Donald Trump, amtierender Präsident der USA, hört zu während einer Pressekonferenz im Besprechungsraum des Weißen Hauses.
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Donald Trump bezeichnet den zugelassenen Impfstoff als „medizinisches Wunder“.

„Medizinisches Wunder“

Corona-Impfungen in den USA starten: Trump greift Behörde massiv an - doch sein Blitz-Plan scheitert

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Jetzt ist auch in den USA ein Corona-Impfstoff zugelassen - wieder war Biontech/Pfizer als erstes dran. Zuvor hatte das Weiße Haus der Arzneimittelbehörde FDA mächtig Druck gemacht.

  • In den USA ist die Corona-Lage weiter dramatisch, doch nun wurde der erste Impfstoff zugelassen.
  • US-Präsident Donald Trump* sagt, damit sei die „Pandemie bald ein für allemal beenden“.
  • Zuvor kritisierte er die US-Arzneimittelbehörde FDA als „große, alte, langsame Schildkröte“.

Update vom 13. Dezember, 11.40 Uhr: Nachdem in den USA der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen worden ist, steht jetzt die Logistik der Impfkampagne im Vordergrund. Die erste Fuhre mit dem Impfstoff soll die Pfizer-Fabrik in Kalamazoo am Sonntagmorgen (Ortszeit) verlassen. Unter den wachsamen Augen von U.S.-Marshals werden die ultratiefgekühlten Impfeinheiten zu den Frachtzentren der Paketdienste UPS und FedEx gebracht. Der Impfstoff soll bis Montag auf 145 Impfzentren im Land verteilt werden.

Update vom 12. Dezember, 18.17 Uhr: Donald Trump hatte der US-Arzneimittelbehörde gehörigen Druck gemacht und eine Notfallzulassung des Biontech/Pfizer-Vakzins am Freitag erreicht. Die ersten Impfungen versprach der Noch-Präsident kurz darauf noch für Sonntag. Doch sein Blitz-Wochenend-Plan klappt nicht.

Die Operation „Warp Speed“ kümmert sich um die Impfungen. Die Auslieferung der Dosen habe bereits begonnen, bekräftigte General Gus Perna der Deutschen Presse-Agentur. Am Montag sollen die ersten Impfzentren den Stoff erhalten, bis Mittwoch die erste Charge komplett verteilt sein. Das ambitionierte Wochenend-Ziel von Donald Trump konnten sie also nicht einhalten. Aber immerhin kann es offenbar am Montag bereits losgehen.

Corona-Impfstoff: USA mit Notfallzulassung - Trump greift Behörde massiv an und verkündet Blitz-Plan fürs Wochenende

Erstmeldung vom 12. Dezember, 14.49 Uhr:

Washington, D.C. - Der zukünftige US-Präsident Joe Biden* (Demokraten) nennt die Entwicklung einen „tragischen Meilenstein“. Die Pandemie ist in den USA weiterhin außer Kontrolle. Am Mittwoch hatte die Zahl der Toten an einem einzelnen Tag erstmals bei mehr als 3000 gelegen. Biden zieht einen dramatischen Vergleich: „Das sind mehr Tote an einem einzelnen Tag, als wir an 9/11 oder in Pearl Harbor hatten.“ Er bezog sich auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington sowie auf den japanischen Angriff auf Pearl Harbor (Hawaii) im Dezember 1941.

Licht ins Dunkle dieser Corona-Krise, so sehen es auch viele deutsche Politiker immer wieder, soll ein Impfstoff bringen. Und in den USA ist es nun soweit: Als erster Corona-Impfstoff hat das Mittel des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer eine Notfallzulassung bekommen. Der Impfstoff könne nun bei Menschen ab 16 Jahren eingesetzt werden, teilte die US-Arzneimittelbehörde FDA am Freitagabend (Ortszeit) mit. FDA-Chef Stephen Hahn sprach von einem „bedeutenden Meilenstein im Kampf gegen diese verheerende Pandemie“. Medienberichten zufolge soll das Weiße Haus die FDA zuvor mit Drohungen zur umgehenden Notfallzulassung gedrängt haben.

US-Präsident Donald Trump: Impfung soll für alle Amerikaner kostenlos sein

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump versprach seinen Landsleuten nach der Zulassung erste Impfungen noch an diesem Wochenende. „Der erste Impfstoff wird in weniger als 24 Stunden verabreicht werden“, kündigte Trump in einem auf Twitter veröffentlichten Video an. Seine Regierung habe bereits mit der Verschickung des Impfstoffes begonnen. Trump betonte, Impfungen seien für alle Amerikaner kostenfrei. Er bezeichnete den Impfstoff als „medizinisches Wunder“.

