+
Das zerstörte Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus. Foto: Jawed Kargar

USA entschuldigen sich für Kundus-Vorfall

Luftschlag gegen Krankenhaus: "Menschliches Versagen"

Washington - Die USA haben schwere Fehler beim Luftschlag gegen ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus eingeräumt, bei dem 30 Unschuldige sterben mussten.

Der Angriff sei "eine direkte Folge menschlichen Versagens" gewesen, sagte der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Afghanistan, General John Campbell. Auch technische Probleme und Schwierigkeiten in den Abläufen hätten dazu beigetragen. Diejenigen, die den Luftschlag angeordnet und ausgeführt haben, hätten "nicht die richtigen Maßnahmen" ergriffen, um das Ziel zu verifizieren. Mehrere Personen, die am engsten mit den Vorfall in Verbindung standen, seien suspendiert worden, sagte Campbell, ohne Rang und Zahl der Betroffenen zu nennen.

Dies habe eine Untersuchung ergeben, deren Ergebnisse in einem 3000 Seiten starken Bericht zusammengefasst sind. Bei dem Luftschlag am 3. Oktober waren 30 Menschen gestorben, darunter Patienten und Krankenhauspersonal. Zu dieser Zeit hatten die Taliban Kundus umstellt und waren dabei die Kontrolle über die Stadt zu gewinnen. Die USA hatten zunächst erklärt, der Angriff sei auf Anforderung der afghanischen Armee erfolgt.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die den Vorfall als Kriegsverbrechen bezeichnete hatte, beharrte auf einer unabhängigen Untersuchung. Der Bericht werfe mehr Fragen auf, als er beantworte. "Es ist schockierend, dass ein Angriff erfolgen kann, wenn die US-Streitkräfte weder das Ziel sehen noch eine Nichtangriffsliste vorliegen haben und die Kommunikationssysteme nicht funktionieren", heißt es in einem Statement.

Es habe den Anschein, dass 30 Menschen sterben mussten und Hunderttausenden lebenswichtige Behandlungen unmöglich gemacht wurden, nur weil das Krankenhaus das nächste größere Gebäude zu einer größeren Freifläche war und ungefähr der Beschreibung eines beabsichtigten Angriffszieles entsprach. Es habe keinerlei militärische Rechtfertigung für den Beschuss gegeben, es hätten sich keine Kämpfer in dem Gebäude aufgehalten. Die USA wollten eigentlich ein anderes, von den Taliban besetztes Gebäude, treffen.

Die afghanische Regierung begrüßte, dass die US-Army Fehler eingeräumt hat. "Anders als Terroristen und Feinde Afghanistans, die absichtlich die Zivilbevölkerung zum Ziel nehmen und brutal gegen unschuldige Männer, Frauen und Kinder vorgehen, machen wir große Anstrengungen, zivile Schäden bei der Verteidigung unseres Landes zu vermeiden", heißt es in einer Erklärung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Die Untersuchung der USA habe keine Hinweise unberücksichtigt gelassen und Fehler zugegeben, wo sie begangen wurden. Er hoffe, dass daraus Lehren für die Zukunft gezogen würden.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erdogan entlässt über 9000 Polizisten wegen Gülen-Verbindung
Ankara - Die türkische Polizei hat mehr als 9000 Beamte suspendiert, weil sie Verbindungen zum regierungskritischen Prediger Fethullah Gülen haben sollen.
Erdogan entlässt über 9000 Polizisten wegen Gülen-Verbindung
Trump-Regierung kündigt größte Steuerreform der US-Geschichte an
Washington - Es soll das größte Steuersenkungsprogramm der US-Geschichte werden: Die Regierung von Donald Trump hat die Kernpunkte ihrer geplanten Steuerreform …
Trump-Regierung kündigt größte Steuerreform der US-Geschichte an
Rückschlag für Trump bei Mauerbau - Steuerreform geplant
Donald Trump ist am Samstag 100 Tage im Amt. Bei Prestigeprojekten wie dem Bau der Mauer zu Mexiko kommt er nicht voran. Die Regierung legte nun aber Pläne für eine …
Rückschlag für Trump bei Mauerbau - Steuerreform geplant
Trump will Naturschutzgebiete verkleinern - aus simplem Grund
Washington - US-Präsident Donald Trump hat eine Untersuchung mit dem Ziel angeordnet, einen Teil der Naturschutzgebiete der USA zu verkleinern.
Trump will Naturschutzgebiete verkleinern - aus simplem Grund

Kommentare