USA, Reading: Donald Trump, Präsident der USA, wirft eine Kappe bei einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Regionalflughafen Reading .
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Donald Trump, aktuell noch Präsident der USA, wirft eine Kappe bei einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Regionalflughafen Reading.

„Vielleicht muss ich das Land verlassen“

US-Wahl 2020: Schwer vorstellbare Szenarien - Was macht Donald Trump, wenn er die Wahl verliert?

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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So kurz vor der US-Wahl 2020 sehen die Umfragen weiter schlecht für Donald Trump aus. Doch wird er eine mögliche Wahlniederlage auch akzeptieren? Was passieren könnte.

  • Bis zuletzt verbreitet US-Präsident Donald Trump wilde Theorien über Wahlmanipulation durch die Briefwahl.
  • Besonders ein knappes vorläufiges Wahlergebnis am 3. November könnte Trump dazu bewegen, sich als Sieger statt Verlierer zu sehen.
  • Die Zeit bis zur Vereidigung des Präsidenten im Januar könnte womöglich zur Schlammschlacht werden und zu Unruhen in den USA führen.

Washington, D.C. - Die Tage von Donald Trump als US-Präsident könnten in absehbarer Zeit gezählt sein. In den Wahl-Umfragen sieht es schlecht für den Republikaner aus. Nach der Wahl am 3. November darf er zwar bis zur möglichen Vereidigung seines Herausforderers Joe Biden (Demokraten) weiter die Regierung führen und im Weißen Haus bleiben - aber wenn er die US-Wahl verliert, wäre am 20. Januar (erst einmal) Schluss für ihn.

Doch seit Wochen laufen Diskussionen, ob Trump eine Wahlniederlage überhaupt anerkennen würde und ob es eine friedliche Machtübergabe geben wird. Überlegungen, die einem Staat wie den USA unwürdig erscheinen. Aber es ist nicht die erste Wahl, bei der diese Frage aufkommt. Schon 2016 hat sich Donald Trump in einem TV-Duell mit seiner damaligen Herausforderin Hillary Clinton (Demokraten) geweigert zu sagen, dass er eine mögliche Wahlniederlage auch akzeptieren werde.

An dieser Einstellung hat sich nicht viel geändert. Hinzu kommt: Donald Trump erwartet ein Wahlergebnis noch am 3. November. Das betont er bei Auftritten, das schreibt er auf Twitter. Ansonsten könne „Chaos“ ausbrechen, warnte er seine Anhänger zuletzt in Pennsylvania.

Ein frühes Ergebnis aber scheint unwahrscheinlich. Durch die Corona-Pandemie gibt es bei dieser US-Wahl deutlich mehr Briefwähler, sodass Experten nicht unbedingt mit einem Ergebnis in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit wie etwa bei den vergangenen Wahlen rechnen.

US-Wahl 2020: Wie knapp fällt das (vorläufige) Ergebnis noch am Wahlabend aus?

Für den Wahlabend gibt es zwei mögliche Szenarien rund um das Wahlergebnis, sollte Donald Trump nicht als Gewinner hervorgehen. Entweder er verliert ganz knapp oder er verliert mit großem Rückstand.

Die erste Möglichkeit ist wohl die problematischere. Wenn es um wenige Stimmen geht, könnten die Republikaner und Doanld Trump Geschichten um Unregelmäßigkeiten vorbringen. Die Briefwahl ist vor allem dem Präsidenten seit Langem ein Dorn im Auge. Seine Verschwörungstheorien münden in Aussagen von ihm wie: „Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie wir verlieren können: massiver Wahlbetrug.“

Auf diese Betrugstheorien, für die er bisher keine stichhaltigen Belege lieferte, könnte er sich bei einem knappen Wahlausgang beziehen, wenn er hinten liegt. Es ist davon auszugehen, dass er seinen Twitter-Acoount mit mittlerweile über 87 Millionen Followern (Stand: 1. November) nutzen wird, um seine Wut zu äußern.

