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Wer ist da vorne? Wer sitzt im Nacken: Horst Seehofer (rechts) und Markus Söder beim CSU-Parteitag.

Streit in der CSU

Verklausulierte Attacke: Seehofer rügt erneut Söder

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    Mike Schier
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Berlin/München – Die CSU-Alphatiere streiten noch immer: Nun attackiert Horst Seehofer seinen ehrgeizigen Finanzminister wenig verklausuliert.

In der CSU gehen nach dem Parteitag die internen Reibereien weiter. Bayerns Finanzminister Markus Söder rügte, dass Parteikollegen Unterstützung für eine erneute Kanzlerkandidatur Angela Merkels (CDU) geäußert hatten. „Einige aus der CSU sind bereits mit vorauseilendem Gehorsam nach vorn gegangen. Das war nicht gut“, sagte Söder der „PNP“. Parteivize Manfred Weber und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hatten die CSU zur schnellen Merkel-Unterstützung aufgerufen.

Bei einer internen Sitzung von Landes- und Bundespolitikern der CSU am Montag in Berlin reagierte Parteichef Horst Seehofer gereizt auf Söders Interview – obwohl er die Meinung inhaltlich teilt und Merkel auch noch nicht zur Kandidatin ausrufen will. Er kritisierte laut Teilnehmern den Stil, wie üblich ohne Söder namentlich zu nennen. „Egoistisch statt strategisch“ sei das Vorgehen mancher in der Partei. „Wer täglich Förderbescheide verteilt, ist noch kein Stratege“, zitieren ihn Zuhörer. Das ist eine klare Anspielung auf Söder; der Heimatminister übergibt Förderbescheide gern persönlich an Kommunalpolitiker. 

Seehofer forderte ein Ende der Diskussionen nach dem Parteitag vom Wochenende. Das Gesamtwohl der Partei müsse stärker beachtet werden. Auf dem Parteitag hatte Seehofer versucht, das Verhältnis von CSU und CDU allmählich neu auszubalancieren. 

Seehofers Ansage an Söder trägt zwar in ihrer Schärfe noch nicht die Züge früherer Zeiten, etwa der legendären Weihnachtsfeier 2012 (“zu viele Schmutzeleien“). Die Auseinandersetzungen zwischen Söder und Seehofer spitzen sich in der CSU seit einigen Wochen aber wieder zu. Auf dem Parteitag waren sie sich aus dem Weg gegangen, hatten nur in TV-Interviews hinterher in Andeutungen ihr Missverhältnis kommentiert. Am Dienstagabend tritt Söder beim ihm gegenüber sehr freundlich gesinnten CSU-Bezirksverband München auf – Fortsetzung des Disputs gut möglich. 

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