Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel

Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel
Das inoffizielle Kandidatentrio (v.l.) Florian Pronold, Natascha Kohnen und Markus Rinderspacher posierte schon in der Vergangenheit bei der Klausur im Kloster Irsee. Foto: dpa

SPD-Klausur in Irsee

Die verbotene Kandidatenfrage

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München - Alle reden über die Kronprinzen der CSU. Doch auch die SPD muss schon jetzt an die Kandidaten der Zukunft denken. Bei der Klausur in Irsee sind sie alle zu Gast. Aber die Genossen wollen sich viel Zeit lassen.

Es ist ein ganz normales Programm für eine ganz normale Fraktionsklausur. Energiepolitik, kommunale Finanzen und so. Doch wer genau hinschaut, der kann im Kloster Irsee schon einen Blick in die Zukunft der Bayern-SPD erhaschen. Heute eröffnet Fraktionschef Markus Rinderspacher die Tagung. Morgen ist erst der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly zu Gast, anschließend spricht Generalsekretärin Natascha Kohnen. Und am Freitag schaut noch Landeschef Florian Pronold vorbei. Einer von diesen Vieren – da sind sich die Beobachter einig – wird die bayerischen Genossen in die nächste Landtagswahl führen.

Wer das Thema in der SPD-Spitze anschneidet, stößt auf wenig Begeisterung. Schon eine harmlose Anfrage per SMS versetzt die Spitze in Alarmzustand. Zu tief sitzt das Trauma: Der letzte Spitzenkandidat Christian Ude hatte sich nach einer vorsichtigen Andeutung von Florian Pronold kurzerhand selbst ausgerufen – zwei Jahre vor der Landtagswahl im Herbst 2013. In der Analyse des mit 20,6 Prozent eher mageren Ergebnis herrschte Einigkeit: Der Wahlkampf war zu lang. Anfangs hatte der in München so beliebte Oberbürgermeisters in der Partei regelrechte Jubelstürme ausgelöst – aber über zwei Jahre ließ sich die Spannung nicht halten.

Beim nächsten Mal will die SPD deshalb auf keinen Fall zu früh losschießen. Man will lieber zuschauen, wie sich die CSU zerfleischt. „Vor Anfang 2018 steht die Frage nicht an“, ist alles, was der Landesvorsitzende Pronold zum Thema sagt. Doch natürlich gibt es einen Kandidatenkreis, einen sehr überschaubaren sogar. Er umfasst vier Personen, wobei es nach den ernüchternden Erfahrungen von Ude wahrscheinlich noch schwieriger werden dürfte, den erfolgreichen Oberbürgermeister Maly für eine Kandidatur zu erweichen. Er selbst bestreitet sowieso alle Ambitionen (siehe Interview).

Bleibt also das Trio, das die Partei derzeit bayernweit führt. Pronold selbst kann sich nun als Staatssekretär für Bau und Stadtentwicklung im Bund beweisen. Eigentlich wäre der 41-Jährige gerne Minister geworden, doch in einer Großen Koalition sind die Plätze knapp. Als Staatssekretär sind die Profilierungsmöglichkeiten zwar beschränkt, aber der Niederbayer hat gut verhandelt: Die Mietpreisbremse und die Reform bei den Maklergebühren landeten auf sein Betreiben im Koalitionsvertrag. Das kann er nun die nächsten vier Jahre umsetzen und als Erfolg verkaufen.

Neben Pronold richtet sich das Augenmerk vor allem auf Markus Rinderspacher. Der Münchner legte in der vergangenen Legislaturperiode eine Blitzkarriere hin – nach nur einem Jahr im Parlament übernahm er den Fraktionsvorsitz. Die Kandidatur 2013 wäre für den 44-Jährigen zu früh gekommen. Jetzt will er ein wenig im Windschatten der Großen Koalition segeln und mit „staatsmännischen Auftritten“ Regierungskompetenz beweisen. Aber sind Rinderspacher als Oppositionsführer nicht die Hände gebunden? Nein, sagt sein Vorgänger Franz Maget, der selbst lange bayerischer Oppositionsführer während einer Großen Koalition in Berlin war. „Das hat weder Stoiber noch Beckstein noch mich daran gehindert, im Landtag völlig konträre Meinungen zu vertreten“, sagt Maget. Zudem sei der Informationsfluss aus den Berliner Ministerien besser als unter Schwarz-Gelb, so dass man die Staatsregierung inhaltlich besser packen könne. Für Rinderspacher ergäben sich dadurch viele Chancen.

Eher als Geheimtipp in der SPD gilt Natascha Kohnen. Die 46-Jährige erfüllt ihre Rolle als Generalsekretärin bemerkenswert leise, zieht lieber hinter den Kulissen die Fäden. Jetzt ist sie in der Fraktion für Energiepolitik zuständig – ein Kernthema, das sie lautstärker vertreten muss, wenn sie 2018 ernsthafte Ambitionen verfolgt. Daran aber zweifeln etliche in der SPD, auch wenn viele eine Frau an der Spitze befürworten würden.

Alle Kandidaten haben also Raum zur Profilbildung. Womöglich könnte letztlich die nächste Bundestagswahl den Ausschlag geben. Zieht Pronold als Bundesminister in ein neues Kabinett, läge der Ball erstmal in seinem Feld.

Mike Schier

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