Wahlsystem und Kandidaten-Kür

US-Wahl 2020: Letzter Wahlgang erst in 2021 - Amtseinführung folgt im Januar

Die US-Wahl 2020 ist zwischen Donald Trump und Joe Biden schon entschieden. Im Bundesstaat Georgia steht aber noch eine sehr wichtige Entscheidung aus.

  • Bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 ist Joe Biden ein ernster Herausforderer für Donald Trump.
  • Die US-Amerikaner wählen am 3. November 2020 ihren Präsidenten sowie das Repräsentantenhaus und den Senat.
  • Traditionell wählen die Amerikaner ihren Präsidenten über ein Wahlmänner-System.

Update vom 27. November 2020: Joe Biden hat die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten gewonnen. Bei der US-Wahl 2020 sind aber noch weitere Entscheidungen gefallen, die der Biden-Regierung den Handlungsspielraum vorgeben. Im Repräsentantenhaus haben seine Demokraten die Mehrheit behalten. Ganz eng wird es hingegen in der zweiten Kammer des nationalen Parlaments der USA. Wer im Senat die Mehrheit hat, entscheidet sich erst am 5. Januar 2021 durch zwei Stichwahl im Bundesstaat Georgia. Die Republikaner müssen nur eines der beiden Mandate gewinnen, um im Senat die Oberhand zu behalten. Sie könnten dann weiterhin großen Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen.

Die Amtszeit für Joe Biden, der sich dann in die Liste der US-Präsidenten einreiht, beginnt am 20. Januar 2021. An diesem Tag legt er den Amtseid ab und führt ab 12 Uhr die Regierungsgeschäfte.

US-Wahl 2020: So funktionieren die Wahlen für Präsident, Senat und Repräsentantenhaus

Vorbericht:

Washington - Der Zweikampf um das Weiße Haus wird zwischen Donald Trump und Joe Biden entschieden. Beide setzten sich auf dem Weg zur US-Wahl 2020 in ihren Parteien durch. Wie immer haben die Präsidentschaftskandidaten der kleinen Parteien keine Chance auf das Amt.

Am Wahltag halten wir Sie mit unserem Live-Ticker zur US-Wahl 2020 auf dem Laufenden. Außerdem finden Sie auf Merkur.de die Wahlergebnisse aus allen Bundesstaaten, sobald dort die Auszählung fertig ist.

Termin der US-Wahl 2020 im November

Die 59. Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten 2020 findet am 3. November 2020 statt. Die Amerikaner wählen ihr Staatsoberhaupt nicht direkt. Stattdessen bestimmen sie an diesem Termin die 538 Wahlmänner und -frauen, die wiederum 41 Tage später in einer geheimen Abstimmung den neuen US-Präsidenten wählen. 

Die Wahl gilt aber als entschieden, sobald ein Kandidat die Mehrheit von 270 Stimmen aus diesem Electoral College hat. Aufgrund der Zeitzonen und der aufwendigen Klärung der Gültigkeit aller Stimmen liegt oft erst Tage nach dem Wahltag ein amtliches Ergebnis vor. 

US-Präsidentschaftswahl 2020: Sieger kommt am 20. Januar ins Amt

Einen neuen Präsidenten haben die Amerikaner ohnehin erst am 20. Januar 2021. Dann darf der Wahlsieger im Rahmen seiner Amtseinführung offiziell das Weiße Haus beziehen. An diesem Tag übernimmt traditionell der neue Präsident die Regierungsgeschäfte.

Die Bevölkerungsstärke eines Bundesstaats entscheidet über die Anzahl der Wahlmänner, die entsandt werden. Delaware stellt nur drei, Kalifornien aber 55 Mitglieder des Electoral College

Bei der US-Wahl geht es um die Mehrheit der Wahlmänner

In 48 Staaten gilt das Prinzip von „The winner takes it all“ (Der Sieger bekommt alles). In diesem Fall gehen die Stimmen aller Wahlmänner an den Kandidaten, der zuvor die Mehrheit erhalten hat. Nur Maine und Nebraska teilen die Wahlmänner im Verhältnis - also proportional zum Wahlergebnis - auf.

Sollte es zu einer Pattsituation von 269 Wahlmännern kommen, hält das Wahlsystem eine Lösung bereit. In diesem Fall wählt das ebenfalls neu gewählte Repräsentantenhaus den Präsidenten. Dann hat jeder Bundesstaat nur eine Stimme. 

