengköpfe ins Ziel bringt) wird von Nordkoreas Ostküste 500 Kilometer weit ins Seegebiet innerhalb der Luftraumüberwachungszone Japans geschossen. Machthaber Kim Jong Un feierte den Test als bisher „größten Erfolg“. Die Nachbarländer Japan, China und Südkorea antworteten auf den Test mit scharfer Kritik, der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich in New York mit dem illegalen Raketentest. 

31. August 2016: In südkoreanischen Medien wird über die Hinrichtung eines ranghohen nordkoreanischen Politiker berichtet. So soll Kim Yong Jin, der im Kabinett für Bildungsfragen verantwortlich gewesen sei, im Juli 2016 erschossen worden sein. Eine Bestätigung aus Nordkorea dafür gab es jedoch nicht. 

5. September 2016: Nordkorea provoziert während des G-20-Gipfels in China mit einem erneuten Raketentest die Weltgemeinschaft. Laut des südkoreanischen Verteidigungsministeriums wurden vom Bezirk Hwangju an der Ostküste drei ballistische Raketen ins Japanische Meer abgefeuert. Sie seien ohne eine Navigationswarnung an Japan abgeschossen worden. Wieder einmal hatte Pjöngjang damit gegen UN-Resolutionen verstoßen. 

Ein ranghoher US-Vertreter hatte am Rande des G20-Gipfels gesagt, die „rücksichtslosen“ Tests gefährdeten die zivile Luftfahrt und den maritimen Handel in der Region. Washington werde sich darum bemühen, dass Nordkorea von der internationalen Gemeinschaft dafür zur Verantwortung gezogen wird. Auch die Bundesregierung verurteilte die "unrechtmäßigen Raketenstarts" und verlangte eine „angemessene“ Reaktion des UN-Sicherheitsrats. 

Pjöngjang provoziert mit erneutem Atomtest

9. September 2016: Nur vier Tage nach der jüngsten Provokation schockiert Nordkorea mit einem erneutem Atomtest. Das staatliche Fernsehen in Nordkorea hatte gemeldet, ein „Atomsprengkopf“ sei am 10. September, dem 68. Jahrestag der Staatsgründung, erfolgreich zur Explosion gebracht worden. Südkoreas Militär bestätigte den Test. Es sprach von der bislang gewaltigsten Explosion bei einem Atomtest des weithin isolierten Nachbarlandes. Offenbar sei es das Ziel Pjöngjangs, Atomraketen zu entwickeln, die selbst die USA erreichen können. 
Die Bundesregierung bestellte den nordkoreanischen Botschafter ein und verurteilte den Test „mit aller Entschiedenheit“. Der UN-Sicherheitsrat hat weitere Sanktionen gegen Nordkorea angekündigt.

13. September 2016: Nach dem Atomtest senden die USA militärische Warnsignale an Pjöngjang. Zur Demonstration militärischer Stärke haben die US-Streitkräfte zwei strategische Langstreckenbomber über Südkorea fliegen lassen. Die Bomber können auch als Träger von Atomwaffen eingesetzt werden. Die Demonstration sei nur ein Beispiel für die militärischen Fähigkeiten des Bündnisses mit Südkorea, „um die erweiterte Abschreckung zu verstärken“, wird der USFK-Befehlshaber Vincent Brooks zitiert. 

20. Oktober 2016: Nordkorea testet trotz Sanktionen weiter ballistische Raketen, jedoch mit eher mäßigem Erfolg. So ist Nordkorea nach Angaben Südkoreas zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage der Test einer Mittelstreckenrakete misslungen.

2. Dezember 2016: Nordkorea reagiert wütend auf neue Sanktionen der UN wegen seiner Atomtests und simuliert daraufhin einen Artillerie-Angriff auf Südkorea. Das berichten Staatsmedien. Machthaber Kim Jong Un habe die Übungen selbst befehligt und sich mit ihnen zufrieden gezeigt. Zuvor hatte der UN-Sicherheitsrats in New York einstimmig für die neuen Strafmaßnahmen gegen Nordkorea gestimmt. Die neuen Maßnahmen sehen unter anderem Exportverbote für Kupfer, Nickel, Silber und Zink vor. Der Export von Kohle und Eisen ist nur noch für die "Existenzsicherung" des nordkoreanischen Volkes erlaubt.