Mit Blick auf die Entwicklung des Impfstoffs in Rekordzeit sagte er: „Das ist eine der größten wissenschaftlichen Errungenschaften der Geschichte.“ Der Impfstoff werde Millionen Menschenleben retten „und die Pandemie bald ein für allemal beenden“.

Trump präsentierte die Entwicklung als einen Erfolg seiner Regierung: Die USA seien „das erste Land der Welt“, das einen nachweisbar sicheren und wirksamen Impfstoff produziere. Das ist allerdings nicht zutreffend, da das US-Unternehmen Pfizer als Partner an der Entwicklung des Impfstoffs durch das deutsche Unternehmen Biontech beteiligt war. Das Mittel wird auch außerhalb der USA bereits hergestellt und in einigen Ländern sogar bereits eingesetzt.

Impfstoff: Zulassung in EU steht noch aus - in Kanada und Mexiko ist es bereits soweit

Pfizer und Biontech hatten im vergangenen Monat einen Antrag auf Notfallzulassung bei der FDA eingereicht. Sie waren damit die ersten westlichen Hersteller, die vielversprechende Studienergebnisse veröffentlicht und eine solche Zulassung beantragt hatten. Auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) wurde die Zulassung des Corona-Impfstoffs in der EU beantragt, eine Entscheidung darüber steht allerdings noch aus.

Bereits Anfang des Monats hatte die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel dem Präparat von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Damit wurde Großbritannien der erste Staat weltweit, der das Vakzin freigab. Inzwischen haben auch Kanada, Bahrain, Saudi-Arabien und Mexiko den Impfstoff zugelassen.

Das Weiße Haus soll FDA-Chef Hahn nach übereinstimmenden Medienberichten mit Drohungen am Freitag zur umgehenden Zulassung des Impfstoffs gedrängt haben. Die Washington Post berichtete, der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, habe Hahn aufgefordert, die Kündigung einzureichen, sollte der Biontech/Pfizer-Impfstoff* nicht vor Ablauf des Tages zugelassen werden. Die New York Times berichtete, Meadows habe Hahn gesagt, dieser solle andernfalls erwägen, nach einem anderen Job Ausschau zu halten.

USA/Impfstoff: Donald Trump hatte Druck auf US-Arzneimittelbehörde FDA zuletzt erhöht

Hahn selber sprach in einer Stellungnahme an US-Medien dagegen von „einer unwahren Darstellung des Telefonats mit dem Stabschef“. Die FDA sei „ermutigt“ worden, den Antrag von Biontech und Pfizer zügig zu bearbeiten. Laut New York Times habe die Behörde die Zulassung für Samstagmorgen geplant gehabt. Es sei unklar, was eine um einen halben Tag beschleunigte Zulassung an Vorteilen bringe.

Trump selber hatte am Freitag den Druck auf die FDA erhöht. Er kritisierte die Behörde als „große, alte, langsame Schildkröte“. Auf Twitter schrieb er: „Geben sie die verdammten Impfstoffe jetzt raus, Dr. Hahn. Hören Sie auf, Spielchen zu spielen, und fangen Sie an, Leben zu retten!!!“ Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach Druck auf die Behörde in Hinblick auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen und -Therapien ausgeübt. Er war dafür scharf kritisiert worden.

Der Republikaner* Trump hat die Wahl in den USA am 3. November gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Das führen Experten auch auf Trumps Krisenmanagement in der Pandemie zurück, dem Amerikaner in Umfragen seit Monaten ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Biden soll am 20. Januar vereidigt werden. Der Demokrat will sofort danach einen 100-Tage-Plan zum Kampf gegen das Coronavirus starten. Teil des Programms ist die Verabreichung von mindestens 100 Millionen Dosen eines Impfstoffs in dieser Frist.

Impfstoff in den USA: Regierung hat sich bereits 100 Millionen Impfdosen von Pfizer/Biontech gesichert

Die US-Regierung hat sich vertraglich die Lieferung von 100 Millionen Impfdosen von Pfizer/Biontech gesichert. Der US-Pharmakonzern Moderna teilte am Freitag mit, die US-Regierung kaufe weitere 100 Millionen Dosen seines Impfstoff-Kandidaten. Diese Dosen würden im zweiten Quartal des kommenden Jahres geliefert.

Von den ersten 100 Millionen bereits von den USA gekauften Einheiten würden 20 Millionen noch in diesem Monat von Moderna ausgeliefert, die restlichen 80 Millionen im ersten Quartel 2021. Die USA hätten zudem die Option, 300 Millionen weitere Dosen von Moderna zu kaufen. Der Moderna-Impfstoff muss von der FDA noch zugelassen werden. Darüber will ein Berater-Komitee am kommenden Donnerstag diskutieren. (dpa/cibo) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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