Tränengas bei Protesten

Minneapolis: Todesfall Daunte Wright - Ex-Polizistin droht nach Schuss auf Schwarzen die Anklage

  • vonDana Popp
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Eine Polizistin in den USA hat nach einer Verkehrskontrolle einen 20-Jährigen erschossen. Es folgten große Proteste.

Update vom 15. April, 6.45 Uhr: Nach dem für den 20-jährigen Daunte Wright tödlich endenden Polizeieinsatz wurde die Polizistin Kim Potter am Mittwoch festgenommen. Gegen eine Kaution von 100.000 US-Dollar kam die 48-Jährige wenig später wieder auf freien Fuß. Das teilten die Behörden des Bundesstaates Minnesota mit. Am Donnerstag wird sie laut Medienberichten in einer Voranhörung einem Richter vorgeführt. Bis zu einem Prozess können sich die Anklagepunkte gegen die Ex-Polizistin - Potter hat nach dem tödlichen Schuss auf Wright den Polizeidienst quittiert - aber noch ändern.

Update vom 14. April, 19.20 Uhr: Zwei Tage nach dem tödlichen Schuss auf einen jungen Afroamerikaner in der Nähe von Minneapolis (USA) ist die verantwortliche Ex-Polizistin festgenommen worden. Laut Behördenangaben wird der 48-jährigen Kim Potter „Totschlag zweiten Grades“ vorgeworfen. Die frühere Polizeibeamtin wurde am Mittwoch in St. Paul in Arrest genommen.

Nun soll Potter im Verlauf des Tages in ein Gefängnis gebracht und formal beschuldigt werden. Die Anklagepunkte gegen die mutmaßliche Todesschützin können unter Umständen bis zu einem möglichen Prozess noch verändert werden. Potter hatte nach dem tödlichen Schuss auf den 20-jährigen Daunte Wright den Polizeidienst quittiert. Der Vorfall hatte Demonstrationen und teils Ausschreitungen zur Folge.

US-Polizei erschießt Schwarzen bei Kontrolle: Örtlicher Polizeichef tritt zurück

Update vom 13. April, 22.20 Uhr: Nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegen einen jungen Afroamerikaner nahe der US-Stadt Minneapolis sind die verantwortliche Beamtin und der örtliche Polizeichef zurückgetreten. Wie der Bürgermeister von Brooklyn Center, Mike Elliott, am Dienstag sagte, reichte die Polizistin, die offenbar ihre Schusswaffe mit ihrer Elektroschockpistole verwechselt hatte, schriftlich ihren Rücktritt ein. Auch Polizeichef Tim Gannon räumte seinen Posten.

Update vom 13. April, 9.53 Uhr: Der Fall George Floyd ist erst gut ein Jahr her. Nach dem gewaltsamen Tod des 20-jährigen Daunte Wright am 12. April gingen Menschen nun den zweiten Abend in Folge protestierend auf die Straße, trotz einer Ausgangssperre im Großraum Minneapolis. Dutzende Demonstranten riefen Parolen und schwenkten Banner vor der Polizeistation von Brooklyn Center. „Alle rassistischen Mörder-Bullen ins Gefängnis“ und „Bin ich der nächste?“ stand auf Demo-Schildern. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Bei dem Einsatz gegen den Afroamerikaner Wright nahe Minneapolis hatte die Polizistin offenbar ihre Schusswaffe mit einer Elektroschockpistole verwechselt (siehe vorheriges Update).

US-Präsident Joe Biden hat zur Ruhe aufgerufen. „Friedlicher Protest ist verständlich“, sagte Biden am Montag im Weißen Haus. Für Gewalt gebe es aber „absolut keine Rechtfertigung“. Der Präsident verwies auf die laufenden Ermittlungen: „Die Frage ist, ob es ein Unfall oder Absicht war. Das muss noch geklärt werden.“

US-Polizei erschießt Schwarzen bei Kontrolle: Polizeichef erklärt vermutlich folgenreichen Fehler einer Polizistin

Update vom 12. April, 21.13 Uhr: Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist der Tod eines 20-jährigen Schwarzen in Minnesota auf eine versehentliche Schussabgabe zurückzuführen. Der Polizeichef der Kleinstadt Brooklyn Center, Tim Gannon, gab an, dass Aufnahmen der Bodycam der Sicherheitskräfte darauf hindeuten, dass eine Polizistin statt eines Elektroschockers versehentlich ihre Pistole gezogen hatte.

