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Merkur-Redakteur Mike Schier.

US-Wahl

Kommentar zu Trumps Triumph: Ein Erdbeben

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München - Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten. Das klingt noch immer unglaublich, meint Merkur-Redakteur Mike Schier und zieht Parallelen zum Brexit.

Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten. Der Satz klingt noch immer unglaublich – gerade wenn man diesen Wahlkampf Revue passieren lässt, in dem der Kandidat die eigenen Parteifreunde, ethnische Minderheiten sowie Muslime angriff und nach dem Prahlen mit sexuellen Übergriffen bereits abgeschrieben schien. Doch mit jedem Tabubruch solidarisierten sich seine Anhänger mehr. Am Ende lagen alle Experten grotesk falsch: die Politikwissenschaftler und -strategen, die Meinungsforscher, die Wahlkampfmanager und auch die Journalisten. Wie schon der Brexit offenbart diese Wahl, dass die neue populistische Bewegung nicht mit den alten Gewissheiten zu verstehen ist. 2016 ist das Jahr, in dem politische Grundregeln neu geschrieben werden. 

Welche Lehre ist aus diesem Prognose-Desaster zu ziehen? Vielleicht die, sich mit weiteren zurückzuhalten: Niemand kann derzeit seriös vorhersagen, wie sehr der unberechenbare Trump Washington und damit die bisherige Weltordnung auf den Kopf stellen wird. Seine erste – sicher auch mit dem Blick auf die Börsen – versöhnliche Rede steht im diametralen Kontrast zu seinen spalterischen Wahlkampfauftritten. Setzt er nur die Hälfte seiner Vorschläge um – die Zerschlagung der „korrupten“ Strukturen, die Rücknahme von Handelsverträgen, eine Mauer zu Mexiko, eine neue Außenpolitik – wird dieser Quereinsteiger seine historische Wahl in ein politisches Erdbeben verwandeln. Die politische Macht dazu haben die Amerikaner ihm gewährt: eine Mehrheit in beiden Kongresskammern und die Möglichkeit, den Supreme Court nach seinen Vorstellungen zu besetzen. 

Kritiker sollten jetzt bei aller berechtigter Sorge nicht vergessen: Die Amerikaner wollten es so – auch weil die Demokraten mit Hillary Clinton ausgerechnet die Kandidatin des Establishments aufstellten, die Protestwähler erst recht in Trumps Arme trieb. Dass sie ihre Anhänger am Wahlabend mit ihrer Enttäuschung alleine stehen ließ, spricht für ausnehmend schlechten Stil. 

Die Welt kann wenig für diese amerikanischen Befindlichkeiten – muss sie aber ausbaden. Eine russisch-amerikanische Versöhnung könnte sich als erstes im syrischen Bürgerkrieg bemerkbar machen. Das Wohl der notleidenden Zivilisten dürfte dabei nicht im Mittelpunkt stehen. Tatsache ist: Trump will keine weltweite Führungsrolle für sein Land. Und die Welt sollte sie ihm auch nicht übertragen. Stattdessen wird man noch öfter auf (das zerstrittene) Europa schauen – und damit auch auf Deutschland.

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