Trump-Anhänger im Wahlkampf.
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Trump-Anhänger im Wahlkampf.

„Das ist durchgeknallt“

US-Wahl 2020: Irre Trump-Methoden im Wahlkampf sorgen selbst bei Republikanern für Entsetzen

  • Christoph Klaucke
    vonChristoph Klaucke
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Donald Trump kämpft im US-Wahlkampf mit allen Mitteln. Auch seine treuesten Anhänger schrecken vor den verrücktesten Methoden nicht zurück.

  • Donald Trump ist im bei der US-Präsidentschaftswahl fast jedes Mittel recht.
  • Republikanische Anwälte versuchten tausende Stimmen anzufechten.
  • Trump-Anhänger sorgten auf der Autobahn fast für eine Tragödie.

Washington - Präsident Donald Trump versuchte im Wahlkampf mit allen Mitteln die Präsidentschaftswahl zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Seine Anhänger nutzten sogar illegale Methoden, um den Sieg davonzutragen.

In texanischen Metropole Houston haben republikanische Anwälte versucht tausende Wahl-Stimmen für ungültig zu erklären. In einem Drive-In-Wahllokal hatten allein bis Sonntag schon über 120.000 Menschen ihre Stimme abgegeben. Die sogenannten „Drive Thru Polling Sites“ sind in Texas sehr beliebt. Erst recht, nachdem es auf einer Direktive des republikanischen Gouverneurs Greg Abbott hin in jedem Landkreis von Texas nur ein einziger Abgabeort für Briefwahlstimmen eingereicht werden durfte.

US-Wahl 2020: Republikanische Anwälte klagen gegen Auto-Wahllokale

Aufgrund der Corona-Pandemie befürchteten viele Bürger das Schlangestehen im Wahllokal. Republikanische Anwälte hatten Gerichte nur wenige Tage vor der Wahl mit einer Klagewelle überzogen. Die Auto-Wahllokale seien verfassungswidrig, die mehr als 120.000 abgegebenen Stimmen seien daher als ungültig zu betrachten. Das Oberste Gericht von Texas, das eher konservativ besetzt ist, hatte die Klage aber schon am Sonntag im Eilverfahren abgeschmettert. Die Stimmen werden also zählen.

Die zuständigen Behördenmitarbeiter im Landkreis hatten fassungslos auf die Klage reagiert. „Das ist durchgeknallt“, sagte Susan Hays, Juristin für den Harris County, der „New York Times“. Die Klage sei „komplett gegenstandslos“, sagte der für die Durchführung der Wahl zuständige demokratische Landkreismitarbeiter Chris Hollins dem Radiosender NPR. Selbst die republikanische Landesabgeordnete Sarah Davis bezeichnete die Klage als „offenkundig absurd und völlig schädlich.“

US-Wahl 2020: Trump-Anhänger attackieren Bus der Demokraten mitten auf Autobahn

Ein anderer Skandal ereignete sich auf der Autobahn zwischen den texanischen Großstädte San Antonio und Austin, als ein Bus des Wahlkampfteams von Joe Biden und seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris von zahlreichen Autos umringt und bedrängt worden war. Die Fahrzeuge, überwiegend Pickups und SUVs, hatten Trump-Flaggen an der Seite angebracht.

Auf Videoaufnahmen in sozialen Medien ist zu sehen, wie die Trump-Anhänger bei höchstem Tempo versuchen, den Bus von der Fahrbahn abzudrängen. Ein anderes, vermutlich unbeteiligtes Fahrzeug wurde dabei sogar gerammt. Die Demokraten mussten daraufhin sogar zwei geplante Wahlkampfauftritte in Texas absagen. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen. Donald Trump lobte das gefährliche Manöver sogar und betitelte die Störenfriede als Patrioten. Er forderte das FBI auf, „doch lieber gegen die Terroristen“ der Antifa zu ermitteln.

US-Wahl 2020: Sogar Republikaner stimmen für Biden

Zu einem Kuriosum kam es im Bundesstaat Vermont. Der republikanische Gouverneur Phil Scott stimmte für den Demokraten Joe Biden, berichtete „Seven Days“. „Ich stelle das Land über die Partei“, so Scott nach der Stimmabgabe. Schon vor vier Jahren hatte er nicht Trump gewählt, damals hatte er seine Stimme aber enthalten. „Es war eine harte Entscheidung für mich, aber ich habe es getan“, so Scott.

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