Je länger die Auszählung dauert, desto eher dürfte Trump Betrug wittern und seine teils bewaffneten Anhänger damit anstecken. Unruhen und Gewalt nach der Wahl wollen Experten wie der Juraprofessor Lawrence Douglas in einem Interview mit der Zeit nicht gänzlichen ausschließen. Wie AFP berichtet, sind Waffenverkäufe in den USA vor der Präsidentschaftswahl deutlich angestiegen - angeheizt sowohl durch die Corona-Pandemie als auch durch teilweise von Gewalt begleiteten Anti-Rassismus-Protesten im Land. In Washington D.C. verbarrikadieren Läden teils ihre Fenster und Türen, weil sie Vandalismus in der Wahlnacht fürchten. Auch die Polizei bereite sich schon auf Ausschreitungen vor.

Möglich wäre aber auch, dass Trump nach der Auszählung der Stimmen aus den Wahllokalen vorn liegt und sich frühzeitig als Sieger ausruft. Umfragen zufolge wollten vor allem viele Wähler der Demokraten bevorzugt die Briefwahl nutzen, weshalb sich das Ergebnis nach der Auszählung dieser Stimmen noch einmal drehen könnte. Nimmt Trump seine Siegesnachricht dann zurück?

US-Wahl 2020: Wenn Donald Trump verliert, was macht er dann bis zur Vereidigung von Joe Biden?

Sollte also das Ergebnis knapp werden und Donald Trump hinten liegen, sind Anfechtungen der Stimmenauszählung oder des Wahlprozesses nicht auszuschließen, wenn man seine bisherigen Aussagen berücksichtigt. Das heißt jedoch nicht, dass sofort landesweit alle Stimmen neu ausgezählt werden. Gerichte wollen begründete Zweifel sehen, zumal jeder US-Bundesstaat ein eigenes Wahlrecht hat. Das Electoral College, die Wahlleute der einzelnen Bundesstaaten, wird planmäßig am 14. Dezember 2020 entscheiden. Bis dahin müsste es also Entscheidungen geben. Auch der Kongress könnte in einem möglichen Albtraum-Szenario um die Wahl eine Rolle spielen.

Und es stellt sich noch eine wichtige Frage in einem anderen Szenario: Sollte Trump verlieren und dies eingestehen, welche politischen Möglichkeiten bleiben ihm dann noch bis zur Vereidigung von Joe Biden am 20. Januar 2021? Diese Zeit wird „Lame-Duck-Phase“ genannt, das heißt die Übergangsphase zwischen zwei Präsidenten. Lahme Ente deshalb, weil die Macht der Führungskräfte währenddessen schwindet, vordergründig geht es um die geordnete Übergabe.

Doch der Präsident hätte dann auch nichts mehr zu verlieren, was den Status gefährlich machen kann. Es ist die Zeit für wenig beliebte, aber eventuell folgenreiche Entscheidungen. So hat Barack Obama (Demokraten) in den letzten Stunden seiner Amtszeit unter anderem noch vier Häftlinge aus dem Gefangenenlager Guantánamo entlassen und Ölbohrungen in Teilen der Arktis verboten.

US-Wahl 2020: Was macht Donald Trump, wenn er nicht mehr im Weißen Haus sitzt?

Irgendwann wird zwangsläufig der 20. Januar 2021 kommen, an dem laut Verfassung am Mittag der Präsident vereidigt werden muss. Sollte Trump die US-Wahl verlieren, endet dann seine Amtszeit. Es gibt bereits Spekulationen darüber, ob Donald Trump das Weiße Haus auch wirklich verlässt. Unter Umständen müsste ihn der Secret Service, seine derzeitigen Personenschützer, aus dem Weißen Haus tragen.

Wird sich Donald Trump als Präsident ohne große politische Vorerfahrung dann weiter politisch engagieren? Wird er wieder ins Immobiliengeschäft eintreten und der Welt neue Trump-Tower verpassen? Das alles sind Spekulationen, denn für Trump kommt eine Wahlniederlage bisher nicht wirklich in Frage. An einer Stelle äußerte er sich beim Wahlkampf in Georgia dann aber doch dazu, was passieren könnte, wenn er gegen den „schlechtesten Kandidaten der Politik-Geschichte“ verlieren würde: „Können Sie sich vorstellen, dass ich verliere? Was werde ich tun?“ Seine Antwort bringt jedoch auch keine Klarheit: „Ich werde mich nicht so gut fühlen. Vielleicht muss ich das Land verlassen. Ich weiß es nicht.“

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