Bei vielen Staaten lässt sich der Wahlausgang relativ klar vorhersagen. Kalifornien geht traditionell an die linksliberalen Demokraten, in Texas haben die konservativen Republikaner stets das Sagen.

US-Wahl 2020 könnte durch Swing States entschieden werden

Eine oft wahlentscheidende Ausnahme bilden die Swing States. In diesen Bundesstaaten konnte keine der beiden Parteien eine Hochburg oder eine strukturelle Mehrheit im Laufe der Jahre aufbauen. Dazu zählen Florida, Pennsylvania und Wisconsin und eigentlich alle Staaten, in denen von den beiden Senatoren je einer der demokratischen und der andere der republikanischen Partei angehört. 

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To Bernie and Jane, as friends, from Jill and me: You haven’t just run a political campaign; you’ve created a movement. And make no mistake about it, we believe it’s a movement that is as powerful today as it was yesterday. That’s a good thing for our nation and our future. We know how hard this is. You have put the interest of the nation – and the need to defeat Donald Trump – above all else. And for that we’re grateful. But we want you to know: we’ll be reaching out. You’ll be heard by me. As you say: Not me, Us. And to Bernie’s supporters: I know that I need to earn your votes. And I know that might take time. But I want you to know that I see you, I hear you, and I understand the urgency of this moment. I hope you'll join us. You're more than welcome: You're needed. Together we will defeat Donald Trump. But we will also address the climate crisis. We will make college affordable. And we will make health care available to all. We will not just rebuild this nation – we’ll transform it. And I’m asking you to join me: [Link in Bio]

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Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl haben Kandidaten bestimmt

Die Vorwahlen haben entschieden, wer als Kandidat für eine Partei ins Rennen geht. Dabei stimmten Wähler darüber ab, für welchen Kandidaten die Delegierten ihres Bundesstaats auf dem nationalen Parteitag stimmen sollen. Die Stimmen gehen an die einzelnen Kandidaten proportional zu deren Wahlergebnis. Es gilt eine 15-Prozent-Hürde. 

Für den Parteitag der Demokraten wurden insgesamt 4.750 Delegierte erwartet, 3.979 aus den Bundesstaaten und 771 Superdelegierte. Als Präsidentschaftskandidat wurde nominiert, wer 1.990 Stimmen bekommt. Nachdem alle anderen Kandidaten ausgestiegen waren, blieb als Präsidentschaftskandidat nur noch Joe Biden übrig. Andere prominente Kandidaten haben ihre Unterstützer dazu aufgerufen, sich für Biden einzusetzen.

Auf Seiten der Republikaner stellte sich der amtierende 45. Präsident der USA, Donald Trump, erneut zur Wahl. Als Vizepräsident kandidiert mit ihm erneut Mike Pence. Die Gegenkandidaten innerhalb der Republican Party waren von Anfang an chancenlos. 

Genau genommen gibt es mehr als zwei Präsidentschaftskandidaten. Mehrere Kleinparteien haben Kandidaten angemeldet, obwohl ein Sieg gegen Republikaner und Demokraten faktisch ausgeschlossen ist. Eine Nominierung von der Reform Party, Alliance Party und American Independent Party erhielt der Geschäftsmann Rocky De La Fuente, der sich 2020 auch schon bei den Vorwahlen der Republikaner als Alternative zu Trump versucht hatte. Für die Libertarian Party steht Jo Jorgensen auf dem Wahlzettel. Für die Libertären trat sie schon in den 1990ern als Vizepräsidentschaftskandidatin an.

TV-Duelle in den USA: Mehrfacher Schlagabtausch vor der Präsidentschaftswahl

Trump und Biden haben vor dem Wahltag mehrfach die Gelegenheit, unentschlossene Wähler für sich zu gewinnen. Der Kampf um die Swing States wird im direkten Schlagabtausch vor laufenden Kameras ausgetragen. Insgesamt drei TV-Duelle zwischen Donald Trump und Joe Biden wurden vereinbart. Eine weitere Debatte findet zwischen den Kandidaten für die Vizepräsidentschaft statt. Mike Pence tritt für die Republikaner an, Kamala Harris ist für die Demokraten dabei. Die Termine der TV-Duelle sind:

  • 29. September 2020: Donald Trump gegen Joe Biden
  • 7. Oktober 2020: Mike Pence gegen Kamala Harris
  • 15. Oktober 2020: Donald Trump gegen Joe Biden
  • 22. Oktober 2020: Donald Trump gegen Joe Biden

Auch der Wahltag der US-Wahl 2020 wird im TV und Live-Stream übertragen. Viele Sender in Deutschland haben in der Nacht ein Sonderprogramm angekündigt.

