„Unehrlichste Rede jemals“

Trump schlägt mit ungeheuerlichen Vorwürfen um sich - TV-Sender sorgen für Eklat

  • Maximilian Kettenbach
    VonMaximilian Kettenbach
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  • Cindy Boden
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Die US-Wahl bleibt weiter spannend, doch es könnte eng für Donald Trump werden. Jetzt trat er per Rundumschlag vor die Presse und sparte keine Anschuldigung aus.

US-Präsident Trump wurde während seiner Rede unterbrochen.
  • Donald Trump* hat bereits Klagen in mehreren US-Bundesstaaten* angekündigt, in Nevada droht nun die nächste.
  • In einer Pressekonferenz sprach Trump von Wahlmanipulation der Demokraten bei der Stimmauszählung.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 6. November, 13.30 Uhr: Donald Trumps Statement am Donnerstagabend rief landesweit viele Reaktionen hervor. Parteifreunden des Präsidenten ging es zu weit, TV-Sender unterbrachen die Übertragungen und korrigierten Trump aufgrund falscher Behauptungen. Stephen Colbert war in seiner „Late Show“ sogar den Tränen nahe: „Donald Trump hat hart daran gearbeitet heute Abend etwas zu zerstören“. Es breche ihm das Herz. Und auch andere Republikaner bezeichneten Trumps Rede als „wahnsinnig“.

US-Wahl 2020: Joe Biden appelliert an die Bevölkerung

Update vom 6. November, 9.54 Uhr: Während das Trump-Lager mit Manipulationsvorwürfen um sich wirft, appellierte Herausforderer Joe Biden an die US-Bevölkerung, die Ruhe zu bewahren und sich zu gedulden. „Bleibt ruhig. Der Prozess läuft. Die Stimmzählung wird gerade vollendet. Und bald haben wir Gewissheit.“

Biden ergänzte, im demokratischen Lager habe man „immer noch ein sehr gutes Gefühl“. Seine Vizekandidatin Kamala Harris und er selbst hätten „keine Zweifel“, dass sie nach Ende der Auszählung „zu den Siegern erklärt werden“. Die aktuellen Zahlen stützen diese Hoffnung der Demokraten.

Update vom 6. November, 01.30 Uhr: Die Rede eines US-Präsidenten, die wohl lange ihresgleichen suchen wird. Donald Trump trat am Donnerstagabend gegen 18.45 Uhr Ortszeit (0.45 Uhr MEZ) erstmals seit Stunden wieder vor die Presse und tat das, was sein Sohn Donald Trump Jr. wohl die Eröffnung des „totalen Krieg“ rund um die Wahl nennen würde. Das hatte dieser von seinem Vater via Twitter noch vor der Rede gefordert.

„Sie wollen uns die Wahl stehlen“, warnte Trump erneut. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten schlug in seinem Statement mit Anschuldigungen um sich (lesen Sie unten), die Beobachter der US-Politik fassungslos zurücklässt. CNN-Faktenchecker Daniel Dale etwa: „Ich habe alle Trump-Reden seit 2016 gelesen oder gehört. Das war die unehrlichste Rede, die er je gehalten hat“, sagte er, wie focus.de berichtet. Auf ntv verstand ein Experte Trumps Satz „wir werden viel Gewalt sehen auf den Straßen“, als Aufforderung an seine Anhänger. Die Nerven im Trump-Lager liegen nach den Erfolgen Joe Bidens in den vergangenen Stunden offenbar blank.

Als Trump einmal mehr von „illegalen Stimmen“ sprach, unterbrach der TV-Sender MSNBC schon nach wenigen Sekunden die Übertragung, um „den Präsidenten zu korrigieren“, wie es Moderator Brian Williams nannte: „Es gibt keine illegalen Stimmen.“ Offenbar zogen weitere US-Sender ebenfalls die Reißleine.Vermutlich wollten sie die unbelegten Betrugsvorwürfe dort nicht ohne weitere Einordnung senden.

Trump liegt nach aktuellen Ergebnissen derzeit mit 213 der 270 für einen Sieg notwendigen Wahlleute hinter Biden. Sein Herausforderer kommt nach jetzigem Stand auf mindestens 253 Wahlleute. Wird der Bundesstaat Arizona hinzugerechnet, in dem einige Medien Biden bereits zum Sieger ausgerufen haben, sind es 264.

