Vom Atomabkommen zum offenen Konflikt

Worum geht es im Streit zwischen Iran und USA? Eine Chronologie der Eskalation

Aktuell ist die Situation im Iran extrem angespannt. Doch der Konflikt schwelt schon seit langem. Ein Überblick über die Ereignisse der vergangenen Jahre.

  • Chronologie der Krise zwischen USA und Iran
  • Trump steigt aus Atomabkommen aus - Iran reagiert.
  • Iran-Konflikt: Trump tötet iranischen General Soleimani und befeuert Krise weiter.
  • München - Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA scheint im Januar 2020 kurz vor der Eskalation zu stehen. Doch der Streit zwischen den beiden Ländern schwelt bereits seit Jahrzehnten - und hat in den vergangenen Jahren insbesondere durch das Hick-Hack um das iranische Atomprogramm neuen Zündstoff erhalten. Worum geht es eigentlich genau? Eine Chronologie:

    Iran-Konflikt: Die Anfänge des Atomstreits

    Erste Berichte von US-Behörden über angeblich geheime Atomanlagen im Iran gab es im Jahr 2002. Die Regierung in Teheran dementierte diese Meldungen und verwies darauf, dass alle Anlagen unter der Aufsicht derInternationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) stünden.

    Ein Jahr später unterzeichnet die iranische Regierung einen Zusatz zu dem seit 1970 geltenden Atomwaffensperrvertrag, verzichtet damit auf die Anreicherung von Uran oder der Wiederaufbereitung von Brennstäben und gewährt der IAEA uneingeschränkten Zugang zu allen Atomanlagen. Nur zwei Jahre später nimmt der Iran jedoch eine der Anlagen zur Umwandlung von Uran wieder in Betrieb und verzichtet seit 2006 dann gänzlich auf das unterzeichnete Zusatzabkommen, was wiederum zu ersten Sanktionen durch denUN-Sicherheitsrat geführt hat.

    Neuer Präsident Rohani lässt Westen wieder auf Atomabkommen hoffen

    Erst im August 2013, als mit Hassan Rohani ein eher als gemäßigt geltender Politiker zum Präsidenten Irans gewählt wird, schreiten die Verhandlungen wieder voran. Zunächst verständigen sich die Parteien auf eine Übergangslösung mit einer Dauer von sechs Monaten, mit der zeitgleich auch Lockerungen der Sanktionen einhergehen.

    Doch dauert es letztendlich nochmal zwei weitere Jahre bis die Vertreter des UN-Sicherheitsrats und der Iran sich auf ein Abkommen einigen konnten, das nach einigen weiteren Verschiebungen schließlich am 14.07.2015 unterzeichnet wurde. Der Iran verpflichtete sich unter anderem dazu, die Anreicherung von Uran enorm zu verringern, Überschüsse ins Ausland abzuführen und derIAEA höhere Zugänge zu allen Anlagen zu gewähren. Im Gegenzug lockerte der UN-Sicherheitsrat nach und nach die gegen den Iran verhängten Sanktionen.

    Trump hält Atomabkommen für schlechten Deal - USA treten aus, Iran zieht nach

    2018 kündigte der US-Präsident Donald Trump dann schließlich an, dass die USA wieder aus dem Abkommen aussteigen und die ausgesetzten Sanktionen wieder in Kraft treten lassen. Seine Begründung: Der Vertrag verzögere den Bau eineriranischen Atombombe, verhindere ihn aber nicht. Zudem sehen die USA unter Trump den Iran als Unterstützer terroristischer Organisationen. 

    Während die übrigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats am derzeitigen Abkommen festhalten wollten, versuchten die USA eine neue Abmachung auszuhandeln, die es dem Iran unmöglich machen sollte, eine Nuklearwaffe bauen zu können.

    Als Reaktion auf die erneuerten US-Sanktionen sah sich auch der Iran nicht mehr an die Vorgaben des Abkommens gebunden und begann wieder damit, neue Anlagen in Betrieb zu nehmen, um so wieder mehr Uran anreichern zu können. Obwohl die Regierung in Teheran noch immer mit der IAEA kooperiert und ihr ermöglicht, auch weiterhin die Kontrollen der Anlagen zu übernehmen, will der Iran nun auch offiziell aus dem Abkommen aussteigen.

    Droht neuer Krieg, wenn die Lage weiter eskaliert?

    Neben den politischen Anschuldigungen der beteiligten Staaten sorgen auch immer wieder Konflikte im persischen Golf für weiteren Zündstoff. Nachdem die britische Marine einen iranischen Tanker festgesetzt hatte, weil dieser wohl entgegen der Auflagen Öl nach Syrien liefere, reagierte auch die Regierung in Teheran mit der Beschlagnahmung mehrerer Schiffe im persischen Golf. 

    Die USA starteten daraufhin eine Marinemission zum Schutz der Handelsrouten am persischen Golf, an der sich auch die britische Marine beteiligt. Seitdem gibt es von beiden Seiten aus immer wieder neue Anschuldigungen, Drohungen oder Angriffe. 

    So wird der Iran für Angriffe auf eine Öl-Raffinerie in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht. Einen Eskalationspunkt stellte auch der Sturm auf die US-Botschaft im Irak dar - irannahe Kräfte waren daran beteiligt

    Der vorläufige Höhepunkt des aktuellen Konflikts ist jedoch der Anfang Januar erfolgte Drohnenangriff der USA auf den hochrangigen General Ghassem Soleimani dar. Teheran reagierte bereits mit Drohungen, deren Umsetzung nur eine Frage der Zeit zu sein scheint

    Sollte der Konflikt also noch weiter eskalieren, droht auch anderen Nationen eine nicht unerhebliche Gefahr. Die EU scheint allerdings nicht zu einer überzeugenden außenpolitischen Antwort fähig.

    mm/tz (Quellen: dpa, AFP)

    Rubriklistenbild: © dpa / K.M. Chaudary

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