Demokraten mit hohem Altersdurchschnitt vor der Präsidentschaftswahl

Im breiten Feld der Demokraten räumte man von Beginn an dem sozialdemokratischen 78-jährigen Bernie Sanders, dem gemäßigten ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden (77 Jahre) und dem liberalen früheren New-Yorker-Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg (78 Jahre) die größten Chancen ein. Auch der erst 38-jährige Pete Buttigieg, ein homosexueller Bürgermeister aus dem Mittleren Westen, galt anfangs noch als chancenreich. Eine frühere Harvard-Professorin, die linksgerichtete Elizabeth Warren, hatte ebenfalls Außenseiterchancen. 

Der Auftakt zu den Primaries fand am 3. Februar im Bundesstaat Iowa statt. Das Ende der Vorwahlen wurde auf den 16. Juni in Washington D.C. festgelegt, die offiziellen Präsidentschaftskandidaten stehen nach den Wahlparteitagen der Parteien fest.

US-Wahl 2020: Vorentscheidung für Demokraten am 3. März

In Iowa konnte sich bei den Demokraten Pete Buttigieg durchsetzen, der später seine Kandidatur zurückzog. In New Hampshire machte sein parteiinterner Rivale Bernie Sanders das Rennen.

Als Superwahltag für die Vorwahlen gilt traditionell der „Super Tuesday“. Am 3. März 2020 wurde in 14 Staaten Vorwahlen abgehalten, darunter in Kalifornien. Hinzu kamen das US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa und die Demokraten im Ausland. Insgesamt wurden ein Drittel der Delegierten-Stimmen vergeben. Am 10. März wählten weitere sechs Staaten, darunter Michigan, Washington und Missouri. Zu dieser Zeit begann sich das Feld der Bewerber einmal mehr zu lichten. Für Joe Biden wendete sich das Blatt nach einem verpatzten Start in die Vorwahlen.

Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl

Mehrere Monate vor dem Wahltag zeigten die Umfragen zur US-Wahl 2020 einen deutlichen Vorsprung für Joe Biden - und auch wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl sahen die Prognosen für den Demokraten gut aus. Es zeichnet sich ab, dass in den USA Wahlkampfthemen wie die Corona-Krise und auch die „Black Lives Matter“-Bewegung für den Amtsinhaber zu einem Stolperstein auf dem Weg zu einer zweiten Amtszeit werden können. Dass diese Prognosen nicht immer zuverlässig sind, zeigte sich allerdings vier Jahre zuvor. Damals galt Trump als Außenseiter, holte aber dennoch den Wahlsieg. Aktuelle Zahlen zur US-Wahl und dazugehörigen Umfragen finden Sie außerdem hier.

Amtseinführung nach der US-Wahl 2020: Neuer Präsident im Januar

Zwischen dem Wahltag und der Amtseinführung des US-Präsidenten vergehen traditionell mehr als zwei Monate. Anfang November wird gewählt, am 20. Januar ist immer das Datum, an dem die neue Amtszeit beginnt. Am 20. Januar 2021 wird entweder Donald Trump für seine zweite Amtszeit vereidigt oder Joe Biden zieht ins Weiße Haus ein.

Weiterer Teil der US-Wahl 2020: Senat und Repräsentantenhaus

Was im Ausland leicht in Vergessenheit gerät, für die US-Amerikaner aber ebenfalls sehr wichtig ist, sind zwei weitere Wahlen am 3. November. Der Tag, an dem der Präsident gewählt wird, ist immer eine Art Super-Wahltag. Beide Kammern im US-Kongress werden neu besetzt - der Senat nur zum Teil, das Repräsentantenhaus komplett.

Seit 2018 halten die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die 435 Abgeordneten werden über das ganze Land hinweg in ebenso vielen Wahlbezirken bestimmt. Diese Wahl findet alle zwei Jahre statt.

Der Senat der Vereinigten Staaten wird immer nur zum Teil neu gewählt. Alle zwei Jahre geht es um ein Drittel der Abgeordneten, deren Amtszeit sechs Jahre dauert. Die Republikaner halten vor der US-Wahl 2020 die Mehrheit. Im Gegensatz zum „Haus“ erhält jeder Bundesstaat - unabhängig von seiner Größe - zwei Vertreter im Senat. (rm)

Rubriklistenbild: © dpa / Evan Vucci

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