In ganz Bayern

Verdi plant erste Warnstreikwelle

München - Die Gewerkschaft Verdi plant für kommende Woche die erste große Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst in Bayern.

„Wir werden Bayern flächendeckend mit Streikmaßnahmen bedenken“, sagte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Norbert Flach am Freitag. „Wir sind relativ verbittert, weil die Arbeitgeber bisher kein Angebot vorgelegt haben.“

Nach der ergebnislos verlaufenen ersten Runde im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes müssen sich die Bürger demnach ab Montag auf weitere Warnstreiks einstellen. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag: „Jetzt sind die Beschäftigten gefordert, dass Bewegung in die Verhandlungen kommt.“ Der Verhandlungsführer des dbb-Beamtenbundes, Willi Russ, versicherte: „Die Beschäftigten werden ihren Unmut über die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber deutlich machen.“

Verwaltungen, Kitas, Krankenhäuser

Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben Verwaltungen, Kitas, Krankenhäuser, Busse und Bahnen - aber auch Bundeseinrichtungen wie Bundeswehr und Schifffahrtsämter. Schwerpunkte am Montag bilden Niedersachsen und Südbaden. Ab Dienstag sollen Hessen sowie mehrere weitere Bundesländer folgen. Am Donnerstag und Freitag wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften in Potsdam zur zweiten Tarifrunde zusammenkommen.

Erste Warnstreiks gab es bereits am Freitag in Norddeutschland. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich mehr als 1000 Mitglieder. In Niedersachsen legten sie die Arbeit unter anderem in Verwaltungen, öffentlichen Betrieben, Kitas, Sparkassen und im Klinikum Wolfsburg nieder. Kundgebungen gab es in Gifhorn und in Rostock.

Gewerkschaften fordern Übernahme von Azubis

Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die 2,1 Millionen Angestellten der Kommunen und des Bundes waren am Donnerstag ohne ein Angebot der Arbeitgeber zu Ende gegangen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der dbb-Beamtenbund fordern eine pauschale Anhebung der Gehälter um 100 Euro monatlich sowie einen weiteren Lohnzuwachs von 3,5 Prozent. Bsirske sagte dazu: “Eine Annäherung war in der ersten Verhandlungsrunde nicht feststellbar.“

Die Gewerkschaften fordern zudem die Übernahme der Auszubildenden, des weiteren Sonderleistungen für den Nahverkehr. Russ drohte: „Wenn am Donnerstag kein ein konkretes Angebot folgt, wird das eine 'knappe Kiste'. Dann trennt uns nur noch ein Termin von der Entscheidung: Einigung oder Scheitern und bundesweiter Arbeitskampf.“

Nach Aussage der Linken bietet der öffentliche Dienst für viele keine sichere Beschäftigungsperspektive mehr. Die Abgeordnete der Linken, Sabine Zimmermann, berief sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung, wonach es 2012 im öffentlichen Dienst 403 791 Beschäftigte mit einem befristeten Arbeitsvertrag gegeben hat. Das entsprach einem Anteil von 8,7 Prozent. Frauen sind danach mit einem Befristungsanteil von 9,2 Prozent häufiger von dem Problem betroffen als Männer mit 8,2 Prozent. Bei den jüngeren Beschäftigten bis zu 30 Jahren liege die Befristung sogar bei 22,3 Prozent.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump kondoliert Witwe eines US-Soldaten - was er sagt, bringt sie erst recht zum Weinen
Nach öffentlichem Druck hat US-Präsident Trump die Witwe (24) eines gefallenen US-Soldaten angerufen. Doch was er ihr gesagt haben soll, sorgt für eine Welle der …
Trump kondoliert Witwe eines US-Soldaten - was er sagt, bringt sie erst recht zum Weinen
Im Wortlaut: Der Schlagabtausch zwischen Katalonien und Madrid
Aufforderungen, die ins Leere laufen und böse Briefe: Das schrieben sich der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont und die spanische Zentralregierung.
Im Wortlaut: Der Schlagabtausch zwischen Katalonien und Madrid
Schwedische Außenministerin wurde bei Dinner mit EU-Staatsschefs betatscht
Die schwedische Außenministerin prangert jetzt „sexuelle Gewalt auf höchster politischer Ebene“ an. Sie selbst wurde Opfer davon.
Schwedische Außenministerin wurde bei Dinner mit EU-Staatsschefs betatscht
Verteilung von Flüchtlingen: EU-Parlament für völlig neues System
Das Dublin-System ist gescheitert. Nun will das EU-Parlament ein anderes System zur Verteilung von Flüchtlingen auf den Weg bringen: Geplant ist ein „Automatismus“.
Verteilung von Flüchtlingen: EU-Parlament für völlig neues System

Kommentare