+
Sein Polizei- und Militärapparat steht im Fokus von "Human Rights Watch": Syriens Machthaber Baschar al-Assad.

"Human Rights Watch"

Folter und Mord: Schreckliche Berichte aus Syrien

Damaskus - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat nach der Prüfung von Fotos tausender Folteropfer in Gefängnissen des syrischen Staates schwere Verbrechen angeprangert.

"Wir haben akribisch Dutzende Schicksale geprüft und sind uns sicher, dass die Bilder von 'César' ein authentischer und belastender Beweis für Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind", erklärte am Mittwoch Nadim Houry von HRW.

Ein früherer Fotograf der syrischen Militärpolizei mit dem Decknamen César war Mitte 2013 aus Syrien geflohen und hatte mehr als 53.000 verstörende Bilder aus dem Land geschmuggelt. Die Bilder zeigten die Leichen von etwa 6000 syrischen Gefangenen, viele wiesen schwere Folterspuren auf, teilte HRW weiter mit.

Einigen Häftlingen wurden die Augen ausgestochen, andere hatten Verletzungen am Rücken oder am Bauch, viele waren stark abgemagert. Der desertierte Fotograf der Militärpolizei stellte die Bilder damals ins Internet, um verzweifelten Angehörigen bei der Suche nach den Verschwundenen zu helfen.

HRW prüfte nun mehr als 28.000 der Fotos im Detail und identifizierte 27 Opfer. Vertreter der Menschenrechtsorganisation sprachen mit Dutzenden Angehörigen und früheren Mitgefangenen sowie mit einigen früheren Wärtern, die mittlerweile desertiert sind. Einer der Getöteten ist demnach Ahmad al-Musalmani, der 2012 im Alter von nur 14 Jahren festgenommen worden war, weil er ein regierungskritisches Lied auf seinem Handy hatte. Er starb später in Haft.

Ahmads Onkel Dahi al-Musalmani versuchte jahrelang, seinen Neffen zu finden und zahlte umgerechnet rund 13.000 Euro an Bestechungsgeldern für seine angebliche Freilassung. Als er seinen Neffen schließlich tot auf einem der Bilder erkannte, sei dies der "Schock des Lebens" gewesen, sagte er HRW. "Ich habe 950 Tage nach ihm gesucht. Als seine Mutter starb, sagte sie mir: 'Ich lasse ihn unter Deinem Schutz zurück.'"

HRW rief die Länder, die an einer Friedenslösung für den Bürgerkrieg in Syrien beteiligt sind, auf, sich vor allem auch um die Gefangenen im Land zu kümmern. Russland und der Iran trügen dabei eine "besondere Verantwortung". Beide Länder unterstützen die syrische Führung unter Machthaber Baschar al-Assad.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung
Sloweniens seit fünf Jahren amtierendes Staatsoberhaupt Borut Pahor hat die Präsidentenwahl am Sonntag klar gewonnen.
Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung
Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis
Nachdem der spanische Ministerpräsident Rajoy angekündigt hatte, die Regionalregierung abzusetzen und Neuwahlen auszurufen, steht der katalanische Regierungschef …
Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis
Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort
Die Bundeswehr hat die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Nordirak am Sonntag nach gut einwöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen.
Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort
"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin
Das Ziel der Veranstalter schien äußerst ehrgeizig, dann aber übertrifft die Beteiligung an ihrer Demonstration sogar ihre Erwartungen. Der Einzug der AfD in den …
"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin

Kommentare