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Fehltritt im US-Wahlkampf: Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden.

Trumps Wahlkampfteam reagiert sofort

Biden sorgt in Interview für Aufregung - „...dann sind Sie nicht schwarz“

Donald Trump wird es bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020 wohl mit Joe Biden zu tun bekommen. Der Herausforderer sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Zudem sorgt ein Interview für Aufsehen.

  • Mittlerweile scheint klar, wer Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen herausfordern soll.
  • Joe Biden hat die Vorwahlen der Demokraten nach dem Rückzug Bernie Sanders de facto gewonnen.
  • Probleme bereiten dem früheren Vize Barack Obamas allerdings Missbrauchsvorwürfe.

Update 23. März, 8.20 Uhr: Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, hat in den USA mit einer Äußerung zur Unterstützung afroamerikanischer Wähler für Aufregung gesorgt. Biden sagte am Freitag im Gespräch mit einem prominenten afroamerikanischen Radiomoderator, dieser sei kein wirklicher Schwarzer, wenn er überlegen müsse, ob er ihn oder Präsident Donald Trump unterstütze.

US-Medienberichten zufolge bedauerte Biden seine Äußerung anschließend. Der Sender CNN berichtete, Biden habe in einer Telefonschalte mit der afroamerikanischen Handelskammer eingeräumt, dass seine Worte als hochmütig aufgefasst werden könnten. Er wisse, dass er die Stimmen von Afroamerikanern nicht für selbstverständlich halten könne. „Ich weiß, dass ich die afroamerikanischen Stimmen brauche, um die Präsidentschaftswahl zu gewinnen.“

Biden mit Interview-Aufreger: Trumps Wahlkampfteam reagiert

Biden (77) erfreut sich bei Afroamerikanern großer Zustimmung. In sozialen Medien kam es aber zu einer hitzigen Debatte; viele Schwarze kritisierten Bidens Äußerung als bevormundend. Trumps Wahlkampfteam verurteilte die Bemerkung als „rassistisch“. Sie zeige, dass Biden als Weißer glaube, dass Schwarze „unfähig sind, unabhängig zu sein oder unabhängig zu denken.“

Erstmeldung: Washington - Aller Voraussicht nach wird es Joe Biden sein, der Donald Trump bei den kommenden US-Präsidentschaftswahlen aus Reihen der Demokraten herausfordert. Doch der frühere Vize von Barack Obama kommt aktuell aus den Negativschlagzeilen nicht heraus - weiter schwelen Missbrauchsvorwürfe gegen den 77-Jährigen. Die Frau hinter den Anschuldigungen, Tara Reade, hat nun sogar Bidens Rückzug aus dem Rennen ums Weiße Haus gefordert. Allerdings gibt es Zweifel an ihren Äußerungen.

Trumps mutmaßlicher Herausforderer Biden im Fokus - „Sie sollten nicht antreten“

"Sie sollten nicht als Präsidentschaftskandidat für die Vereinigten Staaten antreten", sagte Reade am Donnerstag Ortszeit in einem Interview mit der Journalistin Megyn Kelly, einer ehemaligen Fox-News-Moderatorin und NBC-Talkshow-Gastgeberin. Überdies sei sie zu einer Aussage unter Eid bereit - und zu einem Lügendetektor-Test, wenn Biden dies auch sei.

Reade wirft dem Ex-Senator Biden (mehr über Bidens Vida bei Merkur.de*) vor, sie vor 27 Jahren in einem Flur des US-Kongresses massiv bedrängt zu haben. Er soll sie an die Wand gedrückt, ihr unter die Unterwäsche und in ihr Geschlecht gegriffen haben. Nach längerem Schweigen wies Biden die Anschuldigung als unwahr zurück. Zwar ist der Fall juristisch gesehen verjährt; dennoch sind die Vorwürfe eine schwere Hypothek für Biden und könnten ihm im Wahlkampf schwer schaden.

