+
Donald Trump gratulierte seinem neuen Finanzminister Steven Mnuchin.

Umstrittener Trump-Kandidat

Ex-Banker Mnuchin als neuer US-Finanzminister vereidigt

Washington - Der US-Senat hat den früheren Banker Steven Mnuchin als neuen Finanzminister bestätigt. Der Kandidat von US-Präsident Donald Trump erhielt am Montag 53 Stimmen bei 47 Gegenstimmen.

Die große Mehrheit der oppositionellen Demokraten stimmte damit gegen den umstrittenen 54-jährigen ehemaligen Manager der Investmentbank Goldman Sachs.

Das Nominierungsverfahren hatte sich wegen starken Widerstands der Demokraten gegen Mnuchin verzögert. Anfang Februar kam es im zuständigen Senatsausschuss sogar zum Boykott des Verfahren durch die Demokraten. Die Republikaner setzten Mnuchin letztlich jedoch durch, indem sie die geltenden Ausschussregeln aufhoben, wonach mindestens ein Demokrat bei der Abstimmung hätte anwesend sein müssen.

Mnuchin gilt als Kind der Wall Street. Schon sein Vater arbeitete jahrzehntelang als Manager für Goldman Sachs. Mnuchin stieg dort nach dem Studium an der Elite-Universität Yale ein. Er arbeitete 17 Jahre lang für die Investmentbank und verdiente Dutzende Millionen Dollar.

Mnuchin profitierte von der Immobilienkrise

Später gründete er seinen eigenen Hedgefonds, Dune Capital. Als wendiger und geschickter Investor wurde er zu einem der großen Profiteure der Immobilienkrise. Zusammen mit anderen Kapitalgebern kaufte Mnuchin die abgestürzte Hypothekenbank Indymac vom Staat auf - wobei die Behörden einen großen Teil der Verluste des Finanzinstituts übernahmen. Fünf Jahre später wurde die in OneWest umgetaufte Bank für einen Milliarden-Betrag an die CIT-Gruppe weiterverkauft.

Der OneWest-Deal war ein Riesengeschäft für die Investoren. Mnuchins Praktiken bei der Bank waren allerdings umstritten. Er sah sich Vorwürfen ausgesetzt, Eigenheimbesitzer gezielt in die Zwangsvollstreckung getrieben zu haben, um dann Ausgleichzahlungen von der Einlagensicherungsbehörde FDIC zu kassieren. Mnuchin wies diese Vorwürfe zurück.

Kurzporträt Steven Mnuchin: Ehemaliger Wall-Street-Banker als US-Finanzminister

Der neue US-amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin gilt als bestens vernetzt mit der Wall Street. In New York geboren, hat der 54-Jährige auch einen Großteil seines Berufslebens im US-Finanzzentrum verbracht. 17 Jahre lang war er für die Investmentbank Goldman Sachs tätig. Dadurch zu einigem Reichtum gekommen, gründete Mnuchin eine Investitionsfirma (Dune Capital Management) und eine Produktionsfirma (Dune Entertainment Partners). Damit finanzierte er Filme wie „Avatar“ oder die „X-Men“-Reihe.

Mnuchins Eintritt in die US-Regierung steht im Widerspruch zur Wahlkampfrhetorik von Präsident Donald Trump, der regelmäßig ein Interessengeflecht von Finanzelite und Regierung angeprangert hatte. Goldman Sachs hatte Trump dabei besonders ins Visier. Mit Mnuchins Amtsantritt stärkt der Präsident nun die Verbindung zur Wall Street. Trump hat bereits angeordnet, nach der Finanzkrise eingeführte Regeln zur Bankenregulierung auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen.

Politische Erfahrung besitzt Mnuchin nicht. Wie Trump gehörte auch er früher zu den Spendern für die Demokratische Partei. Mnuchin ist jüdischen Glaubens. Medienberichten nach seiner Nominierung im November 2016 zufolge könnte sich Trump davon eine Stärkung seiner Beziehungen zur wichtigen jüdischen Gemeinde erhofft haben.

afp/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Parlament in Den Haag erkennt Völkermord an Armeniern an
Ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Türkei: Der Massenmord an Armeniern 1915. Es war Völkermord, sagt das niederländische Parlament. Ankara reagierte prompt.
Parlament in Den Haag erkennt Völkermord an Armeniern an
Merkel spricht von „Massaker“ in Ost-Ghuta
Täglich bombardieren Syriens Regierungstruppen das Rebellengebiet Ost-Ghuta. 400.000 Menschen sind dort eingeschlossen, die humanitäre Lage ist dramatisch. Doch im …
Merkel spricht von „Massaker“ in Ost-Ghuta
Bundestag lehnt AfD-Antrag um umstrittene Yücel-Texte ab
Auch nach seiner Freilassung sorgt Deniz Yücel weiter für Diskussionen in der deutschen Politik-Landschaft. Eine Forderung der AfD, den „Welt“-Journalisten für einzelne …
Bundestag lehnt AfD-Antrag um umstrittene Yücel-Texte ab
Union und SPD dämpfen Erwartung eines kostenlosen Nahverkehrs
Mit ihrem Brief nach Brüssel hat die Bundesregierung eine Debatte über kostenlosen Nahverkehr losgetreten, der laut der meisten Parteien unrealsistisch sei. Die Linken …
Union und SPD dämpfen Erwartung eines kostenlosen Nahverkehrs

Kommentare