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Provokante Thesen: Die Demokratin Elizabeth Warren könnte Herausforderin von Donald Trump werden. 

US-Wahlkampf nimmt Fahrt auf

Plötzliche Favoritin bei US-Demokraten: Wird Elizabeth Warren Trumps Gegnerin?

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Elizabeth Warren hat sich bei den US-Demokraten etwas überraschend in die Favoritenrolle manövriert. Mit ihrer Politik wendet sie sich vor allem gegen die Besserverdienenden.

Washington– Das „erschreckendste Kostüm“ für das diesjährige „Halloween“ beschrieb die US-Tageszeitung „Boston Globe“ am Wochenende so: Ein Oberteil in intensivem Farbton mit tiefem runden Ausschnitt, der viel Haut zeigt. Mit diesem Outfit, so das Blatt, könne man vor allem die Milliardäre das Fürchten lehren. Gemeint war damit natürlich die 70-jährige Linke und Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Elizabeth Warren. Die progressive Senatorin aus Massachusetts hat es plötzlich in den Favoritenkreis für die Nominierung manövriert – mit einer Serie provokanter Thesen, deren roter Faden daraus besteht, den Reichen in den USA tief in die Taschen fassen zu wollen. Mit Erfolg: In Umfragen lässt Warren plötzlich den lange führenden Joe Biden hinter sich.

Die seit sechs Jahren im Senat sitzende Volksvertreterin hat ihren schnellen Aufstieg vor allem drei Faktoren zu verdanken: erstens der Schwäche von Biden, der sich nicht nur viele Versprecher leistet, sondern erklären muss, wie es sein Sohn Hunter ohne Fachkenntnisse und Kontakte zu einem mit monatlich 50.000 Dollar dotierten Job bei der ukrainischen Gasfirma Burisma gebracht hat. Biden war zur Zeit der Anstellung seines Sohnes der Kontaktmann Barack Obamas zu Kiew.

Juristin Warren gilt als „skandalfrei“

Zweitens: Die mit einem Rechtsprofessor in zweiter Ehe verheiratete Juristin Warren gilt als „skandalfrei“ und durch und durch ehrenwerte Person – ganz anders als Hillary Clinton, die sich 2016 alle Mühe gab, E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin dem Kongress vorzuenthalten. Und drittens ist es Warren bisher geschickt gelungen, eindeutige Antworten auf wichtige Punkte ihres Programmes zu vermeiden – und somit auch eine Schockwirkung für manche Wähler.

„Elizabeth Warren ist nicht aufrichtig“, kommentierte deshalb jetzt das konservative Magazin „Nation Review“. Diese wenig erfreuliche Wertung bezieht sich auf Warrens größten Verkaufsschlager: die Forderung nach der Einführung einer staatlichen Krankenversicherung für alle, die den Bürgern nicht mehr die Option lassen soll, sich privat zu versichern. Mehr als 150 Millionen US-Bürger würden dann nicht mehr ihren Versicherungsplan und ihre Hausärzte aussuchen können. Warrens Plan zufolge bekämen dann auch Kliniken und Pharma-Konzerne deutlich weniger Vergütungen. Während die Kandidatin darauf verweist, dass sie dieses Konzept durch massive Neubelastungen von Besserverdienenden und Unternehmen finanzieren will, halten viele Experten und die meisten Mitbewerber eine Behauptung Warrens für eine glatte Lüge: Dass die breite Mittelschicht in den USA nicht mehr bezahlen müsse. „Warren ist eine Ideologin, die nur will, dass der Staat alles reguliert“, schimpft die „National Review“. Schon 2012 bezeichnete die US-Handelskammer Warren als „größte Bedrohung für das freie Unternehmertum“.

Ein Problem für Warren: Umfragen zufolge sehen derzeit 80 Prozent aller Krankenversicherten ihre Versorgung als sehr gut oder gut an. Bei einem finalen Duell dürfte Trump dies genüsslich ausnutzen und ihre Ideen eher mit dem in Ländern wie Venezuela gescheiterten Sozialismus verbinden.

Warren will Giganten wie Google und Facebook zerschlagen

Bessere Karten dürfte Warren mit ihrer Idee haben, Technologie-Giganten wie Amazon, Google und Facebook zerschlagen zu wollen, um deren Monopolstellung in den jeweiligen Bereichen auszuhebeln. Doch ob es Warren bei einer Nominierung in 2020 gelingen wird, in wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Pennsylvania oder Florida zu punkten, ist fraglich. Trump gewann hier aufgrund einer enormen Wahlbeteiligung der weißen Mittelschicht. Und was Warren von dieser Klientel hält, ließ sie kürzlich bei einer Veranstaltung des Senders CNN durchblicken.

Dort fragte sie ein männlicher Besucher, was sie einem traditionellen Christen sage, der ihre Unterstützung der Homoehe nicht teile. Warrens Antwort war offenbar auf Lacher im Saal ausgerichtet, doch ging nach Ansicht von Beobachtern nach hinten los. So eine Frage könne nur von einen Mann kommen, bemerkte sie herablassend. Und fügte an: Dieser Mann solle eben eine Frau heiraten – wenn er denn eine finde. Ein verbaler Schienbeintritt gegen die christliche männliche Wählerschaft, die im November 2020 ein gehöriges Wort mitreden wird, wenn es um die Frage geht, ob Warren das schafft, was Hillary Clinton 2016 verwehrt blieb: als erste Frau hinter dem Schreibtisch im „Oval Office“ Platz zu nehmen.

Lesen Sie auch: Donald Trump hat sich einmal mehr selbst in Bedrängnis gebracht. Nicht nur einen peinlichen Fehlerleistete sich der US-Präsident in einem neuen Tweet.

Und: US-Präsident Donald Trump hat nach einem Treffen mit Nancy Pelosi, Sprecherin einmal mehr für einen Eklat gesorgt. Nach Abbruch des Gesprächs wurde er auf Twitter mehr als persönlich gegen die Demokratin.

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