US-Präsident preist sein Corona-Management

Vor 1.500 Fans ohne Corona-Abstand: Trump malt in finaler Rede Schreckensszenario - Bidens Konter geht viral

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Mit einer eigenwilligen Rede hat Donald Trump den Parteitag beendet. Er pries sein Corona-Management - Schutzmaßnahmen gab es bei seiner Rede aber kaum. Auch eine andere Regel brach Trump.

Washington - Mit einer in mehrerlei Hinsicht bemerkenswerten Rede hat US-Präsident Donald Trump* in der Nacht auf Freitag den Parteitag der Republikaner abgeschlossen. Trump bemühte sich, die bevorstehende Präsidentschaftswahl als schicksalhaft zu beschreiben. Zugleich pries er erneut sein Corona-Management, ließ Unterstützer wie Tochter Ivanka zu Wort kommen - und brach mit einer alten Regel.

„Niemand wird in Bidens Amerika sicher sein“, sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) über seinen Herausforderer Joe Biden. „Solange ich Präsident bin, werden wir das absolute Recht eines jeden amerikanischen Bürgers verteidigen, in Sicherheit, Würde und Frieden zu leben. Die republikanische Partei wird die Stimme der patriotischen Helden bleiben, die für die Sicherheit Amerikas sorgen.“

Trump (74) hielt seine mehr als einstündige Ansprache entgegen der Gepflogenheiten vom Garten des Weißen Hauses aus. Kritiker warfen ihm vor, den Amtssitz für eine parteipolitische Veranstaltung zu missbrauchen.

Donald Trump: „Niemand wird sicher sein“ - Bidens Antwort geht viral

Trump akzeptierte in seiner Rede die Kandidatur der Republikaner. „Mit einem Herzen voller Dankbarkeit nehme ich heute Abend diese Nominierung für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten* an“, sagte er unter dem Applaus der rund 1500 Gäste, die immer wieder „four more years“ skandierten - vier weitere Jahre.

Trump präsentierte sich als Präsident für Recht und Ordnung. Biden (77) wies die Behauptung zurück, dass die USA unter ihm als Präsident nicht sicher wären. Der Ex-Vizepräsident schrieb auf Twitter: „Wenn Donald Trump heute Abend sagt, dass Sie in Joe Bidens Amerika nicht sicher sein werden, schauen Sie sich um und fragen Sie sich: Wie sicher fühlen Sie sich in Donald Trumps Amerika?“ Der Tweet wurde binnen weniger mehr als 200.000 Mal geliket.

Trump warf Biden vor, eine Marionette der radikalen Linken zu sein, die die Macht übernehmen wollten. „Joe Biden ist ein trojanisches Pferd für den Sozialismus.“ Der Präsident stimmte die Amerikaner auf eine Schicksalswahl ein. „Diese Wahl wird darüber entscheiden, ob wir den amerikanischen Traum retten oder ob wir zulassen, dass eine sozialistische Agenda das Schicksal zerstört, das uns am Herzen liegt“, sagte er. „Joe Biden ist kein Retter der Seele Amerikas, er ist der Zerstörer amerikanischer Arbeitsplätze. Und wenn man ihm die Chance gibt, wird er der Zerstörer amerikanischer Größe sein.“

Donald Trump lässt Unterstützer sprechen: Ivanka verteidigt Tweets - Social-Media-Chef preist Präsidenten als „gütig“

Vor Trumps Ansprache hatten erneut diverse Mitarbeiter und Unterstützer teils überbordend die Stärken des US-Präsidenten gepriesen. Donald Trumps Social-Media-Chef Dan Scavino etwa, der als 16-jähriger Golf-Caddy den späteren US-Präsidenten kennenlernte, hat auf dem Parteitag für die persönlichen Qualitäten seines Chefs gebürgt. „Der Präsident ist ein gütiger und anständiger Mann“, sagte Scavino. „Donald Trump glaubte an mich, als ich ein Golf-Caddy im Teenager-Alter war - und er bereits einer der reichsten und berühmtesten Menschen auf dem ganzen Planeten“, sagte Scavino. „Er sieht auch die Größe in unserem Land und in jedem von Euch. Er glaubt, dass die Welt, von der Ihr nachts träumt, Eure sein kann.“

„Ich verstehe, dass der Kommunikationsstil meines Vaters nicht jedermanns Geschmack ist, und ich weiß, dass manche seiner Tweets sich ein bisschen ungefiltert anfühlen können. Aber die Ergebnisse, die Ergebnisse sprechen für sich“, sagte Trumps Tochter Ivanka. Sie fügte hinzu: „Washington hat Donald Trump nicht verändert. Donald Trump hat Washington verändert.“

Corona: Trump lobt sein Krisenmanagement - erschreckenden aktuellen Zahlen zum Trotz

Trump lobte sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, das eine Mehrheit der Amerikaner in Umfragen negativ bewertet. „Wir werden das Virus besiegen, die Pandemie beenden und stärker als je zuvor aus der Krise hervorgehen“, sagte er. „Wir werden vor dem Ende des Jahres oder vielleicht sogar schon früher einen Impfstoff herstellen.“

Biden warf Trump vor, die Bedrohung durch das Virus heruntergespielt, Experten ignoriert und keine ausreichenden Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen zu haben. „Jetzt zahlen wir den Preis dafür.“ In den USA sind nach Statistiken der Universität Johns Hopkins mehr als 180.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Alleine in den ersten drei Tagen des viertägigen Republikaner-Parteitags kostete die Pandemie demnach rund 3000 Menschen das Leben.