Polizeichef Gannon zeigte bei der Pressekonferenz am Montag Aufnahmen der Bodycams der Polizisten. Darauf ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte Wright Handschellen anlegen wollen. Dabei scheint Wright sich aus dem Griff zu lösen und wieder in sein Auto zu steigen. Eine Polizisten ruft „Taser Taser Taser“, hat aber eine Pistole in ihrer Hand, aus der sich der Schuss zu lösen scheint.

Der Bürgermeister von Brooklyn Center, Mike Elliott, nannte den Vorfall «herzzerreißend und einfach unfassbar». Er sagte eine vollständige Aufklärung zu. Polizeichef Gannon sagte: „Es gibt nichts, was ich sagen kann, um den Schmerz der Familie zu lindern.“ Die Polizistin sei während der laufenden Untersuchung freigestellt worden. Elliott und Gannon betonten das Recht auf friedliche Demonstrationen, riefen aber zu Gewaltverzicht auf.

US-Polizei erschießt Schwarzen bei Verkehrskontrolle - Tränengas und Nationalgarde bei Protesten

Erstmeldung vom 12. April: Minneapolis - Ein erneuter Fall von Polizeigewalt in den USA hat heftige Proteste ausgelöst. Im Bundesstaat Minnesota hat am Sonntag (Ortszeit) in der Kleinstadt Brooklyn Center ein Polizist einen 20-jährigen Schwarzen nach einer Verkehrskontrolle erschossen. Das teilte die Polizeidirektion der Stadt Brooklyn Center im Bundesstaat Minnesota mit.

In der Stadt läuft derzeit der Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin, der wegen des Todes des Afroamerikaners George Floyd vor knapp einem Jahr angeklagt wird. Chauvin wird vorgeworfen, bei dem Einsatz im vorigen Jahr sein Knie minutenlang auf George Floyds Hals gepresst zu haben, obwohl dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Der Tod Floyds in Minneapolis am 25. Mai 2020, hat weltweit für Empörung gesorgt und in den USA beispiellose Anti-Rassismus-Proteste ausgelöst.

Polizeigewalt in den USA: Schwarzer nach Verkehrskontrolle erschossen

Einer Mitteilung der Polizei zufolge hatten die Beamten am Sonntag kurz vor 14 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) einen Fahrer wegen eines Verkehrsvergehens gestoppt. Bei der Kontrolle hätten sie festgestellt, dass gegen diesen ein Haftbefehl vorlag. Die Beamten hätten versucht, ihn festzunehmen, woraufhin der 20-Jährige mit seinem Auto zu fliehen versuchte. Einer der Polizisten habe daraufhin auf ihn geschossen und ihn getroffen. Der Mann sei noch mehrere Blocks weitergefahren, bevor das Auto mit einem anderen Wagen zusammenstieß. Dort sei der Mann verstorben.

Eine Beifahrerin habe „nicht lebensbedrohliche Verletzungen“ erlitten und sei in ein örtliches Krankenhaus gebracht worden. Der Vorfall werde untersucht. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zur Identität des Getöteten. Die Washington Post und andere Medien schrieben, dass es sich um einen 20-jährigen Schwarzen handele. Es sei unklar, ob er bewaffnet gewesen sei.

Nach dem Fall George Floyd: Erneute Polizeigewalt löst heftige Protesten in den USA aus

Am Sonntagabend versammelten sich in Brooklyn Center mehrere hundert Demonstranten. Der Zeitung Star Tribune zufolge ging die Polizei mit Gummigeschossen gegen die Protestierenden vor. Auf Fotos sind Menschen zu sehen, die auf den Motorhauben von Polizeiautos Fahnen der Bewegung „Black Lives Matter“ schwenken. Nach rund einer Stunde zog sich die Polizei zurück. Die Protestierenden entzündeten Kerzen.

Wenig später versammelten sich erneut hunderte Demonstranten vor der örtlichen Polizeistation. Die Beamten setzten daraufhin Tränengas und Blendgranaten gegen die Menge ein, berichtete ein AFP-Journalist. Die örtliche Polizei bekam Verstärkung von der Nationalgarde von Minnesota , die derzeit wegen des Chauvin-Prozesses in Minneapolis stationiert sei. (dp/dpa/AFP)

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