+
Russland zog auf der Rangliste der Länder an Saudi-Arabien vorbei und belegt Platz Drei. Foto: Yuri Kochetkov

Studie zu Militärausgaben

USA geben wieder mehr Geld für Rüstung aus

Im Angesicht von Terror, Konflikten und Spannungen weltweit rüsten die USA und Europa auf. Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato erreichen aber nur die wenigsten Länder. Deutschland liegt weit unter der Grenze.

Stockholm (dpa) - Nach Jahren sinkender Militärausgaben haben die USA 2016 wieder mehr Geld für Rüstung ausgegeben. Die Ausgaben stiegen leicht um 1,7 Prozent auf 611 Milliarden US-Dollar (knapp 570 Mrd. Euro). Das geht aus einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor.

Nur vier der 27 Nato-Länder, deren Rüstungsausgaben das Institut vergleicht, erreichten nach den Recherchen der Forscher 2016 das Nato-Ziel zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts: die USA, Estland, Frankreich und Griechenland.

Besonders Deutschland, Belgien, Kanada, Dänemark, die Niederlande und Spanien müssten ihre Ausgaben demnach deutlich erhöhen, um dem Zwei-Prozent-Ziel zu entsprechen, auf das sich die Nato-Partner 2014 geeinigt hatten. Deutschlands Quote lag zuletzt bei nur 1,2 Prozent. US-Präsident Donald Trump hatte die Nato-Länder mehrfach aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen und damit einen fairen Beitrag zu leisten. Beim Nato-Gipfel im Mai sollen die Ausgaben zentrales Thema sein.

Auf der Sipri-Liste bleiben die USA mit fast dreimal so hohen Rüstungsausgaben wie der Zweitplatzierte China (geschätzte 215 Mrd. US-Dollar) mit Abstand weltweiter Spitzenreiter. Auch in Asien und Europa stiegen die Militärausgaben 2016 laut dem Sipri-Bericht. In Latein- und Südafrika sowie Afrika - mit Ausnahme von Nordafrika - gingen sie trotz zahlreicher Konflikte dagegen zurück.

Auch vom Öl-Export abhängige Staaten wie Saudi-Arabien gaben 2016 weniger Geld für Rüstung aus. "Sinkende Öl-Einnahmen und mit dem Ölpreis-Schock verbundene wirtschaftliche Probleme haben viele Öl-exportierende Länder gezwungen, ihre Militärausgaben zu verringern", sagte Sipri-Forscher Nan Tian laut einer Mitteilung.

Russland zog auch aufgrund eines unerwarteten Anstiegs seiner Ausgaben gegen Ende 2016 auf der Rangliste der Länder an Saudi-Arabien vorbei und belegte Platz Drei. In den vergangenen Jahren hat nur China (Anstieg von 118 Prozent) seine Militärausgaben kräftiger erhöht als Russland (plus 87 Prozent). Indien rückte mit Ausgaben von 55,9 Milliarden US-Dollar (52 Mrd. Euro) auf Platz Fünf vor Frankreich und dem Vereinigten Königreich vor.

Deutschland erhöhte seine Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent und ist damit mit 41,1 Milliarden US-Dollar (rund 38,3 Mrd. Euro) weiter das Land mit den neunthöchsten Ausgaben. Insgesamt stiegen die weltweiten Militärausgaben laut Sipri geschätzt um 0,4 Prozent auf 1686 Milliarden US-Dollar (1570 Mrd. Euro).

Friedensforschungsinstitut Sipri, Englisch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Noch mehr "sichere Herkunftsstaaten"
Die Bundesregierung will, dass die Liste der "sicheren Herkunftsländer" länger wird. Das Vorhaben steht auch im "Masterplan Migration" von Bundesinnenminister Seehofer. …
Noch mehr "sichere Herkunftsstaaten"
Habeck: Besitzer von Brachflächen zum Bauen verpflichten
Berlin (dpa) - In Regionen mit Wohnungsnot sollten Besitzer von Brachflächen nach Ansicht des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck zum Bauen von Häusern verpflichtet werden.
Habeck: Besitzer von Brachflächen zum Bauen verpflichten
Spahn setzt bei Pflegereform auch auf Betreuungsdienste
Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Pflegekräfte entlasten, indem künftig bestimmte Leistungen auch durch reine Betreuungsdienste übernommen werden …
Spahn setzt bei Pflegereform auch auf Betreuungsdienste
SPD: Seehofer für ausreisepflichtige Gefährder zuständig
Nach der umstrittenen Abschiebung des mutmaßlichen islamistischen Gefährders Sami A. nach Tunesien hat die SPD ein stärkeres Engagement des Bundes gefordert.
SPD: Seehofer für ausreisepflichtige Gefährder zuständig

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.