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„Tyrannei“ beenden: Trump startet eigene Social-Media-Plattform - mit vielsagendem Kleingedrucktem

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Von: Andreas Schmid

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Donald Trump startet seine eigene Social-Media-Plattform.
Donald Trump startet seine eigene Social-Media-Plattform. © Christoph Dernbach/Brandon Bell/dpa (Montage)

Donald Trump will mit der Plattform Truth Social mit Facebook, Netflix & Co. konkurrieren. Es sei inakzeptabel, dass der „Lieblingspräsident zum Schweigen gebracht wurde“.

Palm Beach - Donald Trump, einst daueronline in sozialen Medien, will bald sein eigenes soziales Netzwerk gründen. Mit der Plattform Truth Social (übersetzt etwa: „Soziale Wahrheit“) solle „der Tyrannei“ der großen Tech-Konzerne die Stirn geboten werden, erklärte der frühere US-Präsident.

Truth Social: Donald Trump startet eigene Social-Media-Plattform - Konkurrenz für Facebook & Co.?

„Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine große Präsenz auf Twitter haben, aber euer amerikanischer Lieblingspräsident wurde zum Schweigen gebracht“, führte Trump aus. „Das ist inakzeptabel.“ Er habe das Unternehmen Trump Media & Technology Group (TMTG) gegründet. Als Adresse des Unternehmens wird Trumps privates Luxus-Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida*, geführt. Auch über einen Börsengang des Unternehmens wird diskutiert.

TMTG soll demnach auch einen Videodienst an den Start bringen, der sich auf politisch nicht korrekte Unterhaltungsformate konzentrieren wird. In einer auf der Firmenwebsite veröffentlichten Präsentation werden bereits Unternehmen aufgeführt, mit denen TMTG konkurrieren möchte. Understatement? Nicht vorhanden. Gelistet werden etwa Facebook und Twitter aber auch die Videoplattformen, Netflix, Disney+ und CNN.

Mit Truth Social möchte Trump offenbar seine Reichweite zurückgewinnen. Trump kündigte an, bald seine erste „Wahrheit“ auf Truth Social veröffentlichen zu wollen. Das Unternehmen veröffentlichte auch eine Studie, wonach 30 Prozent der Befragten eine von Trump betriebene Plattform nutzen würden. Bei Anhängern der Republikanischen Partei* liegt dieser Anteil bei 54 Prozent.

Donald Trump: Ex-Präsident bei vielen großen Plattformen gesperrt

Zuletzt war es äußerst ruhig um Donald Trump* gewesen. Der 75-Jährige kommunizierte während seiner Amtszeit allzu gerne in sozialen Medien. Statt Pressekonferenzen abzuhalten veröffentlichte er Twitter-Statements. Auf dem Kurznachrichtendienst folgten ihm mehr als 85 Millionen Menschen. Nach der verlorenen US-Wahl reklamierte er den Wahlsieg für sich und sprach auch in sozialen Medien von Wahlbetrug und der durch den „schläfrigen Joe Biden“ (sleepy Joe) und seiner Demokratischen Partei „gestohlenen Wahl“. Auf Twitter wurden daraufhin bereits einige seiner Beiträge mit Warnhinweisen versehen*.

Als dann am 6. Januar das US-Kapitol gestürmt wurde, zogen mehrere Anbieter sozialer Medien die Reißleine. Unter anderem Twitter, Facebook, Instagram oder YouTube sperrten den Account des Republikaners. Trump wurde vorgeworfen, seine Anhänger durch Tweets und im Internet veröffentlichte Statements angestachelt zu haben.

Donald Trumps Twitterprofil ist derzeit blockiert.
Nichts zu sehen: Donald Trumps Twitterprofil ist derzeit blockiert. © Screenshot Twitter/realDonaldTrump

Donald Trumps neue Social-Media-Plattform: Ein Projekt mit strengen Nutzungsregeln

Dass Trump eine eigene Social-Media-Plattform gründet, ist keine Überraschung. Diese Pläne hatte der 45. Präsident der USA immer wieder betont. Trump veröffentlichte bereits einen Blog mit dem Titel „From the Desk of Donald J. Trump“ auf seiner bestehenden Website. Das Projekt wurde allerdings nach wenigen Wochen eingestampft - wegen zu geringer Besucherzahlen.

Für Truth Social soll bereits im November eine erste Testversion für ausgewählte Nutzer online gehen. Anfang 2022 werde dann die Vollversion der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Interessant sind unterdessen die jetzt schon geltenden Nutzungsbedingungen. Wie das US-Medium CNBC berichtet, kann man sich bereits bei TMTG registrieren, um E-Mails zum aktuellen Stand der Plattform zu erhalten. Akzeptiert man die Nutzungsbedingungen, tritt man das Recht auf Einreichen einer Sammelklage ab.

Wörtlich und in Großbuchstaben geschrieben heißt es unter Punkt 18 der Nutzungsbedingungen. „Ungeachtet der hierin enthaltenen Angaben erklären Sie sich damit einverstanden, absolut und bedingungslos auf alle Rechte zur Teilnahme an oder zur Einbeziehung in Sammelklagen oder Prozesse gegen uns (....) zu verzichten.“ Außerdem heißt es unter Punkt 7 „verbotene Aktivitäten“, dass nicht erlaubt ist, „unserer Meinung nach uns und/oder die Website zu verunglimpfen, herabzusetzen oder anderweitig zu schädigen.“ Als Disclaimer steht abschließend, ebenfalls in Großbuchstaben: „Sie erklären sich damit einverstanden, dass die Nutzung der Website sowie unserer Dienstleistungen auf Ihr eigenes Risiko erfolgt.“ (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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