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In Gefahr? Selbst der Nachbar des Syrers, in dessen Wohnung Jaber A. festgenommen wurde, lässt sich nur vermummt filmen. „Eine solche Tat wird sicherlich vom IS nicht vergessen“, warnt auch der Leiter der Leipziger Syrienhilfe.

Verhaftung des Bombenbauers  

Asyl und Orden für die syrischen Helden?

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Nachdem drei Syrer den mutmaßlichen Bombenbauer von Chemnitz überwältigt haben, wollen Politiker den Helden zum Dank Asyl gewähren. Auch vom Bundesverdienstkreuz ist die Rede. Andere legen den Fokus auf den Gefassten, der ebenfalls als Flüchtling aus Syrien kam.

Leipzig – Am Samstag hatten die Syrer den Neuen noch zum Essen eingeladen. Es gab Lamm und Reis. Am nächsten Tag wollte der Neue, dass sie ihm die Haare abschneiden. Auf Facebook sahen sie Fahndungsaufrufe, und der Mann auf dem Bild sah ihrem Gast sehr ähnlich. Er sei gerade erst aus Syrien angekommen, und habe in Leipzig Aussicht auf einen Job. Das hatte er ihnen erzählt, doch sie glaubten ihm nicht mehr. Irgendwann waren sie sich sicher: Der Mann, dem sie am Samstag in Leipzig Unterschlupf gewährt hatten, ist Jaber A., der gesuchte Bombenbauer von Chemnitz, der mutmaßliche Terrorist. Als er sich schlafen gelegt hatte, fesselten sie ihn mit Verlängerungskabeln. Danach verständigten sie die Polizei. So erzählen es die Männer, die nun für viele Helden sind.

Kontakte zum IS

Der 22-Jährige, den seine syrischen Landsmänner aus dem Verkehr gezogen haben, sollte offenbar im Auftrag der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland angreifen. Das sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der ARD. „Wir hatten Hinweise – nachrichtendienstliche Hinweise – , dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin.“ Und am Dienstag konkretisierte Maaßen im ZDF: „Aus meiner Sicht war es fünf vor zwölf,“ Es sei ein „großartiger Erfolg der deutschen Sicherheitsbehörden“.

Würdigung für die jungen Männer

Diesen Erfolg schreiben nun aber viele eher den mutigen syrischen Flüchtlingen zu, die den Flüchtigen festhielten – nach einem missglückten Zugriff der Polizei. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Andre Hahn fordert zur Belohnung sogar die Gewährung von Asyl in Deutschland. „Das wäre ein ganz wichtiges Signal an alle hilfsbedürftigen und ehrlichen Flüchtlinge“, sagte Hahn im Bayerischen Rundfunk. Auch Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) schrieb auf Twitter: „Den heldenhaften Syrern, welche den Terroristen festgenommen haben, sollte die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit erleichtert werden.“ 

SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs forderte in der der Bild-Zeitung (Mittwochsausgabe) das Bundesverdienstkreuz für die Männer. "Was sie getan haben, zeugt von tiefem Respekt gegenüber ihren deutschen Gastgebern. Mehr Ankommen, mehr Integration ist kaum vorstellbar. Das ist vorbildlich", sagte er dem Blatt. Auch der CDU-Außenpolitiker Jürgen Klimke hält dem Bericht zufolge eine Auszeichnung der jungen Männer mit dem Bundesverdienstkreuz für angemessen. Eine solche Ehrung sei ein "starkes Signal in beide Richtungen - in die deutsche Bevölkerung und gegenüber anderen Flüchtlingen: Anerkennung, Dank und 'Mut lohnt sich'", sagte Klimke. Er werde sich persönlich dafür einsetzen.

Der Leiter der Leipziger Syrienhilfe, Hassan Zeinel Abidine, sorgt sich stattdessen um die Helden. Von den Behörden müsse nun für die Sicherheit der syrischen Flüchtlinge gesorgt werden, „denn eine solche Tat wird sicherlich vom IS nicht vergessen“.

Terrorverdächtiger kam auch als Flüchtling

Dass allerdings auch der mutmaßliche Bombenbauer als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, beschäftigt den CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl. Er fordert einen Abgleich der Asylsuchenden „mit allen international verfügbaren Datenbanken über Terrorverdächtige“. Die Nachrichtendienste müssten „endlich vollautomatisch Zugang zur Kerndatenbank der Asylsuchenden bekommen“, sagte er der „Welt“ .

Ebenfalls in der „Welt“ ist unter Berufung auf Ermittlerkreise zu lesen, dass A. Deutschland wohl bereits im Frühjahr verlassen habe und in die Türkei gereist sei. Erst Ende August soll der mutmaßliche Extremist, der den Ermittlungen zufolge IS-Kontakte hatte, wieder nach Deutschland zurückgereist sein. Es heißt, A. habe über auffällig viel Bargeld in US-Dollar verfügt. Unklar sei, ob er auch in einem terroristischen Ausbildungslager in Syrien war.

Alle aktuellen Entwicklungen in dem Fall können Sie in unserem News-Blog mitverfolgen.

Eine bislang offene Frage ist auch, wie eigentlich mit einem Syrer umzugehen ist, wenn er nach dem Verbüßen der Strafe, zu der er für die Planung eines Anschlags verurteilt wurde, aus der Haft entlassen wird. „Den Aufenthaltstitel könnte man ihm entziehen“, erklärt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Wenn es sich allerdings wie im Chemnitzer Fall um einen Syrer handelt, wäre eine Rückführung momentan nicht möglich – schließlich herrsche ein Abschiebeverbot. Wäre das bei Haftentlassung immer noch der Fall, und der Betroffene würde als noch gefährlich eingeschätzt, würden laut Innenministerium Überwachungsmaßnahmen angeordnet. „Das gab es ja auch schon in anderen Fällen“, erklärt der Sprecher.

mit Material von dpa

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