Neuer "Comandante" gesucht

Maduro und Capriles ringen um Chávez-Nachfolge

Caracas - Die Venezolaner wählen am Sonntag einen Nachfolger des vor rund sechs Wochen verstorbenen Staatschefs Hugo Chávez.

Gut sechs Wochen nach dem Tod des an Krebs erkrankten Präsidenten Hugo Chávez haben die Bürger in Venezuela einen Nachfolger für ihren langjährigen Staatschef gewählt. Als Favorit galt laut Umfragen der von Chávez zu seinem Wunschkandidaten ernannte Nicolas Maduro. Der 50-jährige frühere Außenminister übernahm nach Chávez' Tod am 5. März übergangsweise die Regierungsgeschäfte. Sein Herausforderer war der 40-jährige Oppositionsführer und Gouverneur Henrique Capriles, der Chávez bei der Präsidentschaftswahl im Oktober unterlag.

In der Hauptstadt Caracas fuhren vor dem Morgengrauen am Sonntag Lastwagen mit Lautsprechern durch die Straßen, um die Menschen zu den Urnen zu rufen. Rund 19 Millionen Venezolaner waren stimmberechtigt. Der verstorbene Chávez war selbst am Wahltag noch allgegenwärtig. Die Lastwagen schmetterten eine Aufnahme der von Chávez selbst gesungenen Nationalhymne durch die Straßen.

Die Stimmung in den Wahllokalen war gespalten. „Wir können nicht weiter an einen Messias glauben“, sagte José Romero, ein 48-jähriger Ingenieur in der Stadt Valencia im Zentrum des Landes. Er gab seine Stimme für Capriles ab. Sein Land habe aus der Vergangenheit gelernt und heute wüssten die Venezolaner, dass ein Mensch alleine nicht alle Probleme lösen könne, sagte er.

Eine 37-jährige Regierungsangestellte in Caracas, die sich nur mit dem Namen Laurena vorstellte, entschied sich ebenfalls für Capriles. Sie habe die Nase voll von fortwährenden Einschüchterungen bei der Arbeit, sagte sie. Sie sei angewiesen worden, für Maduro zu stimmen.

Andernorts war der Rückhalt für Maduro größer. In Petare am Rande von Caracas wählten offenbar viele den Chávez'-Mann - denn das habe Chávez selbst angeordnet, erklärte die 48-jährige Maria Velásquez. Ein Arbeiter sagte, er habe für Chávez gestimmt und korrigierte dann, er habe Maduro gewählt.

Die Wahllokale sollten um 00.30 Uhr MESZ am Montag schließen. Erste Auszählungsergebnisse wurden etwa drei Stunden nach Schließung der Wahllokale erwartet.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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