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Islam Karimow (78) ist tot.

Regierungschef als Nachfolger?

Usbekistans Präsident Karimow (78) ist tot

Taschkent - Nach fast drei Jahrzehnten an der Macht stirbt der usbekische Staatschef Karimow nach schwerer Krankheit. Die Nachfolgefrage gilt als offen. Drohen nun Machtkampf und Chaos?

Nach einem Schlaganfall ist der autoritäre Präsident von Usbekistan, Islam Karimow, in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik gestorben. Das teilten Regierung und Parlament in der Hauptstadt Taschkent am Freitag der Agentur Interfax zufolge in einer gemeinsamen Erklärung mit. Karimows jüngste Tochter Lola Karimowa-Tilliajewa bestätigte bei Instagram den Tod des 78-Jährigen.

Regierungschef Schawkat Mirsijajew (58) sei beauftragt worden, die Beisetzung an diesem Samstag in Karimows Heimatstadt Samarkand zu organisieren, hieß es. Beobachter sehen dies auch als möglichen Hinweis in der wichtigen Nachfolgerfrage. Aus Moskau soll Regierungschef Dmitri Medwedew zur Beisetzung nach muslimischer Tradition in der imposanten Begräbnisstätte Schachi-Sinda reisen.

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach der Familie sein Beileid aus. Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow würdigte Karimow als talentierten Politiker mit starkem Charakter. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rief zu einem tiefgreifenden Wandel in Usbekistan auf. Unter Karimow seien Folter und willkürliche Verhaftungen Teil des Justizsystems geworden.

Der Langzeit-Herrscher regierte das islamisch geprägte Land seit 1989 mit harter Hand. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 wurde er zum ersten und bislang einzigen Staatspräsidenten gewählt.

Die Regierung rief nach dem Tod eine dreitägige Staatstrauer aus. „Er ist von uns gegangen ... Ich suche nach Worten, und ich kann es selbst nicht glauben“, schrieb Karimows Tochter Karimowa-Tilliajewa.

Karimow war am vergangenen Wochenende mit Hirnblutungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Ärzte beschrieben seinen Zustand als kritisch. Örtliche Medien und die eng mit Usbekistan verbundene Türkei hatten hingegen schon früher von Karimows Tod berichtet.

„Gott hab ihn selig. Als Republik Türkei teilen wir das Leid des usbekischen Volkes“, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim der staatlichen Agentur Anadolu zufolge. Die meisten der rund 32 Millionen Usbeken sind turkstämmig. Die Beziehungen zwischen Ankara und Taschkent sind eng.

Da die Nachfolge offiziell ungeklärt ist, fürchten Experten einen Machtkampf nach dem Tod des Staatschefs. Beobachter vermuten, dass die Behörden daher aus Vorsicht wenig Informationen über Karimows Zustand herausgegeben haben. Das überwiegend muslimisch geprägte Usbekistan gilt als Rückzugsort für islamistische Extremisten.

Regierungschef Mirsijajew hatte bereits zum 25. Jahrestag der Eigenständigkeit am Donnerstag mehrere Veranstaltungen organisiert.

dpa

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