Eskalation in den USA:

Donald Trumps skandalöse Video-Botschaft an Anhänger sorgt für Entsetzen - „Das ist ein Putschversuch“

Im Rahmen der Bestätigung des Wahl-Siegs von Joe Biden in Washington kam es zu massiven Protesten bis hin zur Stürmung des Kapitols.

Update vom 7. Januar 2021, 9.29 Uhr: „Dies ist Anarchie. Dies ist ein Putschversuch“ - so fasste der Abgeordnete Seth Moulton die Lage in Washington zusammen. Das Kapitol wurde gestürmt, vier Menschen starben, es wurden Blendgranaten eingesetzt, es wurde sogar ein Sprengsatz gefunden und 52 Personen festgenommen. Die Nationalgarde wurde in die Hauptstadt entsandt. Ausnahmezustand in Washington!

Auch der gewählte Präsident Joe Biden, der in der Senats-Sitzung bestätigt werden sollte, sprach von einem Schlag gegen die Demokratie: „In dieser Stunde wird unsere Demokratie angegriffen. Das ist kein Protest, das ist ein Aufstand!“

Trump-Eskalation mit Ansage: „Wir werden hinuntermarschieren, und ich werde mit euch dort sein“

Auch in Europa blickt man geschockt in die USA. Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sagte: „Amerika ist so viel besser als das, was wir heute sehen.“ Das Auswärtige Amt mahnte die Deutschen Staatsbürger in Washington zur Vorsicht.

Die Bürgermeisterin von Washington ordnete eine Ausgangssperre bis 6 Uhr morgens an. Um 23:39 Uhr deutscher Zeit (17:39 Uhr Ortszeit) wurde schließlich bekannt gegeben, dass die Lage gesichert sei.

Trumps Vize Mike Pence sagte bei der Wiedereröffnung der Sitzung: „So wie wir uns in dieser Kammer wieder zusammenfinden, wird die Welt erneut Zeugin der Widerstandsfähigkeit und Stärke unserer Demokratie. An jene, die heute Chaos und Verwüstung in unser Kapitol gebracht haben: Ihr habt nicht gewonnen. Gewalt siegt nie, Freiheit siegt. Und dies ist immer noch das Haus des Volkes.“

Dabei kam die Eskalation mit Ansage. US-Medien zufolge hatten radikale Trump-Anhänger schon in den Tagen zuvor in sozialen Netzwerken Pläne geschmiedet, das Gebäude zu stürmen. Am Ende seiner Rede auf einer Pro-Trump-Demo am Nachmittag rief der Präsident höchstselbst seine Anhänger dazu auf, zum Kapitol zu ziehen. „Wir werden hinuntermarschieren, und ich werde mit euch dort sein. Ihr werdet unser Land niemals mit Schwäche zurücknehmen. Ihr müsst Stärke zeigen.“

„Trump wollte Chaos“ - Neues Amtsenthebungsverfahren?

Trump selbst zog allerdings nicht vor den Kongress, nur seine Anhänger. „Er wollte Chaos, weil er gelangweilt und selbstbezogen ist“, analysierte die Journalistin Olivia Nuzzi vom New York Magazine, auf Twitter. „Er hat es bekommen.“ Trump weigert sich weiter, ein strengeres Statement hervorzubringen, sondern belässt es bei seinem den Mob umschmeichelnden Video.

Auch die Nationalgarde wurde wohl nicht auf Trumps Befehl hin entsandt: Interims-Verteidigungsminister Richard V. Spencer gab gegenüber US-Medien zu, er habe dies nicht mit Trump besprochen – sondern sei damit gleich zu Vize Mike Pence gegangen.

„Ich habe so etwas seit meinem Einsatz im Irak nicht mehr gesehen“, sagte der Abgeordnete und Kriegsveteran Mike Gallagher zu CNN. Ein zweites, diesmal schnelleres Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wurde von mehreren Abgeordneten aufgegriffen, damit Trump keinen Schaden mehr anrichten könne. „Angesichts der persönlichen Verantwortung, die Trump für die heutigen Geschehnisse trägt, und angesichts seiner schamlosen Versuche, die Wahl in Georgia zu sabotieren, empfehle ich, dass das Haus sofort mit einem Amtsenthebungsverfahren beginnt“, forderte die demokratische Abgeordnete Carolyn Bourdeaux aus Georgia. 

Eskalation in den USA: Trump richtet skandalöse Video-Botschaft an Anhänger - „Wir lieben euch“

Meldung vom 6. Januar, 23.03 Uhr: Washington - Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika erlebte am frühen Mittwochnachmittag (6. Januar) gewalttätige Ausschreitungen. Am Tag der formellen Bestätigung des Wahl-Siegs von President Elect Joe Biden durch den Kongress überschlugen sich innerhalb kürzester Zeit die Ereignisse. Nach Demonstrationen in der Hauptstadt rief Präsident Donald Trump in einer Rede dazu auf, sich vor dem Kapitol zu versammeln, um gegen die Bestätigung der Wahl-Ergebnisse zu protestieren. Im Zuge dessen heizte sich die Stimmung rasant auf - bis einige Anhänger Trumps sich gewaltsam Zugang zum Kapitol verschafften und dieses stürmten. Als die beispiellosen Eskalationen bereits länger anhielten, richtete sich Präsident Trump per Video-Botschaft an seine Anhänger.

Washington: Eskalation am Kapitol - Trump richtet Video-Botschaft an seine Anhänger

„Wir hatten eine Wahl, die uns gestohlen wurde. Wir haben mit großem Abstand gewonnen“, so Trump. Dennoch sollte das Gesetz geachtet werden und Frieden bewahrt werden. Er verstehe den Schmerz seiner Anhänger über die „gestohlene“ Wahl, forderte sie jedoch gleichzeitig dazu auf, nach Hause zu gehen. Trump adressierte emotionale Worte an die Protestierenden: „Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.“

Washington-Eskalation: Trump mit Video-Botschaft - Biden fordert TV-Ansprache

Eine Ansprache Trumps war nur kurz davor von President Elect Joe Biden gefordert worden. Biden ging noch einen Schritt weiter und verlangte via Twitter eine Ansprache Trumps im nationalen Fernsehen. „Ich fordere Präsident Trump auf, jetzt ins nationale Fernsehen zu gehen, um seinen Eid zu erfüllen und die Verfassung zu verteidigen, indem er ein Ende dieser Belagerung fordert,“ so Biden.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa/AP/picture alliance

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