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Derzeit im Clinch mit den USA: der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Konflikt eskaliert

Türkei fordert USA in Visa-Streit zum Einlenken auf

Nach der US-Entscheidung zur Aussetzung der Visa-Vergabe in der Türkei hat Ankara die USA zum Einlenken aufgefordert.

Ankara - Das türkische Außenministerium bestellte am Montag den US-Geschäftsträger in Ankara ein und forderte die Rücknahme der Entscheidung vom Sonntag. Zuvor hatte die Türkei bereits die Visa-Vergabe in den USA eingestellt. Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerste sich zurückhaltend und nannte das US-Vorgehen "sehr bedauerlich".

Auslöser der Krise war am Mittwoch die Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des US-Konsulats in Istanbul gewesen. Die Justiz wirft ihm Spionage und Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung vor. Die USA wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück und verkündeten am Sonntag, dass bis zur Prüfung der Sicherheit der Konsulatsmitarbeiter in der Türkei die Vergabe von temporären Visa ausgesetzt werde. Demnach sollen nur noch Anträge für dauerhafte Visa bearbeitet werden.

Die Türkei reagierte darauf am späten Sonntagabend mit einer praktisch wortgleichen Erklärung, in der sie ihrerseits verkündete, die Visa-Ausstellung durch die türkischen Konsulate in den USA zu stoppen. Auch die Ausstellung von E-Visa über das Internet sowie die Visa-Vergabe an der Grenze sei für US-Bürger gestoppt worden, hieß es in der Erklärung.

Erdogan: Entscheidung der USA "sehr bedauerlich"

Präsident Erdogan gab sich bei einem Besuch in Kiew zurückhaltend und nannte die Entscheidung der USA lediglich "sehr bedauerlich". Die türkischen Märkte hatten besorgt auf die Auseinandersetzung reagiert: So gab die Börse in Istanbul bei Handelsbeginn um vier Prozent nach, während der Kurs der türkischen Lira um 2,7 Prozent einbrach.

Für weitere Unruhe sorgte ein Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu, dass ein weiterer türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul von der Polizei zur Befragung vorgeladen worden sei. Zudem seien seine Frau und sein Sohn wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden.

Zunächst war von einem Haftbefehl gegen den Mitarbeiter die Rede gewesen. Justizminister Abdulhamit Gül dementierte aber, dass die Justiz die Festnahme eines zweiten US-Konsulatsmitarbeiters beantragt habe. Laut der Zeitung "Hürriyet" hielt sich der Mitarbeiter im US-Konsulat auf und folgte bisher nicht der Vorladung durch die Polizei.

Im März war bereits ein türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Adana unter dem Vorwurf festgenommen worden, zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu gehören.

Das Verhältnis der Nato-Partner USA und Türkei ist wegen einer Reihe von Streitfragen seit langem angespannt. Unter anderem fordert die Türkei von den USA die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den sie für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich macht. Auch ist Ankara wütend über die US-Unterstützung für die Kurden in Syrien.

Die Fluggesellschaft Turkish Airlines bot Passagieren, die wegen des Visa-Streits nicht mehr in die USA oder die Türkei einreisen können, die Erstattung ihres Tickets oder eine Umbuchung an. Der Aktienkurs des Konzerns gab um 9,26 Prozent nach.

AFP

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