Chaos in Südamerika

Venezuela verschiebt umstrittene Wahl

Die Wahl in Venezuela ist vorläufig verschoben worden. Damit erreicht das Chaos rund um den wichtigen Urnengang in dem südamerikanischen Land seinen vorläufigen Höhepunkt.

Caracas - Die umstrittene Präsidentenwahl in Venezuela ist um einige Wochen verschoben worden. Statt am 22. April soll die Abstimmung nun in der zweiten Maihälfte stattfinden, wie das Wahlamt des südamerikanischen Landes am Donnerstag mitteilte. Darauf hätten sich die regierenden Sozialisten und eine Reihe von Oppositionsparteien geeinigt, teilte Wahlamtschefin Tibisay Lucena mit. Die Regierungsgegner hatten zuvor kritisiert, zu wenig Zeit für den Wahlkampf zu haben.

Präsident Nicolás Maduro will sich bei der Abstimmung bis 2025 im Amt bestätigen lassen. Beobachter befürchten, dass die Wahl nicht frei und fair ablaufen wird. Bereits im vergangenen Jahr hatte Maduro das von der Opposition kontrollierte Parlament entmachten lassen. Zudem sind viele Regierungskritiker entweder von der Wahl ausgeschlossen, in Haft oder ins Ausland geflohen. Das wichtigste Oppositionsbündnis MUD will die Wahl boykottieren.

Oppositionsführer denkt an Putsch als Wahlalternative

Ein Putsch des Militärs könnte nach Einschätzung des inhaftierten Oppositionsführers Leopoldo López Venezuela zurück zur Demokratie führen. „1958 gab es einen Putsch, der die Demokratisierung einleitete“, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der „New York Times“. „Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern gab es Staatsstreiche und danach wurden Wahlen anberaumt. Ich will nichts ausschließen.“ Bislang stehen die Streitkräfte allerdings loyal zu Präsident Nicolás Maduro.

Venezuelas umstrittener Präsident Nicolas Maduro.

Wegen Anstachelung zur Gewalt bei den Protesten gegen die Regierung 2014 wurde der Gründer der Oppositionspartei Voluntad Popular zu fast 14 Jahren Haft verurteilt. Derzeit verbüßt López seine Strafe im Hausarrest. In der Nacht auf Donnerstag drangen bewaffnete Geheimdienstagenten in das Haus des Oppositionsführers ein, wie seine Frau Lilian Tintori mitteilte.

In dem armen südamerikanischen Land sitzen mehrere Regierungsgegner in Haft. Beobachter befürchten, dass die Präsidentenwahl Ende April nicht frei und fair ablaufen wird. „Wir müssen auf verschiedenen Ebenen vorankommen: Das eine sind die Proteste auf der Straße, das andere die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft“, sagte López. „Wir müssen den Druck erhöhen.“

dpa

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