Heftig kommentierte auch die Nichte Trumps die Rede: „So sieht es aus, wenn ein Verlierer verliert“, schrieb Mary Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter.

Trump hat bislang keine Beweise für seine Behauptungen vorgelegt, dass es Wahlbetrug gegeben habe. Behördenvertreter, Experten und Beobachter sehen bislang keine Hinweise darauf.

Update vom 6. November, 00.36 Uhr: Trump ist da und wettert: „Ich habe ganz locker gewonnen, wenn man die legalen Stimmen zählt. Wenn man die illegalen Stimmen zählt, können sie versuchen, uns die Wahl zu stehlen. Ich habe bereits viele tolle Siege errungen, in Florida und Ohio zum Beispiel. Wir haben mit historischen Zahlen gewonnen. Die Meinungsumfragen lagen alle falsch, es gab kein blaue Welle, das wurde gestreut, um Wahlen zu verfälschen.“ Dazu fehlen Trump jegliche Beweise.

Und weiter: „Wir haben viele neue Sitze im Kongress gewonnen und es werden weitere hinzukommen. Ich habe den höchsten Anteil nicht-weißer Wähler, die jemals ein Republikaner errungen hat.“

Trump behauptet weiter: „Die Demokraten sind die Partei der großen Medien und Geldgeber. Wir sind die Partei der Arbeiterschaft und Inklusion geworden.“ Die verlogenen, falschen Umfragen hätten dafür sorgen sollen, dass republikanische Wähler zuhause blieben. „Das waren Unterdrückungsumfragen, das weiß jetzt jeder.“ Es fehlen Trump jegliche Beweise.

Der US-Präsident schlägt um sich: „Joe Biden hatte etwa fünf Punkte Vorsprung, aber ich habe Florida ganz einfach gewonnen. Ohio habe ich mit links gewonnen. Der Abstimmungsapparat der noch ausstehenden Staaten wird von Demokraten kontrolliert. Das wird im Geheimen gedreht. Wir haben dafür gesorgt, dass es dann Wahlbeobachter gab. Wir haben einen wichtigen Prozess gewonnen“, so Donald Trump. Er könne nicht verstehen, weshalb dagegen Protest eingelegt wurde.

Nun stünden viele Gerichtsprozesse ins Haus. „Das Briefwahlsystem ist korrupt, das habe ich ja immer schon gesagt“, schimpft er ohne eine Miene zu verziehen. Dazu fehlen Trump ebenfalls jegliche Beweise.

„In Pennsylvania wurden mir Stimmen unterschlagen. In Georgia* habe ich deutlich gewonnen. Mit 300.000 Stimmen lag ich vorne. Da wird die Zahl immer weiter runtergerechnet. Detroit und Philadelphia gehören zu den korruptesten Städten in den USA. Es kann nicht angehen, dass ausgerechnet die uns betrügen.“ Dazu fehlen Trump jegliche Beweise. Sein Vorsprung schmolz jedoch tatsächlich beträchtlich nach Auszählung der Briefwahlstimmen.

Vorwürfe über Vorwürfe! Trump behauptet: „Wahlbeobachter brauchten Ferngläser, um festzustellen, was auf dem Wahlzettel stand. Es gibt keine Überprüfungen der Unterschriften, ich habe immer gesagt, dass das auf einen Betrug hinausläuft. Es gab eine Reihe von Unregelmäßigkeiten im ganzen Land.“ Dazu fehlen Trump - wie erwähnt - jegliche Beweise.

Trump spricht über mit Pappe zugeklebte Fenster in Detroit. So habe man verhindern wollen, dass Wahlbeobachter möglichen Betrug überprüfen können. Dabei waren die Fenster aus Angst vor Trumps Anhänger angebracht worden, die sich vor dem Wahllokal versammelten und für Angst und Schrecken sorgten. Auch den Wasserrohrbruch in Georgia will er für die stundenlange Verzögerung nicht gelten lassen. „Ich fordere Biden auf, dass sie darüber reden, dass sie mit „legalen Stimmen“ gewonnen haben.“

Bevor er das Rednerpult verlässt, fasst er noch einmal zusammen: „Wir haben so viele Beweise für Manipulation und es wird letztlich vor dem Supreme Court landen und zeigen, dass uns die Wahl gestohlen wird. Die Richter werden entscheiden müssen.“

US-Wahl 2020: Donald Trump jr. spricht von „totalem Krieg“

Update vom 6. November, 00.36 Uhr: Tatsächlich steht eine Pressekonferenz im Weißen Haus bevor. Spricht Donald Trump nun ein letztes Mal vor der Wahlentscheidung hier? Man darf gespannt sein, wie weit Trump in Sachen Manipulationvorwürfe nun geht.

