Humor trotz Corona-Krise: Joe Biden (l.) und Bernie Sanders begrüßten sich mit dem Ellenbogen. 
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Humor trotz Corona-Krise: Joe Biden (l.) und Bernie Sanders begrüßten sich mit dem Ellenbogen. 

Demokraten suchen Trump-Herausforderer

TV-Debatte im Zeichen von Corona: Biden spricht von „Krieg“ - und punktet gegen Sanders

  • Friedemann Diederichs
    vonFriedemann Diederichs
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In den USA geht der Vorwahlkampf der Demokraten in die heiße Phase. In einem auch wegen der Umstände denkwürdigen TV-Duell mit Bernie Sanders überzeugt der ehemalige Vizepräsident Joe Biden.

  • Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und Bernie Sanders lieferten sich eine ungewöhnliche TV-Debatte.
  • Schuld daran war das Coronavirus*.
  • Der ehemalige Vizepräsident von Barack Obama setzte wichtige Akzente - auch in zwei Personalfragen.

Washington - Es war eine TV-Debatte zweier Präsidentschafts-Kandidaten, wie sie die USA in ihrer Geschichte noch nie gesehen hatten. Joe Biden und Bernie Sanders begrüßten sich nicht mit Handschlag, sondern durch Ellbogen-Kontakt. Die Stehpulte der beiden wurden zwei Meter voneinander entfernt platziert. Live-Reaktionen gab es nicht, der Saal in Washington blieb leer.

Das Coronavirus im Land warf ihren Schatten auch auf dieses politische Duell, bei dem Sanders (78) nur ein Ziel hatte: Boden gutzumachen gegenüber dem 77 Jahre alten Biden, der sich durch seine glänzenden Ergebnisse bei den letzten zwei Vorwahlrunden als klarer Favorit für die Nominierung etabliert hat. Sanders liegt derzeit mit 150 Delegierten zurück und dürfte Prognosen zufolge bei den „Primaries“ an diesem Dienstag in Arizona, Florida, Illinois und Ohio weitere Verluste einfahren. Diese Vorwahlen sollen trotz Virus-Krise stattfinden.

US-Vorwahlkampf zwischen Biden und Sanders: Corona-Krise bestimmt TV-Duell

Der Kampf gegen das Coronavirus prägte dann auch die erste Stunde der 120-Minuten-Diskussion. Biden kündigte dabei für den Fall seiner Wahl im November ein massives milliardenschweres Finanzprogramm an - und versprach den US-Bürgern, ihnen Einkommensverluste durch die Krise auszugleichen.

„Wir befinden uns in einem neuartigen Krieg“, war einer der Kernsätze Bidens, der sich in der Debatte so gut wie keine Blößen gab, schlagfertig wirkte und nach der Bewertung von Beobachtern eher wie ein künftiger Präsident wirkte als der streitbare Bernie Sanders, der den Abend vor allem damit verbrachte, Aussagen Bidens anzuzweifeln und immer wieder für seine staatliche „Krankenversicherung für alle“ zu werben. Auch Biden forderte, die Coronavirus-Tests und die Behandlung müssten für jeden Bürger kostenfrei sei und vom Staat getragen werden.

US-Vorwahlkampf zwischen Biden und Sanders: Ehemaliger Obama-Vize will weibliche Stellvertreterin

Keinen Widerspruch von Sanders gab es auch, als Biden versprach, im Falle des Sieges bei den Demokraten eine Frau als Vizepräsidentin zu nominieren. „Es gibt eine Reihe von Frauen, die qualifiziert genug sind, Präsidentin zu sein. Deshalb werde ich eine Frau als Stellvertreterin auswählen.“ Namen nannte der chancenreiche frühere Vize von Barack Obama nicht. Doch sofort schossen Spekulationen ins Kraut, die von der Senatorin Amy Klobuchar - sie zählt wie Biden zur gemäßigten Mitte der Partei - bis hin zu Hillary Clinton reichen, die 2016 unglücklich Donald Trump unterlag.

Sanders wiederum vermied eine eindeutige Positionierung in der Frage der Vizepräsidentschaft und sprach lediglich von einer „starken Tendenz“, als möglicher Trump-Herausforderer dann eine „progressive Frau“ zu nominieren. Bei ihm kämen neben der Senatorin Elizabeth Warren die erst 30-jährige Jung-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York in Frage, die als einer der „Shooting stars“ der US-Politik gilt.

Biden legte sich darauf fest, im Siegesfall erstmals eine Afro-Amerikanerin an den Obersten Gerichtshof („Supreme Court“) der USA zu nominieren - ein Zugeständnis an die Farbigen in der Wählerschaft, die ihn überdurchschnittlich unterstützen und für das sensationelle Comeback des bereits totgesagten Politikers verantwortlich sind. Am Dienstag finden in mehreren Bundesstaaten erneut Vorwahlen statt.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Friedemann Diederichs

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