Der US-Präsidentschaftskandidat und sein Sorgenkind: Joe Biden mit seinem Sohn Hunter
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Der US-Präsidentschaftskandidat und sein Sorgenkind: Joe Biden mit seinem Sohn Hunter.

Schmutzkampagne oder Wahrheit?

Joe Biden: Laptop-Affäre bringt Widersacher von Donald Trump in Not

  • Friedemann Diederichs
    vonFriedemann Diederichs
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Die Social-Media-Giganten Twitter und Facebook versuchen, den Herausforderer von US-Präsident Donald Trump zu schützen. Was ist dran an den brisanten Enthüllungen über Joe Biden?

  • Der Wahlkampf um das Amt des US-Präsidenten* erlebt eine Wendung, ausgelöst durch einen herrenlosen Laptop.
  • Auf ihm wurde heikles Datenmaterial gefunden, das den demokratischen Kandidat Joe Biden in Bedrängnis bringt.
  • Es geht um die Beziehungen zur Ukraine zu der Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama - und um Sohn Hunter.

Washington – Es ist ein wenig kurios: Ein durch Wasser beschädigter herrenloser Laptop, der in den Händen eines Computer-Reparaturbetriebs im Bundesstaat Delaware landet, beschert dem Demokraten Joe Biden* drei Wochen vor der Wahl schlechte Schlagzeilen. Doch auch die Social-Media-Giganten Facebook und Twitter stehen seit Donnerstag im Kreuzfeuer der Kritik. Denn sie versuchen mit vereinten Kräften, den brisanten Inhalt des Laptop-Harddrives, den der Reparateur noch sichern konnte, vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Beide Plattformen blockten bei tausenden Nutzern die Weiterverbreitung eines Textes der „New York Post“, die über den Laptop und die dort gespeicherten E-Mails und Fotos berichtet hat.

Joe Biden: Ukraine-Beziehungen des damaligen Vizepräsidenten werfen Fragen auf

Die wohl für Biden heikelste E-Mail: Aus ihr geht hervor, dass sich ein hochrangiger Manager der ukrainischen Energiefirma Burisma 2015 mit dem damaligen US-Vizepräsidenten getroffen hatte. Dieses Treffen hatte den Indizien und dem Inhalt der Mail zufolge Bidens Sohn Hunter vermittelt.

Das klingt zunächst harmlos, ist aber aus gleich drei Gründen heikel: Zum einen ist bis heute unklar, in welchem Ausmaß Joe Biden – damals unter Obama für die Ukraine zuständig – die Anstellung seines Sohnes von Burisma organisiert hat. Hunter Biden hatte keinerlei Kenntnisse im Energiebereich und ein anhaltendes Drogenproblem, wurde aber aus seiner damaligen Arbeitslosigkeit durch einen mit mindestens 50.000 Dollar pro Monat dotierten Vertrag mit Burisma befreit. Zum anderen hatte Joe Biden in Interviews mehrfach erklärt, niemals mit seinem Sohn dessen ausländische Geschäfte diskutiert zu haben. Die jetzt aufgetauchten Mails lassen dies als Lüge erscheinen. Und: Ein Jahr nach dem nun kolportierten Treffen zwischen dem Burisma-Manager und Joe Biden hatte der damalige Obama-Vize die Ukraine massiv und erfolgreich unter Druck gesetzt, einen ungeliebten Staatsanwalt zu feuern, der sich verdächtiger Geschäftspraktiken von Burisma widmete.

Das alles riecht stark nach jener Vetternwirtschaft, die die Demokraten stets so gerne dem Trump-Clan vorwerfen. Aus dem Biden-Lager gab es dazu zwei Reaktionen: Zum einen ließ der Kandidat am Mittwoch der Begleitpresse mitteilen, es werde an diesem Tag keine Termine geben. So ging er kritischen Nachfragen aus dem Weg. Zum anderen veröffentlichten seine Kampagnenmanager eine dürre Erklärung, in der die E-Mails nicht bestritten wurden. Stattdessen hieß es: Eine Prüfung von Bidens offiziellem Kalender habe ergeben, dass zu dem von der Zeitung behaupteten Zeitpunkt kein Treffen mit Burisma stattgefunden hat. Doch „Privattermine“ lassen sich auch in höchsten Regierungsämtern stets einschieben, ohne im Kalender zu landen.

Joe-Biden-Sohn mit Drogenpfeife im Bett - Twitter legt Konto von Trump-Sprecherin lahm

Obwohl es an der Authentizität der E-Mails und anderer Dokumente – Fotos, die einen mit einer Drogenpfeife im Bett eingeschlafenen Hunter Biden zeigen – keine Zweifel gibt, schlugen die Facebook- und Twitter-Zensoren sofort zu. Das bekam sogar Donald Trumps Regierungssprecherin Kayleigh McEnany zu spüren, die den „New York Post“-Bericht auf Twitter teilte und deren Nutzerkonto umgehend stillgelegt wurde. Die Begründung las sich abstrus: Man erlaube nicht die Verbreitung von privatem Material, das durch „Hacker“ erlangt worden war.

Nur hatte es in dieser Sache keine Hack-Attacke gegeben, sondern die Auswertung eines als herrenlos angesehenen Laptops. Twitter-Gründer Jack Dorsey räumte nach massiver Kritik ein, er sei mit der Reaktion seines Teams gar nicht zufrieden. Von Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dessen Sympathien für Biden bekannt sind, gab es keine Selbstkritik. Früher hatte Zuckerberg stets die Meinungsfreiheit auf Facebook betont. Man könne nicht als „Wahrheits-Ermittler“ dienen. Inzwischen scheint ein Kurswechsel stattgefunden zu haben.

Vor der US-Wahl 2020 bettelt Donald Trump unterdessen Frauen an, ihn zu mögen. Grund: „Ich habe Eure verdammten Nachbarschaften gerettet.“ *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks

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