Update vom 6. November, 00.22 Uhr: Fürchterliche Wortwahl! Präsidentensohn Donald Trump Jr. hat seinen Vater aufgerufen, einen „totalen Krieg“ rund um die Wahl zu eröffnen. Donald Trump müsse „all den Betrug und Schummeleien offenlegen“, schrieb sein Trump Jr. Sohn am Donnerstag bei Twitter. Dazu gehörten die Stimmen von Wählern, die tot seien oder nicht mehr im jeweiligen Bundesstaat lebten, behauptete der Trump-Sohn. „Es ist an der Zeit, dieses Schlamassel zu bereinigen und nicht mehr wie eine Bananenrepublik auszusehen.“

Sein Vater hat laut ZDF derweil eine Pressekonferenz noch in den kommenden Minutenangekündigt.

Update vom 5. November, 19.44 Uhr: Der Wahlleiter von Clark County, Joseph Gloria, hat sich vor den Kameras geäußert. Dies ist das County, zu dem sich Trumps Wahlkampfteam am Nachmittag geäußert hatte (siehe Update vom 5. November, 18.10 Uhr). Gloria habe bisher von keinem Betrug gehört, „uns sind keine unrechtmäßigen Stimmzettel bekannt“. Alle würden ihr Bestes geben, um eine rechtmäßige Bearbeitung der Stimmzettel durchzuführen.

Dennoch würden viele Stimmzettel noch einmal überprüft und teils nachgezählt. In Nevada sei die Briefwahl etwas Neues, deshalb hat es laut Gloria auch etwas länger gedauert. Man habe Datenbestände aktualisieren müssen, jede Briefwahlstimme ins System eingegeben, um zu vermeiden, dass Personen zweimal wählen. Die dafür 1300 verwendeten Laptops werden nun noch einmal geprüft, um zu schauen, dass das System Stimmzettel auch wirklich nicht zweimal gezählt hat.

Außerdem betonte Gloria in seiner Pressekonferenz mehrfach, dass es ihm bei der Auszählung nicht um Schnelligkeit gehe, sondern um Präzision. Angesprochen auf die Vorwürfe von Trumps Team, dessen Wahlbeobachter bekämen in Clark County keinen Zugang zu der Auszählung, sagte Gloria: „Wir möchten Zugang gewähren, für jeden, der den Vorgang beobachten möchte.“ Doch es gebe auch Vorschriften, wenn Beobachter beispielsweise in Bereiche vordringen, für die sie nicht zugelassen sind.

Gloria geht davon aus, die aktuell eingetroffenen Stimmen bis Samstag oder Sonntag ausgezählt zu haben. Jedoch können noch weitere Briefwahlstimmen eintreffen, die zusätzlich noch ausgezählt werden müssen. Die Stimmzettel, die richtig ausgefüllt sind, werden auch ausgezählt, sagte Gloria. In Nevada ist damit vermutlich nicht mit einem baldigen Endergebnis zu rechnen.

US-Wahl 2020: „Zeugin“ berichtet von gestohlenem Stimmzettel

Update vom 5. November 18.10 Uhr: Das Trump Team will eine Klage in Nevada einreichen, weil es Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Stimmen sieht. Demnach hätten Personen Stimmen abgegeben, obwohl sie gar keine eingetragenen Wähler seien. Manche berücksichtigte Wähler seien beispielsweise während der Pandemie weggezogen oder verstorben.