Trump wird bei Nominierungsrede um schwarze Wähler - aber spricht nicht über Polizeigewalt

Trump warb bei seiner Ansprache auch um die Stimmen schwarzer Wähler, die zu Bidens wichtigen Unterstützern zählen. „Ich habe in drei Jahren mehr für die schwarze Gemeinschaft getan als Joe Biden in 47 Jahren“, behauptete Trump. „Ich sage mit großer Bescheidenheit, dass ich mehr für die afroamerikanische Community getan habe als jeder Präsident seit Abraham Lincoln.“

Unter dem Republikaner Lincoln wurde vom Kongress der 13. Zusatz zur US-Verfassung angenommen, mit dem die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde. Nach früheren ähnlichen Äußerungen Trumps verwiesen Experten bereits auf das in der Amtszeit von Lyndon B. Johnson 1965 nach Protesten angenommene Wahlrechtsgesetz. Das erlaubte allen US-Bürgern unabhängig von ihrer Hautfarbe und ihrer Herkunft, sich an Wahlen zu beteiligen und sich in ein öffentliches Amt wählen zu lassen.

Trump wirbt damit, dass die Arbeitslosenquote auch unter Afroamerikanern vor der Corona-Pandemie auf ein historisches Tief gesunken war. Zudem stellte er die Finanzierung von historisch schwarzen Universitäten sicher. Seine Justizreform führte zur Freilassung zahlreicher schwarzer Häftlinge.

Polizeigewalt: Proteste auch während des Republikaner-Parteitags

Während des Republikaner-Parteitags gab es erneute Proteste gegen Polizeigewalt, nachdem ein schwarzer Amerikaner in der Stadt Kenosha bei einem Polizeieinsatz von Schüssen in den Rücken schwer verletzt wurde. In Kenosha kam es dabei neben friedlichen Demonstrationen auch zu Ausschreitungen mit brennenden Gebäuden und Autos. Trump erwähnte Kenosha in seiner Rede lediglich als Stadt, in der Ordnung wiederhergestellt werden müsse. Den Namen des bei dem Polizeieinsatz schwer verletzten Jacob Blake nannte Trump nicht. Auch George Floyd* fand keine Erwähnung in Trumps Rede.

Floyds Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai hatte zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt. Die Proteste waren überwiegend friedlich, in einigen Städten kam es aber zu schweren Ausschreitungen. Trump ging in seiner Ansprache weder auf die friedlichen Proteste noch auf die verbreitete Diskriminierung und Ungerechtigkeit ein. Stattdessen verurteilte er „die Randale, Plünderungen, Brandstiftung und Gewalt, die wir in von Demokraten geführten Städten gesehen haben“. Trump warf den Demokraten seinerseits vor, diese Thema ausgeblendet zu haben.

Donald Trump: Unbelegte Vorwürfe gegen Biden - keine Corona-Schutzmaßnahmen bei Rede

Trump behauptete, dass eine Biden-Regierung den Polizeibehörden die Finanzierung entziehen und die Amerikaner entwaffnen würde. Keiner dieser Punkte gehört zu Bidens Forderungen. Trump versprach seinerseits eine Stärkung der Polizei.

Trump porträtierte seinen Herausforderer als Wunschkandidaten Chinas. Biden habe den Aufstieg Chinas als positive Entwicklung für Amerika und die Welt dargestellt, sagte der Präsident. „Aus diesem Grund unterstützt China Joe Biden und will unbedingt, dass er gewinnt.“ Trump warnte: „China würde unser Land besitzen, sollte Joe Biden gewählt werden.“ Der Präsident sagte mit Blick auf das Coronavirus, anders als sein Herausforderer werde er China „für die Tragödie, die sie auf der ganzen Welt verursacht haben“, zur Rechenschaft ziehen.

Bei der Veranstaltung im Garten des Weißen Hauses wurden Empfehlungen zum Schutz vor Corona-Infektionen nicht eingehalten. Die rund 1500 Gäste saßen dicht gedrängt, wie auf Fersehbildern zu sehen war. Die allermeisten Gäste trugen keine Schutzmasken. In den USA wird am 3. November der Präsident gewählt.* (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

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