Joe Biden: Missbrauchsvorwürfe gegen den Vorwahlsieger der Demokraten

Reade sagte in dem Interview vom Donnerstag, sie hoffe, dass sich Biden aus dem Präsidentschaftsrennen zurückziehe, glaube aber nicht, dass er das tun werde. Zudem sei es wohl "ein bisschen spät" für eine Entschuldigung. Reade trat in dem Interview erstmals vor der Kamera auf, seit Biden die Anschuldigungen vor einer Woche zurückgewiesen hatte.

Joe Bidens ehemalige Mitarbeiterin Tara Reade hält an ihren Vorwürfen fest

Unterdessen tauchten neue Beweise aus den 90er Jahren auf, aus denen hervorgeht, dass Reade ihrem Ex-Mann erzählte, dass sie sexuell belästigt worden sei, während sie für Biden gearbeitet habe. Es handelt sich um ein Gerichtsdokument von 1996, das der Zeitung San Luis Obispo Tribune vorliegt.

Vorwürfe gegen Biden: Aussagen und Dokumente zu mutmaßlichem Missbrauch lassen Zweifel zu

Aus dem Dokument geht allerdings weder hervor, dass Biden den mutmaßlichen Übergriff beging, noch werden Reades jüngste und schwerwiegendere Anschuldigungen erwähnt. Reades damaliger Ehemann, Theodore Dronen, schrieb in der Gerichtserklärung, dass Reade ihm von einem "Problem bezüglich sexueller Belästigung am Arbeitsplatz" im Büro des damaligen Senators Biden erzählte.

Reades Aussagen zu dem mutmaßlichen Vorfall variierten mit der Zeit. Anfang 2019 zählte sie zu einer Reihe von Frauen, die Biden zwar keinen Übergriff vorwarfen, aber unangemessene Berührungen. Zuletzt erhob sie dann die schwereren Vorwürfe.

Missbrauch-Anschuldigung für Biden: Kampagnen-Chefin will Frauen stützen - sieht aber Vorwürfe als falsch an

Bidens Vize-Kampagnen-Chefin Kate Bedingfield erklärte laut Washington Post am Donnerstag, dass "immer mehr Ungereimtheiten auftauchen". Frauen müsse es möglich sein, ihre Erfahrungen ohne Angst mitzuteilen. In Reades Fall allerdings seien die Anschuldigungen falsch, was auch das mutmaßliche Beweismaterial zeige.

Der Mitte-Politiker Biden hat das Rennen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur de facto für sich entschieden. Er soll bei einem für August geplanten Parteitag offiziell nominiert werden und bei der Präsidentschaftswahl am 3. November* Amtsinhaber Donald Trump herausfordern. Reade hatte zunächst öffentlich den demokratischen Bewerber Bernie Sanders unterstützt, der zuletzt im Vorwahl-Rennen aufgab und sich hinter Biden stellte.

Joe Biden unter Druck: Umfrage zeigt gespaltene Stimmungslage bei US-Wählern

Die US-Wähler sind einer Umfrage zufolge hinsichtlich der Vorwürfe gegen Biden gespalten. Der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Monmouth University zufolge halten 37 Prozent die Vorwürfe für wahrscheinlich wahr, 32 für eher nicht wahr, 31 Prozent waren unentschieden. Dieselbe Umfrage zeigt, dass die Unterstützung für Biden als möglicher Präsident von 48 Prozent im März auf jetzt 50 Prozent zunahm. In den sozialen Netzwerken gab es allerdings auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Fragestellung.

Unterdessen sollen die eigentlich abgesagten Präsidentschaftsvorwahlen* der US-Demokraten im Bundesstaat New York sollen nun doch abgehalten werden. Ein Bundesgericht ordnete am Dienstag an, die Wahlen durchzuziehen. Diese seien im "öffentlichen Interesse". Die Vereinigten Staaten zählen zu den von der Corona-Pandemie am heftigsten betroffenen Ländern.

AFP/fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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