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Kommentar: Voller Widersprüche - Trumps Rede zur Außenpolitik

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 Donald Trumpf außenpolitische Grundsatzrede wurden mit Spannung erwartet, denn als feinsinnigen Diplomaten kann man ihn sich kaum vorstellen. Wie der Kandidat abgeschnitten hat. Ein Kommentar von Mike Schier.

Diplomaten und Immobilienhaie sind grundverschiedene Wesen. Hier der zurückhaltende Feingeist, der mit sorgfältig ausgeklügelten Formulierungen am weitesten kommt. Dort der knallharte Geschäftsmann, der erst einmal Maximalforderungen aufstellt, um dann möglichst viel davon herauszuverhandeln. Man kann dem Milliardär Donald Trump viel nachsagen – aber als zurückhaltend oder feinsinnig hat ihn noch keiner beschrieben. Man kann sich schwer vorstellen, wie er an einem Tisch mit Diplomaten knifflige Kompromisse auslotet.

Insofern wurde Trumps außenpolitische Grundsatzrede mit Spannung erwartet. Der Ton ist – gemäß seiner neuen, präsidial ausgerichteten Strategie – etwas gemäßigter, die von Beratern vorbereiteten Botschaften liest er vom Teleprompter ab. Doch es dominieren weiter einfache Antworten auf komplexe Fragen: „Amerika zuerst“ klingt in den Ohren seiner Wähler super. Beifall gibt es auch für die These, die Nato-Partner sollten endlich mehr zahlen. Dazu das vernichtende Urteil für die Außenpolitik seiner Vorgänger. Wer es besser machen könnte? Nur er! Klar.

Trumps Rede steckt voller Widersprüche: Er will den IS härter bekämpfen, aber keinen neuen Krieg. Die USA sollen „unberechenbarer“ werden, aber „verlässlicher Partner“ sein. Er will islamische Länder im Kampf gegen Radikale unterstützen, stellt Muslime in den USA aber unter Generalverdacht. Kein Konzept. Nur Floskeln. Auf den Ausgang der Wahl dürften sie kaum Auswirkungen haben, Außenpolitik hat US-Wähler nie interessiert. Nur die Welt muss sich in ihrer Sorge vor Trump bestätigt fühlen.

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