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Der schwarze Gehirnchirurg Ben Carson führt erstmals bei den Wahl-Umfragen der Republikaner.

Weltberühmter Gehirnchirurg

US-Wahl: Das ist der Republikaner-Kandidat Ben Carson

Washington - Der schwarze Gehirnchirurg Ben Carson führt erstmals bei den Wahl-Umfragen der Republikaner. Das müssen Sie über den Präsidentschaftskandidaten wissen.

Er redet meist leise, nicht so polternd wie sein derzeit schärfster Gegner Donald Trump. Er wirft nicht die Hände hoch bei seinen Vorträgen. Öffentlich Emotionen zu zeigen, ist ebenfalls nicht seine Sache. Und oft sind die Augen mehrere Sekunden lang geschlossen – was ihm von seinen Kontrahenden schon einmal den Spott bringt, einzunicken. „Wenig Energie, sehr wenig Energie“ habe Ben Carson, lästerte Trump erst kürzlich in seiner brüsk-arroganten Art.

Für Carson, den pensionierten Kinder-Gehirnchirurgen, dürfte es nun eine enorme Genugtuung sein, den Reality-TV-Selbstdarsteller Trump erstmals in landesweiten Umfragen überholt zu haben – und das Feld der republikanischen Präsidentschafts-Bewerber anzuführen. Das Skalpell-Genie, der 1987 erstmals am Kopf zusammen gewachsene Säuglinge in einer 22-stündigen Operation erfolgreich getrennt hatte, wirkt mit seiner freundlich-sanften Art staatsmännisch, obwohl der 64-jährige noch nie ein politisches Amt inne hatte. Doch die konservativen Wähler in den USA scheinen zwölf Wochen vor dem ersten Urnengang im Bundesstaat Iowa politische Außenseiter zu bevorzugen. Und bei der dritten TV-Debatte am gestrigen Abend in Denver hatte Ben Carson die Chance, seinen Vorsprung noch auszubauen.

Republikaner Ben Carson: Präsidentschaftskandidat ist in Medizinerkreisen weltberühmt

Aufgewachsen in der Automobil-Metropole Detroit als Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Mutter, die sich nach der Scheidung mit mehreren Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, erfuhr Ben Carson die Härte einer Jugend in bitterer Armut. Er schaffte den Hochschulabschluss und studierte unter anderem an der Elite-Universität Yale. Als erst 33-Jähriger wurde er Direktor für Kinder-Gehirnchirurgie an der John-Hopkins-Klinik. Ben Carson ist in Medizinerkreisen weltberühmt: Der Neurochirurg gilt als Pionier der operativen Trennung Siamesischer Zwillinge. Den ersten erfolgreichen Eingriff führte er 1987 an einem deutschen Brüderpaar aus Ulm durch.
Im März 2013 trat Ben Carson den Ruhestand mit der Begründung an: „Es macht Sinn, dies auf dem Höhepunkt des Könnens zu tun.“ Politisch sieht sich der Vater von drei Söhnen seit 1990 bei den Republikanern zuhause – und glaubt, dass es für Ärzte, Wissenschaftler oder Ingenieure eine gute Idee ist, sich wegen ihrer analytischen Fähigkeiten „in die politische Arena zu begeben“.

Schafft er es ins Weiße Haus, wäre er nach Barack Obama der zweite Farbige in Folge im „Oval Office“. Doch Angriffsfläche böte Ben Carson genug, denn viele seiner Thesen stehen ganz im Gegensatz zu seinem abwägenden Erscheinungsbild: Der Holocaust hätte verhindert werden können, wenn die Juden nur genug Waffen gehabt hätten. Abtreibungen dürften selbst nach Vergewaltigungen, Inzest oder bei Gefahr für die Mutter nicht vorgenommen werden. Ein Muslim dürfe nicht Präsident werden – es sei denn, dieser erkläre ausdrücklich, die Verfassung zu akzeptieren. Homosexuell zu sein, sei eine persönliche Entscheidung, schließlich kämen viele „normale“ „Männer nach einem Gefängnisaufenthalt als Schwule zurück. Und: Die Einführung der staatlichen Krankenversicherung („Obamacare“) sei das Schlimmste für die USA seit der Ära der Sklaverei.

Diese provokanten Aussagen habe Ben Carson zumindest bei den rechten Wählern nicht geschadet. Im Gegenteil. Allerdings: Für Hillary Clinton, die sich als Vertreterin der Mittelschicht und politischen Mitte profiliert und beste Chancen auf das „Ticket“ der Demokraten hat, wären sie eine Steilvorlage.

Friedemann Diederichs

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