Mitt Romney und Donald Trump nach einem Treffer im Jahr 2018
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In derselben Partei, aber alles andere als Freunde: US-Senator Mitt Romney (l) und Ex-Präsident Donald Trump. (Archivfoto)

„Ich bin kein Fan von seinem Charakter“

Donald Trumps langer Schatten: Romney auf eigenem Parteitag brutal ausgebuht - „Verräter“

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Mitt Romneys Verhältnis zu Donald Trump ist äußerst angespannt. Wegen seiner lauten Kritik erntete der US-Senator nun heftigen Gegenwind - auf dem Parteitag in der republikanischen Hochburg Utah.

West Valley City - Die Stimmung in der Republikanischen Partei ist nach wie vor diffus. Auch ein halbes Jahr nach der Präsidentschaftswahl scheint es zwei Lager zu geben. Die einen, die Ex-Präsident Donald Trump weiterhin hinterhertrauern, und die anderen, die das Aus des polarisierenden 74-Jährigen regelrecht herbeigesehnt hatten. Zur zweiten Gruppe gehört auch Senator Mitt Romney. Dafür erntete er auf dem Parteitag der Landesrepublikaner Utah nun ordentlich Kritik.

USA: Romney wegen Anti-Trump-Kurs angefeindet - „ihr könnt buhen so viel ihr wollt“

Von einigen der rund 2100 Delegierten wurde Romney gleich mehrmals ausgebuht, als er die Bühne des Maverik Centers in West Valley City nahe Salt Lake City betreten hatte. „Verräter, Verräter“, skandierte die Menge und versuchte den Senator des Mormonenstaates Utah niederzuschreien. „Ist ihnen das nicht peinlich?“, entgegnete Romey laut The Salt Lake Tribune und nahm daraufhin unmittelbar Bezug zur Ursache der Buhrufe - Donald Trump.

„Ich bin ein Mann, der sagt, was er meint und ihr wisst, dass ich kein Fan von einigen Charakterzügen unseres letzten Präsidenten bin“, sagte Romney und schob hinterher: „Ihr könnt buhen so viel ihr wollt.“ Die Stimmung beruhigte sich erst, als Derek Brown, Landesparteivorsitzender der Republikaner Utah, die Delegierten dazu aufforderte, „Respekt“ für Romney zu zeigen.

USA: Romney vs. Trump - Senator stimmte gegen seinen eigenen Präsidenten

Aus seiner Ablehnung gegen Trump machte Romney nie einen Hehl. Der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2012 sprach sich schon 2016 gegen eine Kandidatur Trumps aus. Im Februar 2020 schlug sich Romney als einziger Republikaner im ersten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump beim Anklagepunkt des Amtsmissbrauchs auf die Seite der Demokraten und sprach den Präsidenten damit schuldig - ein historisches Ereignis. Noch nie zuvor hatte ein Senator gegen einen Präsidenten aus der eigenen Partei gestimmt.

Nach der US-Wahl erklärte Romney öffentlich, gegen Trump votiert zu haben und stimmte schließlich auch in Trumps zweitem Impeachment-Verfahren gegen seinen Parteifreund. Das Stimmverhalten Romneys haben viele konservative Republikaner nach wie vor im Gedächtnis. Gerne hätten den Senator einige von ihnen dahingehend offiziell gerügt.

MItt Romney: Senator entgeht Tadel nur knapp - keine Rüge für Ex-Präsidentschaftskandidat

Der Delegierte Don Guymon hatte einen entsprechenden Antrag vorgelegt und erklärt, Romneys Stimmen gegen Trump seien verfassungswidrig und würden der eigenen Partei schaden. Das Impeachment-Verfahren sei von „Demokraten vorangetrieben worden, die Trump hassen.“

Andere Parteimitglieder warnten davor, eine Rüge für Romney lasse den Eindruck entstehen, der Partei gehe es mehr um Trump statt konservativen Prinzipien. „Wenn es darum geht, Mitt Romney wissen zu lassen, dass wir mit ihm unzufrieden sind, vertrauen Sie mir, er weiß das“, sagte die Delegierte Emily de Azavedo Brown. „Sind wir eine Partei der Prinzipien oder eine Partei einer Person?“ Der Antrag wurde letztlich knapp abgelehnt. 798 Delegierte positionierten sich für Romney, 711 sprachen sich gegen ihn aus. Ein Ergebnis, dass die Uneinigkeit innerhalb der Grand Old Party eindrucksvoll deutlich macht. (as)

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