Im Video: Kim kann offenbar alles! Irres neues Propaganda-Video geht um

Südkorea und Japan erklärten zudem, dass sie ihre einseitig verhängten Sanktionen gegen Pjöngjang erweitern. Unter anderem seien 35 Organisationen und 36 Personen, die zur Entwicklung des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms beitrügen, zusätzlich auf eine Schwarze Liste gesetzt worden, teilte das Büro des südkoreanischen Ministerpräsidenten mit.

29. Dezember 2016: Laut eines Berichts des südkoreanischen „Institute of National Security Strategy“ soll der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un in den vergangenen fünf Jahren mehr als 340 Hinrichtungen befohlen haben. „Die exakte Anzahl an Hinrichtungen sollte man nicht überbewerten, schließlich besteht bei solchen Informationen aus Nordkorea immer ein hohes Risiko an Ungenauigkeit“, sagt Christopher Green, Nordkorea-Forscher an der Universität Leiden, dazu.

3. Januar 2017: Der designierte US-Präsident Donald Trump teilt via Twitter gegen Nordkorea aus und sieht im nordkoreanischen Atomprogramm keine Gefahr für Amerika. „Nordkorea hat gerade verkündet, die Endphase der Entwicklung einer Atomwaffe erreicht zu haben, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!“, schreibt Trump auf Twitter. Zudem kritisierte er China. Das Land habe große Beträge an Geld und Vermögen von den USA durch einen „komplett einseitigen Handel erworben, aber will uns bei Nordkorea nicht helfen. Nett!“ 

Zuvor hatte Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache verkündet, in naher Zukunft eine atomar bestückbare Interkontinentalrakete testen zu lassen.

Halbbruder von Kim Jong Un vergiftet

13. Februar 2017: Mehrere internationale Medien berichten über den Tod des ältesten Halbbruders (Kim Jong Nam) von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Dabei gibt sein Ableben Rätsel auf - es verdichten sich Hinweise auf einen Giftmord. Demnach sollen zwei Frauen Kim Jong Nam auf dem malaysischen Flughafen von Kuala Lumpur mit einem vergifteten Tuch oder einem Giftspray getötet haben. In der Vergangenheit war der älteste Sohn des früheren Machthabers Kim Jong Il vereinzelt wegen regierungskritischen Aussagen aufgefallen. Er  lebte die vergangenen Jahre überwiegend in China und südostasiatischen Ländern.

Video: Hat Kim seinen Halbbruder vergiftet?

14. Februar 2017: Wieder schlägt die internationale Gemeinschaft nach einem erneutem Raketentest Nordkoreas vom 12. Februar 2017 Alarm. Nach der jüngsten Provokation verurteilte der UN-Generalsekretär António Guterres die jüngste Provokation scharf: „Diese Handlung ist eine weitere besorgniserregende Verletzung der Resolutionen des Sicherheitsrats. Die Führung in Nordkorea muss dazu zurückkehren, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten, und sich auf den Pfad der nuklearen Abrüstung begeben.“ 

Kurz zuvor war der UN-Sicherheitsrat auf Bitten von Japan, Südkorea und der USA zu einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen zusammen gekommen. 

In Nordkorea wird der Test als großer Erfolg aufgenommen. Das Land verfüge jetzt „über ein weiteres mächtiges Mittel für einen Atomangriff“, wurde Machthaber Kim Jong Un von den staatlich kontrollierten Medien zitiert.

1. März 2017: Trotz belastender Beweise weist Nordkorea Anschuldigungen zurück, zwei Agentinnen beauftragt zu haben, Kim Jong Nam, den Halbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, vergiftet zu haben. Nordkorea behauptet, Südkorea und die USA führen absichtlich eine eine Schmierenkampagne gegen Nordkorea. 

