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Verbot gefordert

Debatte über Verschleierung – und was dazu im Koran steht

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München - Sie sehen aus wie Menschen aus einer anderen Welt. In der Tat demonstrieren Burka tragende Frauen – nicht immer freiwillig – eine im Westen nur schwer zu verstehende Einstellung. Entsprechend heftig wird die Diskussion darüber geführt, ob Vollverschleierung verboten werden soll.

Für die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün besteht kein Zweifel daran, dass die Burka ein „Ganzkörper-Gefängnis“ ist, „das die Menschenrechte tief verletzt“. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner sieht in der Vollverschleierung die „Ablehnung westlicher Werte“. Nicht zuletzt unter dem Druck der Flüchtlingswelle fordert die CSU ein „Verbot der Vollverschleierung mit dem Ganzkörperschleier Burka oder dem Gesichtsschleier Nikab“.

Worum es geht, hat die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, deutlich gemacht: „Wir erwarten von denen, die kommen, dass sie sich unserem Verständnis von Gleichberechtigung anschließen und zugleich den Frauen der Zuwanderungsgesellschaft deutlich machen, dass sie sich hier nicht verstecken müssen.“

Es ist ein Thema, über das sich trefflich streiten lässt. Was aber ist eigentlich der Stoff des Anstoßes, und fordert der Koran wirklich – wie oft behauptet wird –, dass sich Frauen nur verschleiert in der Öffentlichkeit zeigen dürfen? Also mit einem Kopftuch, einem „Nikab“ (einem Gesichtstuch mit einem Schlitz für die Augen, einem „Tschador“ (ein langes Tuch, das den Körper verhüllt und oft mit einem Nikab kombiniert wird) oder gar einer Burka, die nur einen Sehschlitz freilässt? Und selbst der ist zumeist mit einem Gitter aus Rosshaar oder Stoff versehen, so dass der Blick der Frauen in der Tat dem aus einem Gefängnis heraus gleicht.

Radikale machten die Burka zur Pflicht

In Afghanistan haben die Taliban das Burka-Tragen zur Pflicht gemacht. Die Radikalen haben an Einfluss verloren, doch bis heute wagen es nur wenige Frauen, ihr Haus ohne Burka zu verlassen. Pflicht ist das Tragen auch in Teilen Pakistans, des Irans und in Saudi-Arabien, wo die nicht gerade kleidsamen Stücke „Hidschab“ (Vorhang) genannt werden. Der Vorhang-Vergleich geht zurück auf den Koran, wo es in der 33. Sure heißt: „Wenn ihr die Gattinnen des Propheten um etwas bittet, dann tut das hinter einem Vorhang. Das ist reiner für euer und ihr Herz“. Wobei die Verhüllung zu Zeiten des Propheten als Zeichen der Eliten galt – nur Sklavinnen verhüllten sich nicht. Noch heute dürfen saudische Frauen ihr Gesicht nur dann unbedeckt lassen, wenn sie sich auf einer Pilgerfahrt nach Mekka, Haddsch genannt, befinden.

Überblick: Vom Hidschab bis zur Burka

Während viele Islam-Kritiker bereits das Tragen eines Kopftuches als „antiwestliche Weltanschauung“ interpretieren, sehen Musliminnen darin ein Zeichen der Sittsamkeit und des Anstandes. Es spricht für sich, dass in der Türkei auch aufgeklärte Studentinnen nach dem Fall des Kopftuchverbots sofort damit begannen, ihre Haare wieder zu verstecken. Das kann freilich nicht über die im Islam vielerorts praktizierte Unterdrückung der Frauen hinwegtäuschen. Und diese beginnt bereits mit der Gründung des Islams, als der Prophet Mohammed um das Jahr 623 als dritte Frau Aischa, die sechsjährige Tochter seines Freundes Abu Bakr, geheiratet hat.

Sexuelle Gewalt war und ist laut der Soziologin Necla Kelek in vielen Teilen der islamischen Welt eine ständige Bedrohung für die Frauen. Aber statt die Täter zu bestrafen, werden die Frauen verschleiert. Und der Schleier, ursprünglich zum Schutz vor Zudringlichkeit gedacht, wurde – so Kelek – zum Instrument der Aus- und Abgrenzung.

Der Philosoph und Theologie-Professor Hans Küng weist in seinem Islam-Buch darauf hin, dass der Koran nur an drei Stellen eine „angemessene und züchtige Bekleidung für Frauen fordert (Sure 33, Vers 35 und 59, sowie Sure 24, Vers 31). Und auch dort ist lediglich von „Abschirmung“ die Rede.

"Schleier" waren auch im Christentum üblich

Übrigens: „Schleier“, wie sie der Koran fordert, waren bereits im alten China üblich und auch im Juden- sowie im Christentum verbreitet. Der Apostel Paulus wollte Schleier auch in Korinth einführen, scheiterte aber an dem alten Brauch, dass Schleier in der hellenistischen Welt von Frauen nur am Hochzeitstag getragen wurden.

Aber zurück zum Koran, dem Ursprung und der Quelle alles Islamischen: In ihm gehören Kleiderfragen also nicht zu den religiösen, sondern zu den Gesellschaftsfragen. Küng betont, dass er für die weibliche Kleidung nur „Leitlinien der gesellschaftlichen Schicklichkeit“ liefert. Erst in der Folgezeit wurden diese Koranstellen immer einschränkender und strenger interpretiert. Selbstverständlich von Männern in einer Männerwelt, in der Frauen eine untergeordnete Rollen spielten und spielen. Und das bis hin zu dem Punkt, wo die Burka in manchen Regionen tatsächlich zu einem „Ganzkörper-Gefängnis“ geworden ist, in das sich nur wenige Musliminnen selbst und freiwillig einweisen dürften.

Lesen Sie hier:

Verschleierungsverbot ist rechtlich problematisch

Schleierverbot: Die Reaktionen zu Aigners Forderung

Aigner fordert: Arabische Touristinnen sollen Burka ablegen

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