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James Townsend beim Interview im Pentagon.

Höhere Verteidigungsbudgets gefordert

US-Verteidigungspolitiker: „So läuft das nicht, Europa!“

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Washington - US-Verteidigungspolitiker Townsend verlangt höhere Verteidigungsbudgets und warnt: Unter Trump wird dieser Ruf noch lauter. Wir trafen ihn zum Interview.

Die USA schicken eine Brigade mit Panzern nach Osteuropa. Aufgabe: die Grenze zu Russland sichern, die Nato-Partner mit Präsenz beruhigen. Eine scharfe Warnung liefert das US-Verteidigungsministerium allerdings mit: Erhöht eure Militärausgaben in Europa! Wir trafen in Washington James Townsend. Townsend ist als Deputy Assistant Secretary of Defense einer der zentralen Politiker im Pentagon. Townsend wird mit dem Regierungswechsel in Kürze aus dem Amt ausscheiden.

Willkommen in Europa. Wenn die USA für zig Millionen Dollar Truppen entsenden – spart uns das dann Ausgaben?

Nein, überhaupt nicht. In einer Allianz müssen Lasten geteilt werden. Die Nato ist kein Country-Club, wo es für alle kostenloses Mittagessen gibt. Seit dem Ende des Kalten Kriegs sind die Budgets in Europa stetig geschrumpft. Zu hoffen, die USA würden die Lücken schon füllen, wäre eine unfaire Lastenverteilung. So läuft das nicht! Die Geduld in Washington ist zu Ende. Der Ruf nach höheren Ausgaben unserer Alliierten wird kommen, er wird sehr laut und dringend. Und: Er wird von Demokraten und Republikaner kommen, das ist kein Donald-Trump-Ding.

Was ist von Trump zu erwarten? Wird er die Europa-Initiative der USA wieder zurückdrehen?

Ich habe auch keine Kristallkugel hier. Aber ein paar fundierte Hinweise kann ich geben. General Mattis ist Trumps designierter Verteidigungsminister. Ich kenne ihn gut und halte sehr viel von ihm. Bei ihm habe ich ein gutes Bauchgefühl. Ich habe auch mit Trumps Transition-Team gesprochen. Ich glaube, dass die Programme weiterverfolgt werden, die die Abschreckung in Europa verstärken und Putin zeigen, dass er seine Hände von unseren Freunden lassen sollte.

Als wie real sehen Sie die Bedrohung durch Russland? Würde Putin Nato-Staaten angreifen?

Drangsalierung, Desinformation, Cyber-Attacken – das haben wir doch schon alles in genau jenen Staaten erlebt. Es ist der Versuch, die Instabilität aus Russland zu exportieren. Putin sollte allerdings wissen, wie wir reagieren: Er würde mit einem Angriff auf einen Nato-Partner nicht durchkommen, ob im Baltikum oder anderswo.

Reicht es dafür, eine oder zwei US-Brigaden in Osteuropa zu stationieren?

Das liegt an Putin. Es gäbe schon noch viel mehr davon.

Es gibt aus Europa auch Stimmen, die sich klar gegen die Stationierung aussprechen, etwa...

Nicht viele!

...Bundesaußenminister Steinmeier, der das „Säbelrasseln“ kritisierte.

Ich habe mich mit vielen europäischen Politikern getroffen. Ich habe von keinem gehört: „Oh Gott, ihr treibt uns ins Unglück.“ Von keinem! Was Steinmeier mal sagte und vielleicht ein paar andere, das überlasse ich denen. Vielleicht hatte das innenpolitische Gründe, vielleicht glauben sie sogar selbst daran. Aber ich messe sie lieber an ihrem Handeln. Und da sehe ich in Deutschland ein Land, das seine Verteidigungsausgaben wieder erhöht. Ein Land, das ein Nato-Bataillon in Litauen anführt. Ein Land, das engagiert mitmacht für eine starke Nato. Wir wollen Russland nicht provozieren. Aber ich glaube, die Geschichte hat uns seit Jahrzehnten gelehrt, dass wir Abschreckung brauchen.

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