Bei der Pressekonferenz kam auch eine „Zeugin“ zu Wort, die von Betrug berichtet. Sie habe den Stimmzettel per Post bekommen, doch jemand habe ihn ihr gestohlen. Auch Nachbarn sei dies ihrer Aussage nach passiert. Auf solche Berichte stützt sich nun das Trump-Team und hofft, vor Gericht, speziell in Clark County, wo auch Los Angeles liegt, Erfolg zu haben. Sie wollen mehr „Transparenz“ und den Auswahlprozess überprüfen, was ihnen bisher verwehrt werde.

Update vom 5. November, 18.01 Uhr: Grenell sagte in der Pressekonferenz: „Es ist nicht akzeptabel, dass widerrechtliche Stimmen berücksichtigt werden.“ Das gebe ehrlichen Wählern den Eindruck, dass das Wahlsystem korrupt ist. Er kritisiert, dass in Nevada Briefwahlstimmen eintreffen und ausgezählt werden, doch „wir dürfen in Wahllokalen unsere Aufgabe nicht wahrnehmen und prüfen“. Angemeldeten Wahlbeobachtern ist es normalerweise erlaubt, die Auszählungen zu beobachten. Das Team habe die Behörden um Antworten gebeten, sie hätten jedoch keine Antworten bekommen.

Update vom 5. November, 17.54 Uhr: Das Team von US-Präsident Donald Trump hat Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung von Stimmen im Bundesstaat Nevada kritisiert. Richard Grenell, nationaler Sicherheitsdirektor in Amerika, sagte am Nachmittag in einer Pressekonferenz in Las Vegas: „Es gab Menschen, die nicht hier leben und gewählt haben.“ Er kritisierte vor allem die Briefwahlstimmen. In Nevada müsse man 30 Tage vor Ort gelebt haben, sonst dürfe man nicht abstimmen. Aufgrund solcher Unregelmäßigkeiten und fehlender Transparenz, die Grenell bemängelt, wolle das Team Klage einreichen, „um die Rechte der legitimen Wähler zu schützen.

US-Wahl 2020: Trump Team kündigt Pressekonferenz an - womöglich nächste Klage in Nevada geplant

Erstmeldung vom 5. November, 16.37 Uhr: Las Vegas - Donald Trumps Wahlkampfteam möchte etwas verkünden: Für 17.30 Uhr MEZ ist eine Erklärung in Las Vegas, Nevada angekündigt. Wie Fox News berichtet, wird auch Richard Grenell, früherer US-Botschafter in Deutschland, an der Pressekonferenz teilnehmen. Der Sender schreibt, das Team plane eine weitere Klage einzureichen, sodass nur jede „legale“ Abstimmung gezählt werden. Demnach behauptet die Kampagne des US-Präsidenten, dass mindestens 10.000 Menschen im Staat gewählt haben, obwohl sie nicht mehr dort leben.

US-Wahl 2020: Donald Trumps Team mit Statement - folgt weitere Klage?

Nevada* ist einer der sechs US-Staaten, bei denen laut CNN noch kein vorläufiges Endergebnis klar ist. Nachdem etwa 86 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, steht es 49,3 Prozent für Joe Biden zu 48,7 Prozent für Trump. In Stimmen sind das jedoch aktuell nur 7647 Stimmen Unterschied. Es ist also ein sehr enges Kopf-an-Kopf-Rennen in Nevada. Weitere entscheidende Staaten sind etwa Pennsylvania*, Georgia und North Carolina.

US-Wahl 2020: Donald Trump kritisiert Auszählung der Stimmen weiter heftig

Trump kritisiert, dass immer noch Stimmen ausgezählt werden. Er und sein Team behaupten immer wieder, dass vor allem durch die Briefwahl, deren Stimmen in einigen Bundesstaaten jetzt noch ausgezählt werden, die US-Wahl manipuliert werde. Auf Twitter wird er nicht müde, seine Botschaft zu kommunizieren: „Jede Stimme, die nach dem Wahltag ankam, wird nicht gezählt“, schreibt er Donnerstagnachmittag. Twitter hat die Nachricht erneut mit einem Hinweis versehen, dass dieser Inhalt umstritten ist. Joe Biden hält dagegen und twittert: „Jede Stimme muss gezählt werden.“

Bereits am Mittwoch hatte Trump in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin Klagen angekündigt. Was genau sein Team bei der Pressekonferenz um 17.30 Uhr ankündigt, lesen Sie immer aktuell in diesem News-Ticker. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot/MSNBC

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