Malaysia dagegen erhob gegen die beiden mutmaßlichen Attentäterinnen Anklage. Das eingesetzte Nervengift wird von den UN als Massenvernichtungsmittel eingestuft. Südkorea beschuldigt das Regime in Nordkorea, hinter dem Mord an dem 45-Jährigen zu stecken. Die jungen Frauen glaubten nach eigenen Angaben an einen Scherz mit Babyöl für eine Fernsehshow - beziehungsweise einen Auftritt für ein Comedy-Video.

Desweiteren wird nach einem 47-Jährigen Nordkoreaner gefahndet, der an dem Anschlag Mitte Februar beteiligt gewesen sein soll. Das berichtet die malaysische Nachrichtenagentur Bernama. 

5. März 2017: Laut eines Berichts der „New York Times“ soll der ehemalige US-Präsident Barack Obama in seiner Amtszeit eine Reihe von Cyberangriffen auf das nordkoreanische Raketenprogramm angeordnet haben.

Video: Nordkorea provoziert mit neuem Raketentest

Demnach seien die Attacken 2014 gestartet worden, nachdem festgestellt worden sei, dass die Raketenabwehrsysteme nicht ausreichten, die USA zu schützen. Daraufhin habe Obama entschieden, Raketen bereits vor Teststarts ins Visier zu nehmen. Nachdem die USA diese Strategie umgesetzt hätten, seien einige Raketenstarts misslungen oder die Geschosse seien vom Kurs abgekommen.

6. März 2017: Allen Warnungen zum Trotz, führt Pjöngjang weiter Raketentests durch. So feuerte Nordkorea erneut mehrere Testraketen in Richtung japanischer Küste ab. Drei der Flugkörper stürzten nach Angaben Japans innerhalb seiner 200-Meilen-Zone vor der Küste ins Wasser. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach daraufhin von einer „neuen Phase der Bedrohung“. Auch das US-Außenministerium verurteilte die Tests scharf.

Streit zwischen Nordkorea und Malaysia eskaliert

7. März 2017: Als Reaktion auf den Atomwaffentest Nordkoreas haben die USA das Raketenabwehrsystem THAAD in Südkorea stationiert. Das Abwehrsystem stärke das Bündnis zwischen den USA und Südkorea in der Abwehr der "nordkoreanischen Raketenbedrohung", hieß es dazu. 

China reagierte erbost auf die Maßnahme und sieht in dem Abwehrsystem eine Bedrohung der eigenen Sicherheitsinteressen und der regionalen Stabilität.

Derweil eskaliert der Streit zwischen Malaysia und Nordkorea wegen der Giftmord-Affäre. Nach der Ausweisung der Botschafter verhängen beide Staaten nun Ausreiseverbote. Malaysia spricht von Geiselnahme.

17. März 2017: Auf seiner Ostasien-Reise schließt der US-Außenminister ein militärisches Vorgehen gegen Nordkorea prinzipiell nicht mehr aus. Die Versuche in den vergangenen 20 Jahren, Nordkorea im Streit um sein Raketen- und Atomprogramm zum Einlenken zu bewegen, erklärt er für gescheitert. In Seoul gab er zu verstehen, dass die „Politik der strategischen Geduld“ ein Ende habe. Alle Optionen einschließlich der militärischen seien auf dem Tisch. Die Regierung Trumps hat Nordkorea auf Platz eins der internationalen Bedrohungsskala gesetzt. 

18. März 2017: Nach Gesprächen mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi in Peking wollen die USA und China zukünftig enger zusammenarbeiten, um eine Lösung für die Bedrohung durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm zu finden.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump China noch via Twitter kritisiert, im Umgang mit Pjöngjang zu wenig getan zu haben. 

22. März 2017: Nordkorea ist nach Angaben Südkoreas und der USA ein erneuter Raketenstart misslungen. Eine Rakete sei von der Ostküste abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit. Man gehe davon aus, dass der Test fehlgeschlagen sei.

Zuvor hatte Nordkorea den Bodentest eines neuartigen, leistungsstarken Raketenantriebs vermeldet. Nach Berichten der Staatsmedien ging es dabei darum, die technologische Grundlage für Trägerraketen für den Transport von Satelliten zu festigen. Die Satellitenentwicklung des Landes ist aus der Sicht der Weltgemeinschaft eine Tarnung für die Entwicklung von Interkontinentalraketen.

kus/dpa

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